Meinungen

Schade eigentlich

Thomas Gottstein wackelt. Nur den CEO auszuwechseln, reicht jedoch nicht, um Credit Suisse auf Kurs zu bringen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Nur den CEO auszuwechseln, reicht nicht. Credit Suisse hat grosse Probleme, und die müssen gelöst werden.»

Im Prinzip wäre es durchaus schade, wenn Thomas Gottstein bei Credit Suisse (CSGN 9.32 -1.08%) den Sessel räumen müsste. Ein CEO, der die Bank in- und auswendig kennt und der sich seit über zwanzig Jahren für sein Institut einsetzt, ist auf dem Papier eine Top-Besetzung für den vielleicht wichtigsten Posten der Schweizer Finanzbranche. Doch was auf dem Papier gut aussieht, hat in der Realität nicht wirklich funktioniert.

Gottstein werden die Milliardenverluste rund um Archegos und Greensill wohl doch noch zum Verhängnis. Damals wurden zwar erst einmal einige Bauernopfer vorgeschoben, doch es zeigt sich immer mehr, dass das nicht reicht. Der neue Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório greift in letzter Zeit immer stärker ins Tagesgeschäft ein. Er soll als eine Art Mentor von Thomas Gottstein agieren. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.

Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass sich Gottstein halten kann. Doch gehen wir mal davon aus, dass er in den nächsten zwölf Monaten seine Sachen packen muss. Wäre dann wieder alles im Lot bei Credit Suisse? Natürlich nicht. Nur den CEO auszuwechseln, reicht nicht. Credit Suisse hat grosse Probleme, und die müssen gelöst werden. Was diese Probleme sind? Das unzureichende Risikomanagement, die Bonuskultur mit ihren falschen Anreizen und die nicht enden wollenden Rechtsfälle sind nur drei Beispiele.

Zudem fragt sich, wer in einer solch schwierigen Phase der richtige Mann oder die richtige Frau für so einen Posten wäre. Gute Anwärter sind rar. António Horta-Osório ist nicht zu beneiden. Denn Credit Suisse wieder zusammenzukitten, ist eine Herkulesaufgabe.

Leser-Kommentare

Aloys K. Osterwalder 14.09.2021 - 14:17

Credit Suisse braucht einen akzeptablen Schweizer Vertreter
im Top Management, sonst kann die Bezeichnung Suisse bald
einmal weggelassen werden. Thomas Gottstein hat zwar bisher
keinen prägnanten Fussabdruck hinterlassen. Angesichts der
Hinterlassenschaft in VR und Management auch kein Wunder!
Ich plädiere dafür, dass Gottstein mindestens 1 weiteres Jahr
gegeben wird, um Kunden und Aktionäre zu überzeugen.

Christoph Ganz 14.09.2021 - 16:39

Das Management eines Unternehmens braucht Kontinuität; der ständige Wechsel von Managern verunsichert die Mitarbeiter und auch die Kunden; zudem verliert man bei jedem CEO Wechsel Zeit und Energie; die CS muss die Kultur ändern, bescheidener werden und sich wieder auf Geschäft und Kunden fokussieren…ein CEO Wechsel ist nur eine Entschuldigung und bringt gar nichts

Rudolf Kupper 15.09.2021 - 11:49

Was wir über Thomas Gottstein hören, kann ich nicht beurteilen – aber was hören wir eigentlich über Horta-Osório ? Soweit ich es verstanden habe, ist die CS in einer Lage, in welcher der VR-Präsident einmal erklären müsste, in welche Richtung das Schiff fährt. Nur so kann auch der Steuermann seine Arbeit richtig machen.

Christoph Saetteli 16.09.2021 - 18:49

Die aggressive hemdsärmelige Wallstreet Turbo Banker Mentalität muss zugunsten einer Risikokultur die mehr Augenmass beweist ersetzt werden, sonst sehe ich keine Zukunft für die Bank.