«Obervolta mit Atomraketen» – so nannte, leicht boshaft, der frühere deutsche Kanzler Helmut Schmidt die damalige Sowjetunion. Das heutige Russland lässt sich ähnlich einstufen. So rettungslos marode wie in der Breschnew-Ära ist die Wirtschaft unter Putin zwar nicht, aber gemessen am Potenzial ist das Bruttoinlandprodukt des riesigen, ressourcenreichen Landes mit seinen 145 Mio. Menschen jämmerlich. Nach Zahlen des IWF ist die russische Volkswirtschaft weltweit bloss die zwölftgrösste. Die amerikanische ist knapp dreizehnmal grösser, diejenige der EU gut elfmal, diejenige Chinas fast achtmal. Neben den dargestellten Ländern bzw. der EU sind auch Grossbritannien Frankreich, Brasilien und Südkorea ökonomisch grösser. Beschämend müsste für Moskau sein, dass etwa Italien, trotz chaotischer Politik, klar mehr Gewicht auf die Waage bringt. Reizvoll ist der Vergleich mit dem von Klima und Landesnatur her ähnlichen Kanada, dessen 35 Mio. Menschen ein etwas höheres BIP erwirtschaften als die Russen. Brächten es diese auf kanadische Effizienz, dann würde das Land zwischen China und Japan rangieren. Die Schweiz erreicht fast das halbe BIP der Russischen Föderation. Kurz: Russland ist ein Scheinriese. Die nukleare Macht ist gross, die konventionelle beachtlich, die ökonomische dagegen derart disproportional gering, dass der Kreml nicht ernsthaft auf Weltmachtstatus pochen kann.