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Schoch: «Wir treten nicht in Konkurrenz zu Leonteq»

Der Ex-CEO von Leonteq, Jan Schoch, baut mit Anova Partners einen neuen Spezialisten für strukturierte Produkte auf.

Jan Schoch ist zurück. Der Gründer und Ex-CEO des Derivatspezialisten Leonteq geht im Mai dieses Jahres mit seinem neuen Unternehmen an den Start: dem Derivatspezialisten Anova Partners. Seit mehreren Monaten entwickelt Schoch mit drei Mitarbeitern die Plattform. Bald sollen zudem einige Spitzenleute von Schochs ehemaliger Arbeitgeberin dazustossen. Im Juni und Juli wechseln die Verkaufsspezialisten Thomas Aebli, Giuliano Fusco und Raphael Dorsaz sowie der Derivatexperte David Straumann von Leonteq (LEON 35.2 -0.34%) zu Anova Partners.

Schochs neues Unternehmen hat seinen Sitz in Gonten (AI), wo Schoch sein Büro hat. Dort besitzt er auch das Traditionsgasthaus Bären. Anova Partners soll zudem im Sommer eine Niederlassung in Zürich eröffnen. Die Aktiengesellschaft (AG) existiert bereits seit 2014, gegründet von Jan Schoch. Sie hat aber erst vor einigen Monaten ihre jetzige Ausrichtung erhalten. Die AG startet mit einem Eigenkapital von 1 Mio. Fr. Entscheidungsberechtigt sind Jan Schoch und Sandro Balduini. Eine Banklizenz strebt das Unternehmen vorerst nicht an. Es ist einer Selbstregulierungsorganisation angeschlossen.

Im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» sagt Schoch, was Anova Partners von Leonteq unterscheidet, was er mit dem neuen Unternehmen vorhat und wie er heute über seine ehemalige Arbeitgeberin denkt.

Herr Schoch, Sie bauen mit Anova Partners einen Spezialisten für strukturierte Produkte auf, wie Sie es vor über zehn Jahren schon einmal mit Leonteq getan haben. Bald stossen auch noch vier Leonteq-Leute zu Ihrem Team dazu. Gibt das eine Leonteq 2.0?
Nein, wir gehen in eine ganz andere Richtung. Anders als Leonteq emittieren wir keine eigenen Derivate. Wir sind somit unabhängig, haben keine Interessenkonflikte und keinen Druck, die eigenen Produkte zu verkaufen. Mit unserer Plattform bieten wir Vermögensverwaltern, Pensionskassen, Banken und Versicherungen an, ihre gesamten Derivatportfolios zu verwalten und sie dabei zu beraten.

Das hört sich aber zumindest technologisch sehr danach an, was Leonteq macht.
Rein technologisch haben wir zwölf Jahre nach der Gründung Leonteqs heute ganz andere Möglichkeiten. Wir haben neueste Software entwickelt, um die Produkte unserer Kunden im gesamten Portfoliokontext zu verstehen, zu bewerten und sie über ihren ganzen Lebenszyklus zu betreuen. Wir fangen jetzt mit der Verwaltung von Derivaten an, werden in einem zweiten Schritt dann aber die Optimierung des Gesamtportfolios anbieten. Und wir können den Kunden auf unabhängiger Basis aufzeigen, welche neuen Produkte ihnen die optimale Rendite bringen.

Sie werden also auch die Derivatemittenten wie eben Leonteq an Ihre Plattform anbinden?
Unsere Plattform soll wirklich zweiseitig funktionieren. Sprich: Alle Emittenten können sich via Schnittstelle anschliessen. Grundsätzlich werden wir alle Produkte über die Plattform abwickeln können. Wir treten hier also nicht in Konkurrenz, etwa zu Leonteq, sondern wirken komplementär zu Produktherstellern.

Wer sind denn Stand heute konkret Ihre Kunden?
Mit der Kundenakquise beginnen wir, wenn wir im Mai an den Start gehen. Bis dahin fokussieren wir uns konsequent auf den Aufbau der Plattform. Genau dafür haben wir aber natürlich die langjährige Erfahrung, um nicht am Markt vorbei zu produzieren.

Mit welcher Anzahl Kunden und mit welchem Produktvolumen rechnen Sie bis Ende Jahr?
Dazu kann ich noch keine Zahlen nennen. Aber ich hoffe, dass wir gute Volumen auf unsere Plattform bringen können.

Haben Sie bereits die Auslandexpansion im Blick?
Jetzt fokussieren wir erst einmal auf die Schweiz. Aber wenn wir hier Erfolg haben, könnten wir auch einmal in andere Märkte vorstossen.

Wie viel haben Sie in den Aufbau der Plattform investiert?
Anova Partners ist mit 1 Mio. Fr. an Eigenkapital ausgestattet. Eigentümer des Unternehmens bin ich, die Besitzerstruktur kann sich aber in Zukunft noch verändern. Natürlich habe ich noch einiges darüber hinaus in den Aufbau investiert, Zahlen möchte ich aber nicht nennen.

Denken Sie manchmal noch an die Leonteq-Zeit zurück, auch wie Sie damals gehen mussten?
Natürlich denke ich manchmal noch an die Zeit zurück, aber mit positiven Gefühlen. Wir haben ein bis heute immens erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, auf das ich immer noch stolz bin. Natürlich ist es schade, dass es um meinen Abgang herum Unstimmigkeiten gab. Aber ich bin immer noch vielen Mitstreitern von damals freundschaftlich verbunden, und ich gönne ihnen weitere Erfolge. Jetzt freue ich mich aber, etwas Neues aufzubauen.

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