Natürlich kommen Sie um Mozart nicht herum. Der 1756 hier geborene Musikgenius ist omnipräsent. Sein Geburtshaus, sein Wohnhaus und das bald 400-jährige, bronzene Taufbecken im prächtigen Dom, in dem er getauft wurde, sind ebenso Touristenpflicht wie die Marzipan-Schokolade-Kugeln mit seinem Konterfei und seinem Namen.

Bekanntlich bestand zwar zwischen ihm und seiner Heimatstadt mit ihrem Fürsterzbischof eher eine Hassliebe, und als 25-Jähriger haute er endgültig ab nach Wien. Die Salzburger und ihre Tourismusindustrie haben ihm das aber längst verziehen und leben heute gut von ihm.

Doch oha: 2005 ist er zurückgekehrt. Fast drei Meter hoch, als in Bronze gegossene Figur. Und als Frau, wie der üppige Torso mit beschwingtem Spielbein und typischer MozartzopfFrisur unschwer zeigt. Die Muse steht eben über den Geschlechtern.

Die Skulptur des deutschen Malers und Bildhauers Markus Lüpertz ist eines von bis heute dreizehn Werken, die die 2001 gegründete Salzburg Foundation bisher auf Plätzen inmitten der Stadt errichtet hat, wo man moderne Kunst nicht unbedingt erwarten würde.

Plätze, die die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler auf Wanderungen durch die Stadt selbst bestimmen konnten. Alles international hochkarätige Namen wie Anselm Kiefer, Stephan Balkenhol, James Turrell, Mario Merz, Marina Abramović oder die Österreicherin Brigitte Kowanz, die auf den vier Brückenköpfen der geschichtsschwangeren Staatsbrücke halbtransparente Spiegelkuben mit ebenso irritierenden wie faszinierenden Neonschriften platzierte.

Auf einem «Walk of Modern Art» lassen sich die dreizehn Skulpturen in der Stadt erwandern. «Es geht nicht darum, die Plätze einfach zu möblieren, sondern die Orte neu zu sehen», sagt Professor Walter Smerling, Spiritus Rector des Kunstprojekts im öffentlichen Raum.

Ein Projekt ohne öffentliches Geld notabene, finanziert von Sponsoren (den Anfang machte 2002 übrigens Credit Suisse) und von den Mitgliedern der Stiftung. Vor fünf Jahren gingen die Skulpturen an die Sammlung des Industriellen Reinhold Würth über, der sie der Stadt als Dauerleihabe überlässt.

Inzwischen freut sich Walter Smerling, der mit Stadt und Öffentlichkeit für die Platzierung von neuer Kunst an historischen Orten so manchen Überzeugungskampf ausgefochten hat: «Auch wenn uns anfangs Skepsis und Ablehnung entgegenschlugen – heute gehören die Werke zur Stadt wie die Festung. Die Salzburger würden sie nicht mehr hergeben.»

Auch aufsehenerregende zeitgenössische Architektur, die so gar nicht dem denkmalgeschützten Image der Stadt entspricht, gibt es zu entdecken. Vom spektakulären Hangar-7 aus Glas und Stahl, mit Flugzeugmuseum und einem der Spitzenrestaurants der Stadt, bis zum neuen Anbau der altehrwürdigen Universität Mozarteum.

Von der in dekonstruktivem Stil gebauten Zentrale der Bausparkasse Wüstenrot der lokalen Architekten TSB bis zur Stadtbibliothek des Architekturbüros Halle1, mit der über dem Gebäude in 32 Metern Höhe auskragenden Panoramabar und Lese-Lounge, um nur einige der neu gebauten Sehenswürdigkeiten zu nennen. Auf diversen Architekturtouren sind sie zu besichtigen.