Märkte / Makro

Schweden kocht seine Regierungskrise auf Sparflamme

Die neue Regierungskoalition ist noch wackliger als die alte. Doch die Märkte reagieren gelassen, weil wirtschaftlich bisher alles zum guten steht.

 

Zwei Wochen nach dem Ausbruch der Regierungskrise in Schweden hat Premierminister Stefan Löfven Optionen für einen Ausweg sondiert. Oppositionsführer Ulf Kristersson hatte das zuvor versucht, war aber gescheitert. Am Mittwoch hat nun der Sozialdemokrat Löfven vom Parlament die Unterstützung bekommen, um mit den Grünen weiter zu regieren. Diese Koalition ist aber noch wackliger als die vorherige, denn Löfven hat die Liberalen als Unterstützer verloren. Derweil geht der Alltag weiter, als sei nichts geschehen.

Von einer politischen Risikoprämie gibt es keine Spur. Anfangs bewegten sich die Staatsanleihenrenditen leicht nach oben. Fünfjährige Papiere stiegen 7 Basispunkte (Bp) auf 0%, seither ist die Rendite 5 Bp auf –0,05% gesunken. Der Aktienindex OMX 30 verbesserte sich 1%. Und die schwedische Krone notiert stabil zum Euro. «Der politische Coup, so dramatisch er auch ist, wird keine nennenswerten wirtschaftlichen oder finanziellen Folgen haben», ist Jens Magnusson von der Bank SEB überzeugt. Wie er denken viele.

Liberalisierung ging zu weit

Die Ruhe ist umso erstaunlicher, als die Regierung über das Thema zerbrach, das Schwedens grösstes makroökonomisches Risiko darstellt: die Überhitzung des Immobilienmarkts. Seit Jahren kämpft das Land mit stark steigenden Preisen von Wohnimmobilien. Die Regierung wollte Eigentümern mehr Rechte bei der Mietfestsetzung zugestehen. Die Liberalisierung sollte das Investitionsumfeld attraktiver machen, sodass mehr gebaut wird und sich mittelfristig die Lage entspannt. Für die Linkspartei ging die Lockerung des Mieterschutzes zu weit, sie entzog der Regierung ihre Unterstützung. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?