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S+B: Vekselberg fordert Aktionäre zur Versöhnung auf

Die Aktionäre sollen zum Wohle des Unternehmens ihre Kräfte bündeln, um den Zusammenbruch zu verhindern.

(AWP) Im Kampf um die Rettung des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach (S+B) ruft Investor Victor Vekselberg zur Versöhnung auf. «Ich fordere alle Aktionäre von Schmolz+Bickenbach – Liwet, Haefner und die Familienaktionäre – auf, zum Wohle des Unternehmens ihre Kräfte zu bündeln, um dessen Zusammenbruch zu verhindern», sagte Vekselberg im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» (online am 29.11.).

Vekselberg selber wird allerdings nicht wie bei der letzten Rettungsaktion vor sechs Jahren selber aktiv an der Ausarbeitung einer Lösung teilnehmen, wie er sagte. Denn anders als in den Medien dargestellt, habe er bei der Beteiligungsgesellschaft Liwet, die heute 26,9% an S+B hält, nicht das Sagen. «Der Anteil von Columbus Trust, wo ich der Begünstigte bin, an Liwet ist nicht kontrollierend».

Laut der «Bilanz» beträgt der Anteil Vekselbergs an Liwet nur 40%. Weitere 16,7% würden jedoch vom New Generation Trust gehalten, der von Topkadern der Renova kontrolliert werde und damit von Vekselbergs Umfeld. Dass der Oligarch deren Interessen dennoch nicht auf seine Linie bringen könne, liege daran, dass beim Columbus Trust nicht er selbst der Entscheidungsträger sei, sondern ein russischer Jurist als unabhängiger Trustee.

Dieses Konstrukt hatte Vekselberg wählen müssen, damit Liwet und deren Beteiligungen nicht als von ihm kontrolliert gelten und damit nicht unter die US-Sanktionen fallen, denen er selbst seit April letzten Jahres unterworfen ist.

S+B braucht Geld

Derweil steht S+B vor dem Aus und braucht dringend frisches Kapital. Kommenden Montag werden die Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung über eine Kapitalerhöhung abstimmen. Grossaktionär und Amag-Besitzer Martin Haefner will bis zu 325 Mio. Fr. ins Unternehmen einschiessen und damit seinen Anteil auf 37,5% steigern. So würde er sich bei S+B mehr Einfluss sichern, zulasten von Liwet.

Zu den Plänen seines Gegenspielers Haefner äussert sich Vekselberg gegenüber der «Bilanz» zurückhaltend: «Es ist schwer, den Plan von Herrn Haefner zu bewerten», sagte er. «Ich weiss nur das, was die Medien darüber berichten, und diese Berichte hinterlassen mehr Fragen als Antworten.»

Zuletzt hat jedoch die Übernahmekommission (UEK) den aufgegleisten Kapitalmassnahmen hohe Hürden in den Weg gelegt. Sie fordert S+B-Grossaktionäre beim Überschreiten der Ein-Drittel-Marke dazu auf, allen übrigen Aktionären ein Pflichtangebot zu unterbreiten. Dagegen wehrt sich Haefner und das Unternehmen hat gegen den Entscheid Rekurs eingelegt.

Unterstützung gibt es auch vom Branchenverband Swissmem, der den UEK-Entscheid kritisiert. Zudem setzen sich sieben National- und Ständeräte sowie die Luzerner Regierung für die Rettung von S+B ein, denn in Emmenbrücke und Luzern stehen 800 Arbeitsplätze auf dem Spiel.