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«Schlussendlich müssen Banken Bitcoin verwenden»

An eine rosige Zukunft glaubt Wences Casares, Gründer des Bitcoin-Start-up Xapo. Er lobt das regulatorische Umfeld in der Schweiz für Bitcoin-Unternehmen.

Als der grösste Custodian (Verwahrungsstelle) für Bitcoin (Bitcoin 9186.82 -1.52%) hat das Start-up Xapo schon hohe Wellen geschlagen. In seinem Beratergremium finden sich prominente Namen wie der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers. Nun ist das Unternehmen in die Schweiz umgezogen. Gründer und CEO Wences Casares glaubt an ein gutes regulatorisches Umfeld in der Eidgenossenschaft. Seine «Schliessfächer» für Bitcoin, tatsächlich Computer-Server, stehen schon in einem Atombunker in Uri. Lesen Sie hier mehr über Wences Casares.

Herr Casares, Sie siedeln Ihr Unternehmen Xapo in die Schweiz um. Werden auch Sie persönlich in die Schweiz ziehen?
Wir haben das Unternehmen nach Zug umgesiedelt. Ich bleibe in Kalifornien, wir werden hier eine kleine Niederlassung beibehalten, um unsere US-Kunden zu bedienen. All unsere Investoren und einige unserer grössten Kunden sitzen in den USA. Momentan suchen wir nach einem Geschäftsführer in Zug, dort bauen wir langsam eine Finanz- sowie eine Rechts- und Compliance-Abteilung auf.

Was bietet Xapo momentan an?
Wir sind wie eine Bank für Bitcoin. Wenn man Franken hat, kann man die bei der UBS (UBSG 11.695 -3.07%) einzahlen. Aber Bitcoin kann man nicht bei einer Bank halten, daher kann man sie bei Xapo hinterlegen. Wir sind die grösste Verwahrstelle für Bitcoin in der Welt. Unser Produkt für ein virtuelles Schliessfach ist versichert und hoch sicher. Wir bieten auch etwas Ähnliches wie ein Bankkonto für Bitcoin an, das es für Kunden sehr einfach macht, mit Bitcoin zu bezahlen und sie zu empfangen.

Haben Sie Kontakt mit der schweizerischen Finanzmarktaufsicht Finma?
Ja, wir arbeiten gerade an der regulatorischen Genehmigung. Das regulatorische Umfeld für Bitcoin in der Schweiz ist sehr fortgeschritten, vielleicht das beste der Welt.

War es wichtig für Sie, dass es in der Schweiz schon eine Anzahl von Bitcoin-Unternehmen gibt?
Wir waren überrascht, wie viele Bitcoin-Unternehmen in der Schweiz sitzen. Wir haben einige kontaktiert. Was wir von ihnen gehört haben, hat uns gefallen. Ihre gute Erfahrung mit der Schweiz war ein Grund, warum wir dorthin ziehen.

Wie viele Kunden haben Sie?
Wir geben die Zahl unserer Kunden nicht preis, nur dass wir der grösste Verwahrer von Bitcoin sind. Wir haben Privatkunden wie auch institutionelle, einschliesslich Anlagefonds, Hedge Funds und Family Offices. Obwohl die institutionellen Kunden in der Anzahl kleiner sind, halten sie ein grösseres Volumen an Bitcoin.

Heisst das, dass Bitcoin ein etabliertes Investment für institutionelle Anleger ist?
Ich denke nicht, dass es für einen unserer institutionellen Kunden eine grössere Investition ist. Bitcoin macht nicht mehr als 1% ihrer Portfolios aus. Trotzdem haben wir einige Kunden, die mehr als 50 Mio. $ an Bitcoin bei uns halten. Das ist gross für uns, aber nicht gross für sie.

Werden Sie Ihre Produktpalette erweitern?
Wir haben eine sehr ambitionierte Pipeline und arbeiten ständig an neuen Produkten. Wir bieten schon eine Bankkarte an, die man bei Händlern oder Geldautomaten verwenden kann, die Kreditkarten akzeptieren. Wir arbeiten an Produkten, die es viel einfacher machen werden, auf Bitcoin zuzugreifen. Wir wollen auch Menschen in den Schwellenländern ermöglichen, Bitcoin zu nutzen.

