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Märkte / Makro

Schweizer sind Weltmeister im Schuldenmachen

In keinem Land ist die Verschuldung der Privathaushalte höher. Verantwortlich dafür ist ein Sektor.

Für die Schweiz ist an der Eishockey-Weltmeisterschaft in Paris noch alles möglich. Im Viertelfinal trifft die Mannschaft auf Schweden, im Halbfinal würden Finnland oder die USA warten – kein leichter Weg. Garantiert ist der Schweiz jetzt aber schon ein anderer Titel, der des Schuldenweltmeisters.

Die Auszeichnung geht nicht an den Staat, sondern an die Privathaushalte. Gemäss Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beträgt ihre Verschuldung insgesamt 853 Mrd. $ oder 128% des Bruttoinlandprodukts. In keinem anderen Land der Welt ist die Verschuldungsquote der Privathaushalte höher, selbst in den USA oder Grossbritannien nicht, wo der Konsum auf Pump viel verbreiteter ist.

Verschuldung konzentriert sich auf 35% der Haushalte

Schuld an diesem unrühmlichen Spitzenplatz sind die Hypotheken. Sie machen den Löwenanteil der Privatverschuldung aus, obwohl nur 40% in einer Wohnung oder einem Haus wohnen, das sie besitzen. Eine ähnlich tiefe Wohneigentumsquote weist nur Deutschland auf, in den meisten Industrieländern liegt sie über 60%. Das macht den Spitzenrang der Schweiz noch bemerkenswerter.

Ein weiterer Unterschied zum Ausland: Da es sich aus steuerlichen Gründen nicht lohnt, die Hypothek vollständig abzuzahlen, sind von den 40% praktisch alle verschuldet. Nur 5% der Haushalte besitzen die Wohnung oder das Haus ohne Hypothek. Die Verschuldung konzentriert sich also auf 35% der Haushalte.

Netto am reichsten

Die Schweizer Haushalte belegen aber nicht nur bei den Schulden den Spitzenplatz, sie sind in der Summe auch die reichsten der Welt. Bei den Verbindlichkeiten von fast 1 Bio. Fr. handelt es sich um Bruttoschulden, ihnen steht aber ein Vermögen von rund 3 Bio. Fr. gegenüber.

Gemäss dem «Wealth Report» der Credit Suisse verfügen die erwachsenen Schweizer im Durchschnitt über ein Vermögen von umgerechnet 560’000 $. Die Verteilung ist wegen der vielen Milliardäre extrem schief. Gemäss dem Medianwert gehört bereits zur vermögenderen Hälfte, wer mehr als 244’000 $ gespart hat.

Im Schnitt sind die Schweizer Privathaushalte netto nicht verschuldet. Die Allianz Versicherung schätzt das Geldvermögen nach Abzug der Schulden auf 170’000 €, also etwa 185’000 Fr.

Gesamtschuldenquote durchschnittlich

Ebenfalls etwas sparsamer erscheint die Schweiz im internationalen Vergleich, wenn auch der Unternehmenssektor (ohne Banken) und vor allem der Staat in die Rechnung einbezogen wird.

Die so ermittelte Gesamtverschuldung beträgt derzeit 1,652 Bio. $ oder 248% des BIP. Damit liegt die Schweiz im Mittelfeld und hinter den bekannten Schuldennationen USA oder Grossbritannien. Auch viele Euroländer schneiden wegen der hohen Staatsverschuldung schlechter ab.

Spitzenreiter sind in der Gesamtschau Irland und Japan mit einer Schuldenquote von 375 und 372%, vor Belgien (350%), Portugal (331%) und den Niederlanden (308%). In Irland ist eindeutig der Unternehmenssektor das Problem, in Japan der Staat. In den Niederlanden ist vor allem der Privatsektor verschuldet. Portugal weist bei allen Komponenten eine überdurchschnittliche Verschuldung aus.

In der Schweiz ist die Unternehmensverschuldung im Vergleich harmlos, geschweige denn die Staatsverschuldung, die in den BIZ-Zahlen etwas tiefer ausfällt als in den Statistiken des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der OECD.

4 Kommentare zu «Schweizer sind Weltmeister im Schuldenmachen»

  • Markus Saurer sagt: 18.05.2017 – 09:30 Uhr

    Ich finde auch, dass der Beitrag ok, der Titel hingegen ganz und gar nicht ok ist. Schulden, denen entsprechende Realwerte gegenüberstehen, sind nicht im geringsten ein Problem, sondern ein Zeichen die intertemporalen Optimierung und Steueroptimierung. Die ganze Rangliste ist überhaupt keiner Erwähnung würdig.

    • Roland Heinzer sagt: 18.05.2017 – 14:29 Uhr

      Absolut einverstanden ein reißerischer Titel, der einen total falschen Eindruck vermittelt. Man müsste das Pensionskassen Guthaben und den Wert der Liegenschaften einberechnen. Dazu kommt, dass der Staat mit dem unsinnigen Eigenmietwert die Leute ermuntert Schulden zu machen, um Steuern zu sparen und die tiefen Zinsen zu höheren Immobilien-preisen führen. (wealtheffekt nur für wenige!)
      Was natürlich stimmt, ist die Tatsache, dass leider die Jungen die Leidtragenden sind, denn sie können sich fast kein Eigenheim mehr leisten.

  • Peter W. Ulli sagt: 18.05.2017 – 08:40 Uhr

    Wir sprechen hier wohl von Bruttoschulden, denn den Hypotheken stehen
    ja auch Vermögen, sprich Liegenschaften entgegen. Folglich finde ich den Titel irreführend.
    Nimmt man die Nettoschulden, würde sich ein ganz anderes Bild ergeben.

  • Jürg Brechbühl sagt: 17.05.2017 – 16:17 Uhr

    Der Titel ist in dem Fall irreführend. Wir Schweizer sind Weltmeister im Geschäftemachen mit Banken – das wäre die korrekte Zusammenfassung. Allerdings, so wie sie sich die Banken aufführen, muss man sich das schon überlegen, ob man da noch lange mitmachen will.