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Unternehmen / Industrie

Schindler legt einen Zacken zu

Der Aufzugs- und Fahrtreppenanbieter hebt die Umsatzprognose an. Konkurrent Kone überzeugt weniger.
Arno Schmocker

Schindler setzt den Fokus für Investitionen neu. Während in den vergangenen Jahren die Ausdehnung der Präsenz namentlich in Asien im Vordergrund stand, ist es nun Technologie. In einer ersten Phase bremst der damit verbundene Aufwand die Margenentwicklung nach oben. Doch CEO Thomas Oetterli betonte an der Präsentation der Halbjahreszahlen am Freitag: «Wir lassen uns nicht von langfristig notwendigen Investitionen abhalten, nur um die Marge im nächsten Quartal zu steigern.»

Derzeit investiert der Lift- und Rolltreppenhersteller viel in digitale Vernetzung. Sie erlaubt es, Service und Unterhalt via Sensoren in Neuanlagen zu integrieren. Zweiter Schwerpunkt ist das Ausrollen eines Programms zur Modularisierung der Produktpalette. Im zweiten Quartal führte Schindler erste Teile, die Liftkabine in Modernisierungsprojekten, im Markt ein. Die Harmonisierung läuft bis 2020 und wird dank der in der Herstellung erzielten Effizienzgewinne zunehmend margenfördernd wirken.

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Schindler setzt den Fokus für Investitionen neu. Während in den vergangenen Jahren die Ausdehnung der Präsenz namentlich in Asien im Vordergrund stand, ist es nun Technologie. In einer ersten Phase bremst der damit verbundene Aufwand die Margenentwicklung nach oben. Doch CEO Thomas Oetterli betonte an der Präsentation der Halbjahreszahlen am Freitag: «Wir lassen uns nicht von langfristig notwendigen Investitionen abhalten, nur um die Marge im nächsten Quartal zu steigern.»

Derzeit investiert der Lift- und Rolltreppenhersteller viel in digitale Vernetzung. Sie erlaubt es, Service und Unterhalt via Sensoren in Neuanlagen zu integrieren. Zweiter Schwerpunkt ist das Ausrollen eines Programms zur Modularisierung der Produktpalette. Im zweiten Quartal führte Schindler erste Teile, die Liftkabine in Modernisierungsprojekten, im Markt ein. Die Harmonisierung läuft bis 2020 und wird dank der in der Herstellung erzielten Effizienzgewinne zunehmend margenfördernd wirken.

Kone margenmässig überholt

Derzeit bekundet Schindler Mühe, die operative Verdienstmarge zu steigern. Das klingt negativer, als es ist. Schon im Februar hatte das Management betont, ein Sprung von 0,5 Prozentpunkten wie 2017 könne dieses Jahr nicht erwartet werden. Das Unternehmen startete mit einem gut gefüllten Orderbuch ins Jahr, doch lag dessen Durchschnittsmarge 0,4 Prozentpunkte unter Vorjahr. Der Preisdruck in China war und ist besonders in Grossprojekten hoch. Das Land ist mit Abstand führender Abnehmer neuer Anlagen und hat mittlerweile laut Oetterli auch die grösste installierte Basis weltweit.

Zudem ist Schindler mit netto 30 Mio. Fr. höheren Kosten für Rohmaterialien konfrontiert. Unter diesen Umständen ist es als Erfolg zu werten, dass das Unternehmen die Marge auf Stufe Ebit dank Skalenvorteilen und Kostensparmassnahmen auf 11,7% halten konnte. Etwas, was Kone nicht gelungen ist: Der finnische Konkurrent verbuchte eine Margenschmälerung von 13,6 auf 11,3% im Vergleich zum Vorjahressemester.

Auch die Wachstumsraten in Auftragseingang und Umsatz von Kone waren mit rund 1,5% wesentlich niedriger. Unter dem Strich resultierte gar ein Gewinnrückgang je Aktie von annähernd 17%.

Dass Schindler wiederum eine überzeugendere Entwicklung präsentierte, hat auch mit dem schwächeren Franken zu tun – in der Vergangenheit eine absolute Seltenheit. In Lokalwährung rücken die beiden Konkurrenten näher zusammen: Auftragseingang Schindler 7,9%/Kone 6,6%, Umsatz 8,4%/ 6,5%.

Doch das schmälert die Leistung des Schweizer Konzerns nicht wirklich. Das Momentum spricht seit geraumer Zeit für Schindler. Das Wachstum ist breit über alle Regionen und Produktlinien abgestützt. Auftragseingang und Umsatz im zweiten Quartal übertrafen die Prognosen der Finanzanalysten um 4 Prozentpunkte. Auch die Ebit-Marge fiel etwas höher aus als erwartet, nachdem sie im Startquartal noch 0,2 Prozentpunkte gefallen war.

Verhaltene Gewinnprognose

Die Aussichten für das zweite Semester schätzt der CEO ähnlich gut ein. Auf Basis des Auftragsbestands sei nun mit einem Umsatzwachstum in Lokalwährung von 5 bis 7% statt 3 bis 5% zu rechnen. Die Ebit-Marge soll bis zum Jahresende leicht steigen. Unter dem Strich sagt Finanzchef Urs Scheidegger einen Gewinn von 960 bis 1010 Mio. Fr. voraus. Darin ist, wie sich an der Telefonkonferenz herausstellte, ein Sonderertrag aus einer Steuerrückzahlung von 55 Mio. Fr. inbegriffen. Bereinigt sind es 905 bis 955 Mio. Fr., also 2,5 bis 8% mehr als im Vorjahr. Das mutet konservativ an, auch wenn Schindler einem härteren Vergleich mit der Vorjahresperiode standhalten muss.

Etabliertes und wenig zyklisches Geschäftsmodell, verhältnismässig geringer Bedarf an Betriebskapital, wettersichere Bilanz: Für ein Engagement haben Investoren eine Prämie zum Gesamtmarkt zu bezahlen. Doch alles ist relativ: Auf Basis des Unternehmenswerts zu Ebitda sind die Valoren mit einem Verhältnis von 15,5 für 2019 bewertet, günstiger als andere Qualitätstitel wie Geberit (17,7) und Ems-Chemie (19).

Die komplette Historie zu Schindler finden Sie hier. »