Unternehmen / Gesundheit

Schlappe für Novartis

Der Pharmakonzern zieht den EU-Zulassungsantrag für das Augenmittel Xiidra zurück. Zuvor haben die Basler 3,4 Mrd. $ für das Mittel bezahlt.

(AWP) Novartis (NOVN 82.38 -0.79%) erleidet mit einem Milliarden-Zukauf eine Schlappe. So hat der Konzern seinen Zulassungsantrag bei der europäischen Behörde EMA für das Augenmittel Xiidra zurückgezogen. Novartis hatte das Mittel im Mai vergangenen Jahres für 3,4 Mrd. $ vom japanischen Takeda-Konzern gekauft.

Wie aus einem Brief von Novartis an die Behörde hervorgeht, nimmt der Konzern den Antrag zurück, weil Bedenken der Behörde über die Wirksamkeit des Mittels nicht ausreichend schnell beantwortet werden konnten.

Laut EMA wurde die Wirksamkeit von Xiidra nicht ausreichend nachgewiesen, und die Vorteile überwiegen die Risiken demnach nicht. «Die Wirksamkeit von Xiidra wurde für verschiedene Symptome der Erkrankung des trockenen Auges nicht nachgewiesen», heisst es auf der EMA-Homepage. Wie aus dem Brief von Novartis an die EMA weiter hervorgeht, laufen derzeit keine Studien mit dem Präparat.

In den USA war das Mittel allerdings 2016 zugelassen worden und wird dort gegen trockene Auge eingesetzt.

Portfolio-Ergänzung

Novartis hatte den Zukauf vor gut einem Jahr damit begründet, dass man das Portfolio in der Augenmedizin stärken wolle. So hiess es seinerzeit, Xiidra sei eine gute Ergänzung für die Novartis-Pipeline im Augenbereich, die unter anderem Kandidaten wie UNR844 zur Behandlung von Alterssichtigkeit, ECF843 zur Behandlung des trockenen Auges oder SAF312 beinhaltet, das bei Augenoberflächenschmerzen eingesetzt werden soll. Darüber hinaus hat Novartis mit Lucentis zur Behandlung der Augenerkrankung AMD bereits ein Milliarden-Medikament auf dem Markt.

Im Zuge der Xiidra-Übernahme machte Novartis zudem klar, dass es dem Präparat durchaus Blockbuster-Potenzial mit Umsätzen von mehr als einer Milliarde zutraue.

Analysten von Anfang an skeptisch

Allerdings waren schon seinerzeit Analysten durchaus skeptisch. Sie hielten den Preis für recht hoch.

In einem aktuellen Kommentar der Privatbank Mirabaud heisst es, man sei über die aktuellen Nachrichten überrascht. Die Tatsache, dass die EMA die vorgelegten Studiendaten als nicht ausreichend erachte, werfe die Frage auf, ob Novartis bei der Übernahme des Mittels genau genug geschaut habe.