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Santhera und Idorsia schliessen Millionendeal

Im Gegenzug für die Sublizenz eines Muskelmedikaments soll Idorsia rund 13% Anteil an Santhera erhalten. Damit wird der Pharmakonzern zum grössten Santhera-Aktionär.

(AWP) Die beiden Pharmaunternehmen Santhera (SANN 15.64 2.89%) und Idorsia (IDIA 22 0.73%) haben einen Millionendeal abgeschlossen: Santhera erhält die Option, die exklusive Sublizenz des Steroids Vamorolone zur Behandlung der Krankheit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) zu erwerben. Im Gegenzug erhält Idorsia unter anderem einen Anteil von 13,3% an Santhera. Für die Finanzierung des Deals plant Santhera eine Kapitalerhöhung.

Denn die Abspaltung des aufgekauften Unternehmens Actelion kassiert zusätzlich zur Aktienkomponente eine Vorauszahlung von 20 Mio. $, wie Santhera am Dienstagabend mitteilte. 15 Mio. davon sollen Idorsia für die damalige Investition entschädigen. Das Medikament stammt nämlich aus der Pharmaküche der Firma ReveraGen. Die Barkomponente hängt noch von einer Finanzierung ab.

Das nötige Geld will Santhera über eine Kapitalerhöhung beschaffen. Dafür beruft das Baselbieter Unternehmen eine ausserordentliche Generalversammlung am 11. Dezember ein. Insgesamt sollen im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens brutto rund 50 Mio. Fr. eingenommen werden.

Studie läuft

Derzeit wird bei Vamorolone eine zulassungsrelevante Phase-IIb-Studie durchgeführt, wie es weiter in der Mitteilung hiess. Nach Erhalt der Resultate kann Santhera entscheiden, ob sie die Sublizenz kauft. Diese würde es ihr erlauben, das Steroid in allen Indikationen und allen Ländern weltweit mit Ausnahme von Japan und Südkorea zu vermarkten. Dafür müsste die Firma Idorsia einmalig 30 Mio. $ zahlen.

Dazu kommen regulatorische und kommerzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 80 Mio. $ für die DMD-Indikation und vier einmalige Umsatzmeilensteinzahlungen von insgesamt bis zu 130 Mio. $. Für drei zusätzliche Indikationen sind regulatorische Meilensteinzahlungen von Santhera an Idorsia von insgesamt bis zu 205 Mio. $ vereinbart. Nach Markteinführung verpflichtet sich Santhera, gestaffelte Lizenzgebühren im einstelligen bis tiefen zweistelligen Prozentbereich zu zahlen.

500 Mio. $ Umsatz möglich

Santhera verspricht sich von Vamorolone einen möglichen Spitzenumsatz von 500 Mio. $. Erbringt die laufende Studie gute Resultate, könnten Zulassungsanträge in den USA Ende 2020 und in der EU 2021 eingereicht werden.

Das Mittel habe das Potenzial, bei jungen Patienten mit DMD Therapiestandard zu werden. In dieser Patientengruppe bestehe ein erheblicher ungedeckter medizinischer Bedarf, da hochdosierte Glukokortikoide schwerwiegende systemische Nebenwirkungen hätten, die eine Langzeitbehandlung einschränkten, schrieb Santhera.

Santhera-Aktie stürzt ab

Die Bank Vontobel (VONN 54.65 0.64%) schätzt den Handel zwischen den beiden Schweizer Biotechfirmen als positiv ein, behält aber das Hold-Rating für Idorsia und ein Kursziel von Fr. 21 bei. Die Aktie stand am Mittwochmorgen nach 11 Uhr knapp über Fr. 18, fast 1% weniger im Vergleich zum Vortagesschluss. Allerdings waren die Valoren wie auch jene von Santhera zunächst mit Gewinnen in den Handel gestartet. Nach 10 Uhr stürzten beide ab. Die Santhera-Aktie gab bis zu 10% auf Fr. 13,5 nach, erholte sich aber umgehend und stand nach 11 Uhr noch rund 5% im Minus. Ein Analyst von Kepler Chevreux hatte eine Verkaufsempfehlung für Santhera abgegeben. Zu Idorsia waren hingegen keine zusätzlichen Nachrichten publik geworden.

Vontobel-Analyst Stefan Schneider erachtet die Vereinbarung für beide Seiten als Gewinn. «Angesichts der vielen Aktiva, auf die sich Idorsia konzentrieren muss, hat es unseres Erachtens gut daran getan, die Option auf die Sublizenz für Vamorolone an Santhera zu verkaufen», schreibt er in einer Einschätzung. Santhera wiederum habe bereits Erfahrung mit DMD und sollte «ideal aufgestellt sein, um das Potenzial von Vamorolone zu maximieren».

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