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SAP erreicht Prognosen und plant Restrukturierung

Das Cloud-Geschäft des deutschen Softwareproduzenten verliert im vierten Quartal vorübergehend an Schwung. Insgesamt konnte SAP die Erwartungen jedoch erfüllen.

(Reuters) Der Softwareriese SAP (SAP 135.04 0.27%) hat im abgelaufenen Jahr seine Ziele erreicht und verschreibt sich nun ein Restrukturierungsprogramm. Mitarbeitern werde der Vorruhestand angeboten, kündigte Firmenchef Bill McDermott am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz an. SAP befinde sich in einer «schnelllebigen Industrie». Insgesamt wollen die Walldorfer bis zu 950 Mio. € in die Hand nehmen, um Mitarbeitern den Abschied schmackhaft zu machen. Ende 2018 zählte SAP knapp 96’500 Beschäftigte. Ende 2019 will der Konzern trotz der Massnahmen bei mehr als 100’000 liegen.

Der Dax-Konzern habe «alle Prognosen erfüllt oder übertroffen» erklärte Firmenchef McDermott. Der Jahresumsatz kletterte währungsbereinigt 11% auf 25,96 Mrd. € – im Oktober hatte SAP Erlöse von mindestens 25,2 Mrd. € in Aussicht gestellt. Das Betriebsergebnis wuchs 10% auf 7,48 Mrd. €, hier hatte das Unternehmen mindestens 7,425 Mrd. € angepeilt.

Im vierten Quartal hatten vor allem die für das zukünftige Geschäft entscheidenden neuen Cloud-Buchungen an Dynamik verloren. Sie stiegen währungsbereinigt nur noch 23%, nachdem es im Vorquartal noch zu einem Plus von 37% gereicht hatte. «Fluktuation ist absolut normal», sagte Finanzchef Luka Mucic.

Das stark wachsende Cloud-Geschäft befindet sich in einem Wandel, in dem noch unklar ist, wer letztlich die Nase vorn hat. SAP konkurriert unter anderem mit den US-Konzernen Salesforce, Oracle (ORCL 57.39 -0.24%) und Workday, die wie die Deutschen stark investieren. Erst vergangene Woche schloss SAP die im November bekanntgegebene 8 Mrd. $ schwere Übernahme der US-Firma Qualtrics ab. McDermott gab sich auch angesichts der Zukäufe gewohnt siegessicher: «Wir werden gewinnen.» Im laufenden Jahr soll das Betriebsergebnis maximal 11,5% auf 8 Mrd. € zulegen. Einen Ausblick auf den Umsatz will SAP nicht mehr geben, er soll allerdings «etwas geringer» als das Betriebsergebnis wachsen.

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung und einfacherer Wartungsmöglichkeiten verzichten immer mehr Firmen darauf, teure Software-Lizenzen zu erwerben. Sie kaufen stattdessen flexiblere Web-Abos, die in der Regel monatlich bezahlt werden und nicht einmalig. Dies wie auch die hohen Investitionen belasten bei SAP seit vielen Quartalen die operative Marge. Im vierten Quartal fiel diese vor allem am Aktienmarkt vielbeachtete Kennzahl auf 33,2% nach 34,7% im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr reichte es zu 28,8%. Mucic hatte eigentlich 29,8% angepeilt und versprach nun, die Trendwende sei eingeleitet.