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Oldtimer-Wettbewerbe erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Oldtimer-Wettbewerbe erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Mehr als nur gerade ein VintageTrend, erzählen sie die Geschichte des Automobils und faszinieren die im digitalen Zeitalter aufgewachsene Generation. Ein Mythos, dem «Chantilly Arts et Élégance Richard Mille» seit drei Jahren erfolgreich frönt. Mit einem Hauch Aristokratie dazu.

Über die Alleen des vom Gartenbaukünstler Le Nôtre gestalteten Parks des Château de Chantilly rollt der Alfa Romeo 8C 2900B Lungo Berlinetta aus dem Jahr 1938, gebaut vom Karosseriebauer Touring, triumphierend zum Sieg. Nach einem harten Wettbewerb erringt das Fahrzeug vor dem Alfa Romeo 8C 2300 Roadster Figoni 1932 von Martin Eyears den «Grand Prix Best of Show du Concours d’Etat».

In dieser Königskategorie starten rund hundert in einundzwanzig Kategorien eingeteilte Fahrzeuge. Der amerikanische Besitzer und Sammler Jon Shirley ist entzückt. Er hat damit die Gewissheit, dass dieser Sieg den Wert seines Fahrzeugs erhöht. Dies ist einer der Trümpfe solcher Schönheitswettbewerbe.

Isabelle de Sadeleer, diesjähriges Jurymitglied, Sammlerin antiker Autos und Mitbegründerin des Automobilclubs Gstaad, bestätigt es: «Ein Fahrzeug, das an einem Concours d’Élégance gewinnt, besitzt in den Augen der Käufer einen viel höheren Wert. Schon die Teilnahme genügt. Die Tatsache, dass das Automobil zum Wettbewerb zugelassen wird, ist Bestätigung genug. Denn es sind die Schönsten, die daran teilnehmen.»

Ziele des Concours d’Élégance: eine Hommage an das Automobil und Wertsteigerung der Fahrzeuge

Selbst wenn der Oldtimermarkt und die Investoren ruhiger geworden sind und die Rekorde nicht mehr ins Unermessliche abheben, hat die Auto-Passion der vergangenen zehn Jahren zu einer richtigen Renaissance der kunstgerecht renovierten, legendären Fahrzeuge geführt und den Concours d’Élégance als Laufsteg dieser Schönheiten entstehen lassen.

So ist Chantilly Arts et Elégance Richard Mille, ein vor drei Jahren von Peter Auto, dem unbestrittenen Leader in diesem Bereich, ins Leben gerufener Wettbewerb, einer der Höhepunkte. Isabelle de Sadeleer: «Während zwei Jahren haben Patrick und Sylviane Peter unermüdlich am unglaublichen Aufstieg des Concours d’Élégance von Chantilly gearbeitet und ihn zu einem ebenso unverzichtbaren Wettbewerb gemacht wie die von Pebble Beach in den USA oder der Villa d’Este in Italien, die zu den wichtigsten gehören.

Andere haben es ebenfalls versucht, aber niemandem ist es in so kurzer Zeit gelungen, einen solchen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Die magische Formel heisst Leidenschaft. Das Paar organisiert ausserdem seit Jahren die Tour Auto, an der Fahrer aus aller Welt teilnehmen. Für Patrick Peter ist es Ehrensache, dass nur aussergewöhnliche Fahrzeuge zugelassen sind. Die technischen Kontrollen sind sehr streng, es gibt keine Nachbildungen, und auf die Diversität von Modellen und Marken wird grosser Wert gelegt.»

Das Schloss Chantilly ist ein geschichtsträchtiger Ort, der von den Fürsten Condé bewohnt und mit Unterstützung des Aga Khan renoviert wurde. Für den Anlass eine einmalige Visitenkarte, selbst in den Augen der Amerikaner von Pebble Beach. Zusammen mit Patrick Peters prallem Adressbuch war der Erfolg quasi garantiert.

Denn das Ehepaar Peter kennt praktisch sämtliche Sammler schöner Autos. Es organisiert Pebble Beach, Tour Auto, kümmerte sich um die Neulancierung von Le Mans Classic – alles Anlässe, wo sich die Reichsten dieser Welt treffen. Ziel des Concours d’Élegance ist auch, die Kategorien der «vergessenen Fahrzeuge» in den Mittelpunkt zu rücken sowie moderne Boliden ins Programm aufzunehmen und damit die Geschichte des Automobils weiterzuschreiben.

Isabelle de Sadeleer: «Patrick Peter ist das Kunststück gelungen, elegante Oldtimer mit schönen Fahrzeugen der Moderne und der Zukunft zusammenzubringen. In Chantilly gibt es Concept Cars und Super Cars, man beschränkt sich also nicht auf antike Fahrzeuge. Patrick Peter hat dem Anlass neuen Atem eingehaucht und die Kotierung der Fahrzeuge gefördert. Er arbeitet eng mit Autobauern zusammen, erweitert das automobile Universum, sodass vermögende Sammler vermehrt auf der Suche nach Oldtimern sind, die sich für die Wettbewerbe von Patrick Peter –Tour Auto, Chantilly oder Le Mans Classic – eignen. So werden die Autos zu neuem Leben erweckt. Beispiel: Der BMW M1 Procar wurde nirgends zugelassen und war insofern wertlos, bis er am Concours von Patrick teilnahm und wertmässig auf Höhenflug ging.

