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Vekselberg rückt S+B immer mehr auf die Pelle

Renova wird für Schmolz + Bickenbach eine ausserordentliche GV im September zur Erneuerung des Verwaltungsrats beantragen. Die Enterhaken werden ihr Ziel nicht nochmals verfehlen.

Im Kampf zwischen Verwaltungsrat und den miteinander verbundenen Grossaktionären Renova und S+B KG um die Kontrolle von Schmolz + Bickenbach tut sich was. Dabei ist Renova, die Gesellschaft des russischen Investors Victor Vekselberg, ihrem Ziel, die Macht bei dem Spezialstahlhersteller komplett zu übernehmen, deutlich näher gekommen. Sie hat angekündigt, eine ausserordentliche Generalversammlung zur Neuwahl des VR zu beantragen.

Renova darf Bücher einsehen

Seit der Generalversammlung Ende Juni ist der Spezialstahlhersteller wegen juristischer Streitereien auf verschiedenen Ebenen blockiert. Eine beschlossene und bevorstehende Kapitalerhöhung kann nicht durchgeführt werden. Zudem steht ein unattraktives öffentliches Pflichtangebot von Renova zur Übernahme aller Aktien im Raum. Weiter bildet der neue Verwaltungsrat keine Einheit und ist tief gespalten. Nun haben gemäss einer Mitteilung der Verwaltungsrat, präsidiert von Hans-Peter Zehnder (ZEHN 61.00 +0.99%), und Grossaktionär Renova/S+B KG eine Vereinbarung über das weitere Vorgehen unterzeichnet.

Der Verwaltungsrat hat demnach seinen Widerstand dagegen aufgegeben, Renova/S+B KG die Bücher zu öffnen. Es findet eine Due Diligence-Prüfung statt, und der Grossaktionär wird mit den 17 kreditgebenden Banken reden können. Auf Basis der Prüfung und der Gespräche wird Renova/S+B KG spätestens bis 13. August entscheiden, ob sie ihren Widerstand gegen die beschlossene Kapitalerhöhung aufgibt. Wenn nicht, wird sie an ihren eigenen Plänen zu einer umfangreicheren Kapitalerhöhung festhalten, deren Festübernahme Renova sicherstellen würde. Der VR darf dann bis 15. August erörtern, ob er einlenkt oder ob es zum Thema Kapitalerhöhung zu einer ausserordentlichen GV kommt.

Es geht rein um die VR-Posten

Der Streit um die Kapitalerhöhung ist aber nur eine Art Nebenschauplatz. Denn die Verwässerung ist zwar im Modell des VR weniger gross als bei jenem der Renova, aber gleichwohl massiv. Im Kern der Streitereien geht es vielmehr um die Zusammensetzung des Verwaltungsrates. Wie viele und welche Vertreter von Renova/S+B KG, die zusammen gut 40% halten, werden in Zukunft in dem Gremium sitzen, und wer wird es präsidieren? Derzeit sind die (zerstrittenen) Gründerfamilien und Renova im VR durch drei von acht Mitgliedern vertreten und waren somit in der konstituierenden VR-Sitzung Ende Juni mit ihren Gegenstimmen unterlegen. Renova will das (wie von Anfang an) ändern.

Vekselbergs Gesellschaft zielt daher unabhängig vom Thema Kapitalerhöhung auf jeden Fall auf eine a.o. GV und teilt mit: Bis 15. August wird Renova/S+B KG „eine ausserordentliche GV zur Neuwahl des Verwaltungsrats beantragen. Diese Generalversammlung (sowie allenfalls eine weitere für eine von Renova/S+B KG vorgeschlagene Kapitalerhöhung) sollen bis spätestens 17. September 2013 durchgeführt werden.“ Renova wird dafür sorgen, dass sie nicht nochmals derart vorgeführt wird wie Ende Juni, als sie in Abstimmungen mit Stimmanteilen von rund 49,5 bis 49,7% jeweils unterlegen war.

Beweisführung steht an

In der Mitteilung der Renova heisst es weiter etwas diffus, aber doch entlarvend: Die Vereinbarung stelle „den Übergang der Unternehmensverantwortung auf die Gruppe der Renova/S+B KG als Hauptaktionäre“ sicher. Der Publikumsaktionär findet in der Renova-Mitteilung keine Erwähnung. Renova hält rund 25%, die KG rund 15%. Weil die S+B KG finanziell mit dem Rücken zur Wand steht wird sie auch künftig wie schon zuletzt nach der Pfeife von Renova tanzen. Dies spiegelte sich schon im Spottpreis von 2.40 Fr. je Aktie, zu dem Renova die Anteile von der KG erworben hat. Mit 25% Kapitalanteil wird Renova am Ende also vier oder fünf von acht VR-Mitgliedern stellen, darunter wohl  die an der letzten GV nicht gewählten Vladimir Kuznetsov und Oliver Thum, sowie das VR-Präsidium besetzen. Gelingt dies, ist der Beweis anzutreten, dass dies alles im Interesse der Publikumsaktionäre liegt.