Unternehmen / Immobilien

SBB erlassen teils die Miete

Die SBB kommen ihren kommerziellen Mietern entgegen, die von behördlichen Schliessungen betroffen sind. Ob Valora profitiert, ist unklar.

(AWP/GAH) Die SBB kommen ihren Mietern entgegen: Geschäfte, die wegen der Coronakrise von behördlichen Schliessungen betroffen sind, zahlen für die Dauer des Lockdown keine Miete. Das sind primär Laden- und Gastrobetriebe in den Bahnhöfen, wie die SBB am Dienstag mitteilten.

Ob auch Valora (VALN 179.4 5.65%) von diesem Entscheid betroffen ist und gar davon profitiert, ist offen. Sowohl die Kioskbetreiberin als auch die SBB konnten sich auf Anfrage der «Finanz und Wirtschaft» nicht äussern. Die Valora-Aktien avancieren am Dienstag jedoch deutlich. Das Unternehmen pachtet derzeit rund 230 Kiosk- und Convenience-Flächen in den SBB-Bahnhöfen. Vor einem Jahr hatten die Bundesbahnen dem Unternehmen zudem den Zuschlag für die Bewirtschaftung weiterer 31 Standorte erteilt, deren Mietverträge Ende 2020 auslaufen.

Der Kursavance sind Managementtransaktionen im grossen Stil vorausgegangen. Gemäss Daten der Börsenaufsicht SIX wurden in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche insgesamt knapp 51’600 Valora-Aktien von einem Verwaltungsratsmitglied gekauft. Dies entspricht 1,29% aller Titel des Konzerns. Die gemeldeten Transaktionen haben insgesamt ein Volumen von nicht ganz 8,4 Mio. Fr. Beim Käufer könnte es sich um Ernst Peter Ditsch handeln, der bereits bisher knapp 16% am Unternehmen hielt.

1200 Mietverträge werden angepasst

Betriebe, die offen bleiben durften, erhalten eine Mietzinsreduktion, deren Höhe vom Umsatzrückgang abhängt. Davon ausgeschlossen sind Mieterinnen und Mieter von Büro- und Wohnflächen, wie es weiter heisst. Insgesamt werden die Mieten bei über 1200 Mietverträgen für die Lockdownphase angepasst. Je nach Nutzung dauert diese Phase vom 17. März bis 26. April, 10. Mai oder voraussichtlich 8. Juni.

Mit dieser Regelung wollen die SBB ihre «Geschäftsmieterinnen und -mieter unterstützen, zu deren Planungssicherheit und Liquidität beitragen und die teils langjährigen Geschäftsbeziehungen würdigen». Die betroffenen Geschäfte werden in den kommenden Tagen kontaktiert, die Läden müssen die Mietzinsreduktion nicht beantragen.

Bereits entgegengekommen

Wie es weiter heisst, seien die SBB ihren Mietern bereits unmittelbar nach dem Lockdown mit Sofortmassnahmen entgegengekommen. So wurde die Zahlungsfrist für Mietzinse ab März 2020 um sechzig Tage verlängert, zudem wurden die Mindestöffnungszeiten für sämtliche Geschäfte aufgehoben.

Die SBB nahmen im letzten Jahr insgesamt rund 550 Mio. Fr. an Mieten ein, darin eingeschlossen ist der Mietertrag aus Geschäftsliegenschaften, darunter Läden und Restaurants, Büroflächen und Wohnungen. Wie sich der durch den Lockdown verminderte Ertrag auf das Gesamtergebnis der SBB auswirke, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

2020 erwarten die SBB wegen der Kulanzmassnahmen einen Rückgang der Mieteinnahmen in der Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags, wie es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bei der SBB-Medienstelle hiess.