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SAP will US-Tochter Qualtrics an die Börse bringen

Der deutsche Softwarekonzern ist nach dem Börsengang von Qualtrics bereit für weitere Zukäufe.

(Reuters/EM) Was Microsoft (MSFT 212.48 -1.79%) oder Oracle (ORCL 55.23 -0.09%) für die USA, ist SAP (SAP 137.22 1.46%) für Europa. Dem wertvollsten Dax-Konzern, das Softwarehaus SAP, läuft es derzeit wie am Schnürchen, trotz Coronakrise. Im zweiten Quartal stieg der Betriebsgewinn (Non-IFRS) 7% auf 1,96 Mrd. €, der Umsatz blieb zu konstanten Wechselkursen stabil, der 2020er-Ausblick wurde bestätigt.

Doch was die SAP-Aktien am Montag 3% nach oben schickte, ist nicht das starke Zahlenset, sondern die Nachricht, dass SAP sich von Qualtrics trennen und an die Börse bringen will. SAP hatte Qualtrics vor nicht einmal zwei Jahren für 8 Mrd. $ gekauft. Qualtrics bietet eine Software-Plattform an, die in Echtzeit Kundenfeedbacks zu Produkten und Dienstleistungen einholt.

Qualtrics ist zwar SAPs kleinstes Geschäftsfeld, konnte den Umsatz im jüngsten Quartal aber um einen Drittel vergrössern. Nimmt man eine gängige Software-Bewertung für den US-Markt an, so könnte Qualtrics eine Bewertung von bis zu 16 Mrd. $ erreichen. Auf die Aktionäre des im kurpfälzischen Walldorf beheimateten Konzerns dürfte also ein Geldregen zukommen.

SAP stand beim Kauf von Qualtrics in der Kritik, zu viel für die Software-Plattform gezahlt zu haben. Angesichts der potenziellen Verkaufsprämie dürfte das Kritiker zum Schweigen bringen. SAP stellt in Aussicht, nach dem Börsengang von Qualtrics einen Anteil von 10 bis 15% zu behalten. Der SAP-Finanzchef Luka Mucic zeigt sich zuversichtlich, dass das Finanzmarktdebüt von Qualtrics «alle Zutaten» habe, um vom Markt gut aufgenommen zu werden.

Zeitplan unklar

Zu Details wie dem Zeitplan des Börsengangs hält sich SAP bislang bedeckt. Vorstandschef Christian Klein betonte, SAP wolle weiterhin die Mehrheit an Qualtrics halten: «Wir sind auf lange Sicht dabei.» Kleins Vorgänger Bill McDermott hatte den 8 Mrd. $ schweren Zukauf unter Dach und Fach gebracht und dafür angesichts des Preises auch Kritik eingeheimst. «Der teilweise Börsengang kreiere ein Win-Win-Setup», sagte Klein. Qualtrics könne ausserhalb von SAP Kunden gewinnen, während Europas wertvollstes Technologieunternehmen weiterhin die US-Tochter konsolidiere.

Qualtrics-Mitgründer Ryan Smith sagte, es sei inzwischen ein «deutlich grösseres Unternehmen» als vor dem Kauf durch SAP, als es bereits kurz vor dem Börsengang stand und damals eine Bewertung von mindestens 6 Mrd. $ anpeilte. Mucic wollte keinen Einblick in die angestrebte Bewertung geben, sagte aber, in der Regel brächten Technologiefirmen eine Beteiligung zwischen 10 und 15% an die Börse.

SAP bestätigte den Ausblick für 2020 wie auch für 2023. Im April hatte Europas wertvollstes Technologieunternehmen wegen der Corona-Krise seine Erwartungen nach unten geschraubt. «Mit unseren Investitionen in strategische Wachstumsfelder sind wir zuversichtlich, dass wir nicht nur die Krise bewältigen, sondern auch gestärkt aus ihr hervorgehen werden», sagte Mucic.

Anfang Juli hatte SAP bereits Einblick in das zweite Quartal gegeben, das angesichts florierender Cloud-Geschäfte überraschend gut verlief. Bisher noch nicht bekannt war der Gewinn je Aktie, der um 7% auf 1,17 € stieg.

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