Dialog der Passionierten mit Richard Mille und Jean Todt

Hauptsponsor des Events ist der Uhrmacher Richard Mille, Liebhaber schöner Maschinen. Er begnügt sich aber nicht damit, dem Event einfach seinen Namen zu geben, sondern gestaltet ihn auch mit seinem Freund Patrick Peter. Selbst Sammler alter Fahrzeuge, ist er überaus glücklich, dieser Fangemeinde anzugehören.

Am Eingang der Location «Richard Mille» gleich neben dem Schloss, wo er seine Kunden empfängt, thront ein legendärer Ferrari. Er gehört Jean Todt, dem illustren Rallye-Piloten, Patron der Ferrari Formel 1 zur Zeit von Michael Schuhmacher und heute Präsident der FIA.

Auch Jean Todt ist vor Ort, um seine fünfzigjährige Laufbahn zu feiern. Begegnung mit zwei Liebhabern automobiler Preziosen.

Richard Mille, Sie hatten die Idee für diesen Concours?
Richard Mille: Ja, sie ist das Ergebnis eines guten Gesprächs mit Patrick Peter. Wir unterhielten uns über Kosten, über das gewünschte Niveau usw. Unser Ziel war das Bestmögliche, das war keine Frage. Patrick Peter hat den Sinn für Grösse. Das Geld ist gut angelegt, denn ich weiss, dass er stets die beste Option wählt und nie knausrig ist.

Weshalb dieser Concours?
R.M.: Vor dem Krieg gab es in Frankreich eine echte Tradition von Concours d’Élégance für Oldtimer. Der Grund war, dass viele Marken mit Karosseriebauern, wahren Couturiers, zusammenarbeiteten: Chapron, Figoni, Falaschi usw. Diese konstruierten grossartige Fahrzeuge, die man heute in den Museen bewundert. Nach dem Krieg setzten die Italiener und die Amerikaner die Tradition fort. Da war es nichts als logisch, dass Frankreich dieses Erbe wieder übernimmt, mit viel Eleganz und Können. Wir hatten sogar an Versailles gedacht, aber die Umgebung von Chantilly ist dermassen prächtig, die Anlage erlaubt zudem eine ideale Durchführung. Nach drei Jahren ist der Event solide verankert.

Richard Mille und Jean Todt, Sie sind beide Sammler. Welches ist Ihre jüngste Errungenschaft?
R.M.: Ein Talbo aus den Fünfzigerjahren, den ich am Le Mans Classique im Juli gekauft habe.
Jean Todt: Der Begriff Sammler ist etwas prätentiös. Ich mag Autos und habe das Privileg, einige zu besitzen. Ich bin nach wie vor leidenschaftlich, neugierig. Ich bin mir aber meines Privilegs sehr bewusst. Auf meinen Reisen begegne ich immer wieder vielen Menschen in Schwierigkeiten. Deshalb glaube ich, dass man etwas zurückgeben muss. Meine Frau Michelle Yeoh ist Botschafterin des guten Willens des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, PNUD, ich bin Präsident der FIA.

Jean Todt, welches ist das Auto, das Sie am meisten lieben, mit welchem verbinden Sie starke Erinnerungen?
J.T.: Mein Lieblingsfahrzeug nimmt am Concours nicht teil, ist aber hier (er deutet auf den Ferrari im Hof). Dieser Ferrari California Spider gehörte mir, als ich 24 Jahre alt war. Ich besass damals kein Geld und hatte ihn für 1000 $ gekauft. Der Motor war kaputt, und ich war glücklich, ihn für 4000 $ weiterzuverkaufen. Vor einigen Monaten rief mich ein Engländer an. Er besuchte mich mit diesem Fahrzeug…

Lösen Sie sich von Zeit zu Zeit von Ihren Objekten?
R.M.:
Ich stelle fest, dass ich kein Materialist bin. Ich mag es, Sachen zu besitzen, aber ich bin kein zwanghafter Sammler. Ich liebe es, Dinge zu bewundern und sie lebendig zu machen. Still leben und. Automobilmuseen interessieren mich hingegen nicht. Man muss mit den Objekten leben.

Jean Todt, denken Sie mit Nostalgie an Ihre grosse Ferrari-F1-Epoche zurück?
J.T.: Keineswegs. In meinem Leben gab es zwischen zwei Karrieren nie Übergangsphasen, und viele bezeichneten mich als verrückt. So wurde ich innerhalb eines Tages vom Rallye-Beifahrer zum Rennchef bei Peugeot, innerhalb einer Nacht F1-Teamchef bei Ferrari. Es ging alles immer schnell. Aber hier in Chantilly und dank der Hommage an meine Karriere bin ich gezwungen, Rückschau zu halten. Ich bin gesund und motiviert und denke nur daran, was ich morgen tun werde: Sitzungen mit der FIA und den Vereinten Nationen als Delegierter für Verkehrssicherheit.