Unternehmen / Ausland

Saab verstärkt Kerngeschäft – Sinnvolle Portefeuillebereinigung – Pensionskassen geben Ericsson «Ethik-Siegel»

Giorgio Müller

Von Jörgen Detlefsen
Stockholm

Der schwedische Telecomgigant Ericsson verabschiedet sich vom Rüstungsgeschäft, das mit 2 Mrd. sKr. nur noch 1,3% des Konzernumsatzes ausmacht. Käufer ist Saab, für die Rüstung das Kerngeschäft bildet.
Ericsson veräussert die Sparte Microwave Systems (EMW), die militärische Elektronik unter anderem für Radar, Luftüberwachung und Leitsysteme herstellt, sowie seinen 40%-Anteil an der bislang gemeinsam betriebenen Raumfahrtgesellschaft Saab Ericsson Space. Zudem werden die 20% am Militärflugzeugprojekt JAS Gripen abgestossen, für das Saab schon bisher die Federführung hatte. Durch die Transaktion werden 1250 Beschäftigte von Ericsson zu Saab wechseln. Der Kaufpreis beträgt 3,8 Mrd. sKr. (638 Mio. Fr.). Weil EMW indes 600 Mio. sKr. in der Kasse hat, wird Saabs Bilanz lediglich mit 3,2 Mrd. sKr. belastet.
Ericsson wollte die Rüstungssparte schon seit längerer Zeit abstossen, fand jedoch keinen Abnehmer, der genug bezahlen wollte. Jetzt stimmt die Rechnung. Zudem war Saab der Wunschkäufer, um die militärische Elektronik im Land zu behalten. Saab bestreitet über 70% der schwedischen Rüstungsproduktion.
Ericsson erzielt aus dem Geschäft einen Buchgewinn von 3 Mrd. sKr. Das entspricht den Kosten der länger als erwartet dauernden Integration der britischen Marconi und des Restrukturierungsprogramms des Unternehmens. Auf den diesjährigen Vorsteuergewinn hat das Geschäft keinen Einfluss. Der Abschied von der nicht sonderlich rentablen Rüstungstochter dürfte aber längerfristig die Margen von Ericsson stabilisieren.
Gemäss Hans Vestberg, Vizekonzernchef und Leiter von EMW, war nicht der Mittelzufluss das Motiv für den Verkauf. Die Sparte militärische Elektronik sei auf dem Weltmarkt einfach zu klein gewesen. Die technischen Errungenschaften wurden zwar auch in der zivilen Entwicklung und Fertigung genutzt, doch die Synergien hätten an Bedeutung verloren. Ericsson behält indes wichtige Patente und den Bereich «öffentliche Sicherheit und Personenschutz» (Terrorbekämpfung), in dem man weiterhin mit Saab zusammenarbeiten will. Interessant ist, dass schwedische Pensionskassen, die bei ihren Investitionen ethische Kriterien anlegen, Ericsson nach dem Ausstieg aus der Rüstungsbranche nun als akzeptabel bezeichnen.
Eine grössere Bedeutung hat das Geschäft für den Rüstungskonzern Saab, der damit seine Stellung als führender Hersteller in Skandinavien festigen will. Konzernchef Åke Svensson sprach von «der wichtigsten Akquisition von Saab». Nur zwei Wochen zuvor erwarb das Unternehmen die dänische Maersk Data Defence und etablierte sich damit in einem weiteren Nato-Land.
Wegen Abschreibungen und Integrationskosten werden Saabs Margen und der Gewinn im laufenden Jahr tiefer ausfallen. Ab 2007 soll die Akquisition indes einen Gewinnbeitrag liefern und die langfristig anvisierte Gewinnmarge von 10% ermöglichen. Die erworbenen Aktivitäten kann Saab sowohl in der Rüstungsfertigung als auch im zivilen Flugzeugbau und der Raumfahrt (u.a. Zulieferung zur Ariane-Rakete) gut nutzen.

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