Glauben Sie, dass Banken in der Zukunft Bitcoin verwenden werden?
Telefonunternehmen wollten das Internet jahrelang nicht anrühren. Ich erinnere mich, dass ich mit Telefónica (TEF 5.823 -2.9%) 1994 geredet habe, als ich den ersten Anbieter für einen Internetzugang in Argentinien aufbaute. Ich habe ihnen gesagt, dass sie auf das Internet achten sollten. Doch die hielten mich für verrückt. Die Telecomindustrie brauchte zu lange, um sich anzupassen. Das Gleiche gilt nun für die Banken. Sie sollten verstehen, dass man mit Bitcoin Geld über die ganze Welt kostenlos versenden kann. Wie Telefonunternehmen das Internet erst ignoriert haben, ignorieren die Banken immer noch Bitcoin. Aber schlussendlich müssen sie es verwenden.

Was ist Ihre persönliche Motivation, mit Bitcoin zu arbeiten?
Ich arbeitete in der Finanztechnologie schon meine ganze Karriere. Ich habe immer gefunden, dass sich, trotz allem technologischen Fortschritt, nicht wirklich verändert hat, wie das Finanzwesen funktioniert. Der Geldautomat, Kreditkarten oder Bankkonten wurden über die letzten Jahrzehnte nur marginal verbessert. Wir haben 5 Mrd. Menschen, die auf Cash angewiesen sind, da sie keinen Zugriff auf ein Bankkonto haben. Wenn wir uns auf die Banken verlassen, wird es so bleiben. Bitcoin kann das verändern, besonders da viele Menschen nun ein Telefon besitzen. Mich motiviert, eine Welt zu sehen, in der sich Bitcoin durchsetzt. Es  ist der grösste Schritt vorwärts zur Demokratisierung von Geld.

Hängt Ihr Engagement auch mit Ihrer Kindheit in Argentinien zusammen?
Als ich in Patagonien aufwuchs, hat meine Familie alles wegen der Inflation verloren. Bitcoin ist eine einfache Möglichkeit, dass Leute sich gegen diesen Missbrauch wehren können.

Ist Bitcoin die Währung der Zukunft?
Es wird nie eine nationale Währung ersetzen, aber es wird die erste globale Währung werden. Das Internet hat noch keine eigene Währung. Ich stelle mir eine Welt vor, in der Bitcoin als die Heimatwährung des Internets verwendet wird. Und es könnte den Dollar als internationalen Standard verdrängen.

Gibt es nicht die Gefahr, dass eine andere Kryptowährung Bitcoin ersetzt?
Das glaube ich nicht. Netzwerkeffekte, dass also eine höhere Zahl an Nutzern den Wert der Währung steigert, sind hier sehr wichtig. Vor einem Jahr machte Bitcoin die Hälfte aller Transaktionen mit Kryptowährungen aus. Die andere Hälfte wurde durch 90 andere Währungen ausgeführt. Heute werden 96% der Transaktionen mit Bitcoin ausgeführt, und die restlichen 4% verteilen sich auf 200 verschiedene Kryptowährungen. Bitcoin hat gewonnen. Es hat 12 Mio. Nutzer, täglich kommen 50’000 Nutzer dazu. All die anderen Währungen haben dagegen insgesamt nur 50’000 Nutzer. Die Nutzerzahl von Bitcoin wächst also jeden Tag um die Zahl an Nutzern, die alle anderen Währungen zusammen haben.

Sie konnten bekannte Persönlichkeiten für das Beratergremium von Xapo gewinnen. Was erwarten Sie von den Beratern?
Sie alle glauben an das Potenzial von Bitcoin. Wir können viel von ihrer Erfahrung und ihrem Know-how lernen. Dee Hock ist Gründer von Visa (V 188.4 -5.23%), damit kennt er sich beim Aufbau neuer Bezahlungsmethoden aus und wie man Händler und Kunden dafür gewinnt. John Reed baute Citibank zu einer global tätigen Privatkundenbank aus. Er sorgte dafür, dass Geldautomaten weltweit eingeführt wurden.

Warum halten Kunden Bitcoin bei Ihnen?
Sicherheit ist für unsere Kunden am wichtigsten. Xapo bietet die stärkste Sicherheitstechnologie, aber ist auch einfach zu nutzen. Wir haben auch das Team mit der längsten Finanzerfahrung im Bitcoin-Bereich. Wir sind keine Anfänger, sondern wir haben schon Banken oder Finanzdienstleister geleitet. Auch unsere Investoren sind die Besten aus dem Silicon Valley, der Wallstreet und dem Bitcoin-Sektor.

Sind Sie damit Wettbewerbern voraus?
Wir denken nicht viel über unsere Wettbewerber nach, da Bitcoin kein gesättigter Markt ist. Es ist viel wichtiger, mehr Nutzer für Bitcoin zu gewinnen, als Nutzer von Konkurrenten abzuwerben.