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Blogs / Fintech

Zentralbanken arbeiten am digitalen Geld

Alexander Trentin
Banknoten sind in Schweden ein Auslaufmodell. Die Notenbank prüft, den Bürgern digitales Geld zur Verfügung zu stellen. Sie ist nicht die Einzige.

Für manche sind Banknoten und Münzen «geprägte Freiheit», für andere ein Auslaufmodell, das nur noch von Terroristen und Steuersündern gebraucht wird. Die Schweden scheinen sich auf die Seite der Bargeldverächter zu schlagen.

In keinem anderen Industrieland sind so wenige Banknoten und Münzen im Vergleich zur Wirtschaftsleistung noch im Umlauf (vgl. Grafik rechts). Die Schweden nutzen lieber Kredit- und Bankkarten, um im Supermarkt einzukaufen. In Stockholm findet man Läden mit dem Schild «Vi hanterar ej kontanter» – «Wir nehmen kein Bargeld».

Kontengeld kein gesetzliches Zahlungsmittel

Doch Geld auf dem Konto und Banknoten in der Hand sind rechtlich zwei ganz verschiedene Dinge. Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel, das von der Notenbank herausgegeben wird.

Dagegen ist Geld auf dem Bankkonto eine Forderung gegenüber einer Bank. Das Geldhaus schuldet den Betrag dem Kunden. Geht die Bank pleite und wird das Vermögen nicht durch einen Fonds zur Einlagensicherung gedeckt, ist das Geld weg.

In Schweden macht von der Zentralbank ausgegebenes Geld – Banknoten und Buchgeld in der Notenbankbilanz – nur einen Bruchteil der Geldmenge aus (vgl. Grafik rechts). Der allergrösste Teil liegt auf Konten bei Geschäftsbanken. Und ist damit privat ausgegebenes Geld.

In der Schweiz bemüht sich die Vollgeld-Initiative darum, dass die Schweizerische Nationalbank nicht nur Banknoten, sondern auch Buchgeld – also elektronisches Geld – schafft. So soll das Geld der Bürger auf dem Konto nicht nur eine Forderung gegenüber der Bank, sondern ein staatlich ausgegebenes Zahlungsmittel sein.

Digitales Geld in Prüfung

Die Vollgeld-Initiative ist umstritten, da sie Banken die Geldschöpfung durch die Vergabe von Krediten verbieten will. Doch Notenbanken denken sehr wohl darüber nach, ob sie nicht digitales Geld ausgeben sollten.

Die schwedische Zentralbank, die Riksbank, arbeitet schon konkret daran, eine «e-Krona» zu entwickeln. So klingt es zumindest in einer Rede der stellvertretenden Riksbank-Chefin Cecilia Skingsley.

«Für mich ist klar, dass die Riksbank prüfen muss, ob sie Bürgern eine Alternative zur Verfügung stellt», sagt Skingsley in einer Videobotschaft auf der Webseite der schwedischen Notenbank.

Falls die «e-Krona» komme, sei noch unklar, wie sie aussehe: «Wir wissen nicht, ob es eine Smartphone-App oder eine Karte sein wird – oder eine andere, bisher unbekannte Form annehmen wird», sagt Skingsley.

Es gebe kein Vorbild, das man kopieren könne. Trotzdem zeigt sich Skingsley über die nötige Experimentierphase unbekümmert, denn «Münzen und Banknoten werden noch für einige Zeit im Umlauf bleiben».

Bargeld werde immer einen Vorteil gegenüber elektronischem Geld haben: Es könne immer ohne Technologie und Elektrizität verwendet werden. Und sei damit besonders für Krisensituationen die bessere Wahl.

Kein Vorbild, aber historische Parallele

Auch wenn es kein Vorbild für eine digitale nationale Währung gibt, glaubt Skingsley, gibt es doch eine historische Parallele.

So hatte man früher Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen in Papierform zu Hause oder im Schliessfach. Das hat sich völlig verändert: Heute macht es niemandem mehr Sorgen, dass die Wertpapiere nur noch digital existieren und man die Aktien im Portfolio bloss noch im Depotauszug nachverfolgen kann.

Die Riksbank muss laut Skingsley nun drei verschiedene Themengebiete gleichzeitig bearbeiten:
• Welche Technologien sollen eingesetzt werden? Wird das digitale Geld dezentral gespeichert – beispielsweise in einem Netzwerk – oder zentral in einem Computer der Nationalbank verwaltet?
• Was für Auswirkungen wird es auf die Geldpolitik, den Zahlungsverkehr und die Finanzstabilität haben?
• Was sind die rechtlichen Grundlagen, eine digitale Währung auszugeben?

Britische Notenbank arbeitet mit Fintech-Unternehmen

Die schwedischen Zentralbanker sind nicht die einzigen Währungshüter, die sich Alternativen zum physischen Bargeld überlegen. Schon seit Februar 2015 ist digitales Geld auf der Forschungsagenda der Bank of England.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 3500 -1.63%)) zeigt sich dagegen bedeckt. Auf Anfrage heisst es: «Die SNB verfolgt die Entwicklungen auf diesem Gebiet aufmerksam, da diese Innovationen für die Erfüllung ihre operativen Aufgaben relevant werden könnten.»

Im September hatte SNB-Präsident Thomas Jordan diese Position in einer Rede ausgeführt. Für die Zentralbanken sei die Technologie des Distributed Ledger relevant – also einer dezentral in einem Netzwerk verteilten Datenbank, wie es sie mit der Blockchain schon für die Digitalwährung Bitcoin gibt.

Bank of England unterstützt Fintech-Entwicklung

Die britische Notenbank hat einen eigenen Fintech Accelerator eingerichtet: Das ist ein Laboratorium für Unternehmen in der Finanztechnologie, um neue Anwendungen zu schaffen.

Ein erster Wurf des Accelerator ist anscheinend schon fertig: Dort wurde als Pilotprojekt ein Distributed Ledger für eine digitale Währung schon vorgestellt.

Der grosse Unterschied zu Bitcoin: Die Währung entsteht nicht aus einem Netzwerk von Individuen, sondern durch eine staatliche Stelle. Dabei wollen die Vertreter von Kryptowährungen – Digitalwährungen, die auf neuen Verschlüsselungstechniken aufbauen – auf ein Währungssystem umstellen, das keiner staatlichen Kontrolle unterliegt.

Auch aus einem anderen Grund wird von der Notenbank ausgegebenes digitales Geld eingefleischte Bitcoin-Anhänger nicht begeistern. Denn die staatlich ausgegebene Währung wird kaum anonym sein, und für staatliche Stellen wird nachverfolgbar sein, wer an wen etwas bezahlt hat. Zu gross ist die Sorge um Geldwäsche und Steuerhinterziehung.