Unternehmen / Ausland

Schaffung einer asiatischen Einheitswährung als langfristiges Ziel – Gemeinsame Institutionen gibt es ansatzweise

Thomas Pentsy

Von Ernst Herb
Hongkong

Asien treibt die wirtschaftliche Integration voran. Das haben die südostasiatischen Regierungs- und Staatschefs an der Gipfelkonferenz der Assoziation südostasiatischer Nationen (Asean) in der laotischen Hauptstadt Vientiane bekräftigt. Mit der Unterzeichnung eines chinesisch-südostasiatischen Freihandelabkommens, mit dem bis 2010 der weltweit grösste Markt geschaffen werden soll, wurde das zumindest von einem Teil der Asean-Mitglieder mit Taten bewiesen (vgl. FuW Nr. 94 vom 27.November). In den kommenden Jahren wollen Japan, Indien und Südkorea mit Südostasien ähnliche Verträge abschliessen. Langfristiges Ziel ist die Schaffung einer gemeinsamen asiatischen Währung.

Ärmere Mitglieder aussen vor

Der Weg zu einer ähnlich weit integrierten Wirtschaft wie beispielsweise im Rahmen der Europäischen Union ist freilich noch weit. Das zeigt sich auch an dem am Montag von China und den zehn Asean-Ländern unterzeichneten Vertragswerk, nach dem die Zölle auf 4000 verschiedene Produkte in den kommenden sechs Jahren auf eine Bandbreite von null bis fünf Prozent gesenkt werden sollen. Allerdings sind in die Liste der frei gehandelten Güter diverse als «sensitiv» klassifizierte wie Zucker, Stahl und Automobile nicht eingeschlossen. Hier sollen die Tarife erst ab 2012 oder zu einem noch späteren Zeitpunkt unter 20% gesenkt werden. Zudem gilt der mit China ausgehandelte Vertrag in einem Anfangsstadium nur für die weiter entwickelten Asean-Staaten wie Singapur, Malaysia und Indonesien. Ärmere Nachbarn wie Kambodscha, Burma und Laos bleiben vorläufig aussen vor.
Finanzdienstleistungen sind im Vertrag ebenfalls nicht berücksichtigt. China wird daher seinen bisher gegenüber dem Ausland weitgehend abgeschotteten Finanzmarkt auch für seine Asean-Partnerländer nicht öffnen. Singapur zum Beispiel wird damit an Chinas Börsen in Schanghai und Shenzhen nur im Rahmen des so genannten QFFI-Programms (Qualified foreign institutional investors) Wertpapiere erwerben können – also im selben Rahmen, wie er für andere ausländische Anleger besteht. Ausgenommen bleibt auch der Immobilienmarkt. Chinesen dürfen damit auch in Zukunft auf den Philippinen oder in Vietnam keinen Grundbesitz erwerben.

Rasch wachsender Handel

Trotz dieser Ausnahmen und Vorbehalte rücken die ostasiatischen Wirtschaften dank dem rasant wachsenden interregionalen Handel näher zusammen – und das obwohl in der Region mehrere nichttarifliche Barrieren wie Kapitalverkehrskontrollen, bürokratische Schwerfälligkeit, eine teilweise ungenügende Transportinfrastruktur und Korruption den Waren- und Güteraustausch bremsen. In den ersten neun Monaten nahm das Handelsvolumen zwischen China und den Asean-Mitgliedern im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresabschnitt 35% zu und wird 2004 insgesamt 100 Mrd.$ übersteigen. Der interregionale Handel Ostasiens wächst deutlich schneller als der Handel der Asean-Länder mit Europa oder Nordamerika. Das trifft auch für Japan zu. Für Südkorea ist China mittlerweile schon der wichtigste Exportmarkt geworden.
Diese Dynamik hat auch Bestrebungen Aufwind gegeben, sich politisch anzunähern. Japan, China, Südkorea und die Asean-Länder haben sich in Vientiane darauf geeinigt, alle zwei Jahre zu einem Gipfeltreffen zusammenzukommen, an dem die Koordination ihrer Wirtschafts- und Aussenpolitik im Mittelpunkt stehen soll. Bis sich aus diesem Nukleus eine wirtschaftliche oder politische Union gebildet hat, bleibt mit Blick auf die grossen kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede, vor allem aber auch die politischen Spannungen zwischen einzelnen asiatischen Staaten noch ein sehr weiter Weg zurückzulegen.
Im Ansatz bestehen bereits gemeinsame Institutionen oder sollen jetzt neu geschaffen werden. Nach der Asienkrise unterzeichneten die Staaten zum Beispiel ein Währungsbeistandsabkommen. Sollte die Währung eines ostasiatischen Landes infolge eines spekulativen Angriffs massiv unter Abwertungsdruck kommen, wollen die anderen Länder mit ihren eigenen Währungsreserven beistehen. Das weist den Weg zu einer koordinierten Währungspolitik, an deren Ende durchaus eine gemeinsame Währung stehen könnte. Nicht zuletzt sieht das zwischen den Asean-Mitgliedern und China unterzeichnete Freihandelsabkommen eine unabhängige Schlichtungsstelle vor, aus der sich zu einem späteren Zeitpunkt eine supranationale Behörde entwickeln könnte.

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