Unternehmen / Industrie

S+B verliert Auftrag des Pentagon

Der Spezialstahlhersteller prüft rechtliche Schritte gegen die Entscheidung, den im Juni erteilten Auftrag von 420 Mio. $ zu stornieren.

Der Spezialstahlhersteller Schmolz + Bickenbach (STLN 0.623 -4.15%) (S+B) hat einen im Juni erteilten Auftrag des US-Verteidigungsministeriums verloren. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte gegenüber der FuW eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach das Ministerium die Erteilung des Auftrags zurückgenommen hat.

Es geht dabei um die Lieferung von Sprengköpfen im Volumen von bis zu 420 Mio. $. Eine erste Lieferung hätte 300 Stück im ersten Jahr umfasst, dazu wären weitere 3500 Stück in den Folgejahren gekommen. S+B kommt auf einen Jahresumsatz von rund 3 Mrd. Fr. Das Unternehmen prüft nun gemäss der Sprecherin rechtliche Schritte gegen die Entscheidung, den Auftrag zu stornieren. Es hatte den Auftrag in einem offiziellen, öffentlichen Bieterverfahren gewonnen.

Politiker aus Pennsylvania hatten moniert, die US-Tochter von S+B, Finkl in Chicago, hätte den im Juni erteilten Auftrag nicht erhalten dürften, da sie in ausländischem Besitz sei. Das war allerdings schon während der Auftragsvergabe bekannt. Den fraglichen Politikern geht es darum, dass der in Irvine, Pennsylvania, ansässige Wettbewerber Ellwood National Forge in der Auftragsvergabe leer ausgegangen war. Ellwood legte Widerspruch gegen die Auftragserteilung ein.

Dass Victor Vekselberg, der auf einer US-Sanktionsliste geführt wird, an S+B beteiligt ist, ist eher Nebensache. Der Russe hält durchgerechnet über verschiedene Gesellschaften nur noch knapp 13% an S+B. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Beteiligung Vekselbergs dem Pentagon während der Verhandlungen über den Auftrag bekannt gewesen war.

Die Aktien Schmolz + Bickenbach reagierten im frühen Freitagshandel mit einem Kursverlust von 6% auf 0.72 Fr. Das dürfte sich als übertrieben herausstellen. Der Auftrag wäre erst ab 2020 in den Geschäftszahlen spürbar geworden und war bisher nicht in die Prognosen des Managements eingeflossen.

Die komplette Historie zu S+B finden Sie hier. »

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