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Saudi-Arabien startet Mega-Börsengang

Der Ölgigant Aramco soll an die Börse. Das Staatsunternehmen hat von der nationalen Aufsichtsbehörde grünes Licht erhalten.

(Reuters) Saudi-Arabien steuert mit dem weltgrössten Ölkonzern Aramco auf einen der grössten Börsengänge aller Zeiten zu. Das Staatsunternehmen erhielt am Sonntag von der nationalen Aufsichtsbehörde grünes Licht für eine Notierung am heimischen Aktienmarkt. Ein konkreter Zeitplan für den bereits seit rund drei Jahren avisierten Sprung auf das Handelsparkett wurde zunächst nicht genannt. Vorerst könnten Insidern zufolge 1 bis 2% der Anteile platziert werden. Im Gespräch sei dabei ein Emissionsvolumen von 20 Mrd. bis 40 Mrd. $. Damit könnte es der bislang grösste Börsengang der Welt werden. Seit 2014 hält der chinesische Internet-Riese Alibaba (BABA 236.51 -1.45%) mit 25 Mrd. $ den Spitzenplatz. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman will mit den Einnahmen den Umbau der Wirtschaft vorantreiben und das Königreich weniger abhängig vom Öl- und Gasgeschäft machen.

Den Börsengang hatte der Kronprinz bereits Anfang 2016 ins Spiel gebracht. Er ist Teil seines Vorstosses für eine Reform und Modernisierung der saudiarabischen Wirtschaft. So plant er etwa ein gigantisches Infrastruktur-Projekt zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Akaba, wo sich Unternehmen aus allen möglichen Branchen wie der Energie- und Wasserwirtschaft, der Biotechnologie und der Unterhaltungsbranche ansiedeln sollen. Doch der Schritt auf das Parkett verzögerte sich immer wieder. Zuletzt gab es zudem noch Sorgen wegen der Angriffe der Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Jemen auf saudiarabische Ölanlagen Mitte September, die einen grossen Teil der Produktion des Landes zeitweise lahmlegten. Der Konzern versuchte nun erneut Investoren zu beruhigen. Die Angriffe dürften keine wesentlichen Folgen für das Geschäft und die Finanzen des Unternehmens haben, erklärte er.

Börsenspitzenplätze von Microsoft und Apple in Gefahr

Aramco könnte das wertvollste Börsen-Unternehmen der Welt werden. Der Kronprinz hatte ursprünglich eine Marktbewertung von 2 Bio. $ angestrebt. In Banken- und Unternehmenskreisen wurde dieses Ziel allerdings als zu ehrgeizig und eine Bewertung von etwa 1,5 Bio. $ als realistischer bezeichnet. Hintergrund sei, dass sich einige Investoren vor allem aus Europa und den USA im Zuge der wachsenden Klimaschutzbewegung und der erstarkenden Erneuerbaren Energien aus dem Öl- und Gas-Sektor zurückzögen.

Mit einer Börsenbewertung von 1,5 Bio. $ läge Aramco aber immer noch deutlich vor den US-Technologieriesen Microsoft (MSFT 208.25 -1.16%) und Apple (AAPL 372.69 -0.31%), die auf rund 1 Mrd. $ kommen. Bei der Ausgabe eines Aktienanteils von 1% könnte Aramco bei dieser Bewertung nach Berechnungen des Datenanbieters Refinitiv mit Einnahmen von rund 15 Mrd. $ rechnen und Platz elf unter den weltgrössten Börsengängen einnehmen – direkt hinter Facebook (FB 240.86 0.24%), das 2012 auf 16 Mrd. $ kam. Bei der Ausgabe eines Anteils von 2% würde Aramco den Spitzenplatz einnehmen.

Die saudiarabische Marktaufsicht erklärte, die IPO-Genehmigung gelte für sechs Monate. Aramco kündigte an, dass die Aktienausgabe in zwei Tranchen aufgeteilt werden solle: eine Tranche für institutionelle Investoren – auch aus dem Ausland – und eine Tranche für Einzelinvestoren. Saudiarabische Bürger hätten Anspruch auf Bonusaktien. Der Anteil, der an den Markt gebracht werden soll, und der Aktienpreis würden nach dem Platzierungsverfahren festgelegt. Der Börsenprospekt mit Informationen für Investoren solle am kommenden Samstag veröffentlicht werden. In den nächsten Tagen solle es aber bereits Vorgespräche mit Investoren geben.

Einzelheiten zum Geschäftverlauf in diesem Jahr legte der Konzern, der als das profitabelste Unternehmen der Welt gilt, bereits vor. In den ersten neun Monaten lag der Nettogewinn bei 68 Mrd. $, der Umsatz bei 244 Mrd. $. Zu den Banken, die den Börsengang begleiten, gehören die US-Grossbanken Citigroup (C 50.32 -3.17%), Goldman Sachs (GS 199.36 -3.86%), JPMorgan, Bank of America (BAC 23.01 -2.75%), Morgan Stanley (MS 47.49 -2.72%), sowie das britische Institut HSBC (5 395.15 -3.34%) und Credit Suisse (CSGN 9.904 -1.79%).