Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Schnapsidee

«Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt – Deutschland, Deutschland über alles» etc.: Heinrich Hoffmann von Fallersleben dichtete die deutsche Hymne anno 1841 – auf der seit 1807 englischen Badeinsel «Heligoland». Zuvor war das Eiland (genauer: es sind zwei) in der Nordsee jahrhundertelang dänisch gewesen; bewohnt ist es seit jeher von Friesen. 1890 kam es im Rahmen einer Bereinigung kolonialer Ansprüche zwischen Berlin und London ans Kaiserreich. Ex-Kanzler Bismarck grollte, seine täppischen Nachfolger hätten für das läppische Ländchen mit dem paradiesischen Sansibar bezahlt, was jedoch nicht zutrifft. Ein Gerücht ist auch, dass auf Helgoland eine Strassenbahn bimmelt. 1979 gestatteten sich vier Berliner Banker den Jux, diese Papiere zu gestalten, zu drucken und im grauen Markt an den Börsenplätzen, Berlin, Frankfurt und Düsseldorf zu «emittieren», zum Kurs von 10 DM. Die Auflage von gut 2000 Stück war im Nu überzeichnet. Die fidelen Finanzer erhielten für ihre Schnapsidee eine humoris causa milde Rüge. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Insel eine britische Basis, bis sie 1952 heim in die Bundesrepublik fand. Lange Zeit waren «Butterfahrten» zum Zollfreigebiet – zum «Fuselfelsen» – in Mode. Nun wird Helgoland zum Zentrum der Offshore-Windenergie. Schon eher ein Anlagethema.

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