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Satte Renditen in der Säule 3a

Wer in der privaten Vorsorge auf Aktien setzen will, hat mittlerweile eine grosse Auswahl. Entscheidend sind die Kosten.

Ivo Ruch

Endlich. Die Vorsorgefonds in der Säule 3a werden günstiger, nachdem sich die Preise für lange Zeit wenig bis gar nicht bewegt hatten. Das zeigt eine Analyse von 84 Produkten, die «Finanz und Wirtschaft» in Zusammenarbeit dem Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch gemacht hat. Sämtliche Anlageprodukte sind im Rahmen der dritten Säule für Privatanleger erhältlich (hier geht es zum individuellen Vorsorgefonds-Vergleich).

Konkret: Die durchschnittlichen Gesamtkosten bei einer Anlagesumme von 100’000 Fr. während zehn Jahren betragen 10’519 Fr. Bei der letzten Auswertung vor rund einem Jahr lagen die Durchschnittskosten noch bei 12’012 Fr. Digitale Vorsorgelösungen hätten in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, was sich generell positiv auf die Kosten von Vorsorgeprodukten auswirke, sagt Felix Oeschger, Analyst bei Moneyland.

So wurden neu im Unterschied zum letzten Jahr die Online-Produkte von Viac, Frankly, Generali (Gm 17.04 -1.88%) oder Tellco berücksichtigt. Digitale Anbieter sind in der Regel deutlich preiswerter als herkömmliche 3a-Fonds (vgl. Text unten). «Aber auch klassische Vorsorgefonds wurden in den letzten Jahren tendenziell etwas günstiger», so Oeschger.

Grosse Unterschiede bei den Kosten

Weiterhin ist es aber so, dass einige Anbieter auffallend hohe Gebühren verlangen (vgl. Tabelle). Das ist dann noch viel stossender, wenn die Performance zu wünschen übrig lässt. Im Vergleich sind die TER-Gebühren (Total Expense Ratio) von der Performance bereits abgezogen, nicht jedoch Depot-, Ausgabe-, Rücknahme- und Pauschalgebühren. Bei der Beurteilung der effektiv anfallenden Kosten ist deshalb die Spalte mit den Gesamtkosten entscheidend.

Die 3a-Produkte von UBS (UBSG 17.99 +1.35%) und Swiss Life (SLHN 555.60 +0.51%) sowie einzelne von CS gehören zu den teuersten. CS hat die TER für ihre passiven Produkte im Juli 2021 gesenkt, diese sind im aktuellen Vergleich aber noch nicht berücksichtigt. UBS schreibt auf Anfrage: «Wir bieten unseren Kunden eine umfassende und ganzheitliche Beratung zu 3a im Rahmen ihres Gesamtportfolios an.» Im Vergleich zu rein digitalen Anbietern biete UBS daher eine vorteilhafte und umfangreiche Zusatzleistung, weshalb man das Preis-Leistungs-Verhältnis als insgesamt attraktiv erachte. Swiss Life verweist ebenfalls auf ihre Vorzüge in der Betreuung und Beratung, was bei rein digitalen Anbietern nicht Teil des Angebots sei. «Folglich sehen wir keine Anpassungen beim Pricing vor.»

Über den Beratungsbedarf müssen sich Anlegerinnen und Anleger in der Tat bewusst sein, etwa indem sie ihre Finanzkenntnisse einzuschätzen wissen. Zur Ermittlung eines Risikoprofils (Risikobereitschaft und Risikofähigkeit) gibt es auch diverse unabhängige Online-Instrumente. Sie dürfen aber auch nicht ausblenden, wie gross die Kostenunterschiede in der Praxis sind. Je nach Anbieter können bei einer ausgewogenen Strategie mehrere Tausend Franken gespart werden. Dies unter der Annahme, dass ein Anlagebetrag von 100’000 Fr. über zehn Jahre konstant bleibt und dann verkauft wird. Aktive Produkte sind in der Regel teurer als ihre passiven Pendants, die auf marktnahe Indexfonds oder ETF setzen.

Passiv und erfolgreich

Bei der Performance ist bemerkenswert, wie gross die Differenz selbst bei ähnlich hohem Aktienanteil ist. Für die letzten zehn Jahre beträgt der Unterschied zwischen einem Produkt der Swiss Life und einem der Luzerner KB – beide mit 45% Aktienanteil – rund 20 Prozentpunkte. Bei den offensiven Fonds mit Aktienanteil zwischen 50 und 100% zeigt sich zudem, dass eine aktive Verwaltung des Vermögens mitnichten erfolgreicher ist als passive Strategien.

Im Jahr 2021 erzielte der passive Fonds der Basellandschaftlichen KB mit 26% die höchste Rendite. Auch andere Produkte mit hohem Aktienanteil erreichten eine ähnliche Performance wie der Schweizer Aktienmarkt. Wichtig: Investments mit hohem Aktienanteil eignen sich erst ab einem Anlagehorizont von zehn Jahren. Nur so können die Schwankungen an den Finanzmärkten wieder wettgemacht werden.

Die Säule 3a dient nicht nur dem Vermögensaufbau, sondern auch der Steuerersparnis. Sämtliche Einzahlungen können in der Steuererklärung vom Einkommen abgezogen werden. Und das Guthaben zählt nicht zum steuerbaren Vermögen. Trotz der Aussicht auf magere Renditen sind Kontolösungen in der dritten Säule am beliebtesten. Nur ein Viertel der Schweizer 3a-Gelder wird in Wertschriften investiert, bei einem Gesamtvolumen von mehr als 130 Mrd. Fr. Obwohl die 3a-Konten seit geraumer Zeit kaum mehr Zins abwerfen, sind sie in vielen Fällen eine gute Alternative zu Geldmarkt- und Obligationenfonds, wo die Gefahr von Negativrenditen besteht.

Individueller Steuereffekt

Das in der dritten Säule angesparte Kapital kann frühestens fünf Jahre vor der ordentlichen Pensionierung bezogen werden. Zu den Ausnahmen gehören die Finanzierung von selbst bewohntem Wohneigentum oder die Auswanderung. Beim Bezug fällt in jedem Fall eine Steuer an. Wie gross die Steuerersparnis in der Säule 3a unter dem Strich ist, hängt unter anderem vom Wohnort ab. Es lohnt sich ausserdem fast immer, mehrere 3a-Konten oder Depots zu führen, um diese in unterschiedlichen Steuerperioden aufzulösen. So kann die Steuerprogression gebrochen werden (hier können Sie Ihre individuellen Steuern berechnen).

Im Jahr 2022 können maximal 6883 Fr. in die Säule 3a eingezahlt und vom Einkommen abgezogen werden. Für Erwerbstätige ohne Pensionskasse beträgt der Maximalbetrag 34’416 Fr. Wer sich für Wertschriften entscheidet, zahlt am besten schon Anfang Jahr ein. So fällt der Zinseszinseffekt über eine möglichst lange Zeit an.