Das schwedisch-schweizerische Industriekonglomerat ABB hat ein gutes Jahr hinter sich. Wie andere Zykliker hat es von der Konjunkturerholung profitiert – die Aktie befindet sich seit März 2020 in einer Aufwärtsbewegung und konnte ihren Wert teilweise mehr als verdoppeln. ABB positioniert sich als Teilnehmer im Dekarbonisierungswettrennen, war aber gegenüber den profitableren europäischen Konkurrentinnen Siemens, Schneider Electric und Legrand traditionellerweise eher hoch bewertet.

Nach der Ernennung von CEO Björn Rosengren im Jahr 2020 hat sich ABB einer radikalen Verschlankungskur unterzogen. Zigtausende Stellen wurden abgebaut, die Abspaltung von Geschäftseinheiten wurde angekündigt. ABB lässt die Matrixorganisation hinter sich und wird de­zentraler – das war auch bitter nötig. ­Umbau ist für ABB allerdings auch kein neues Thema. Der Automations- und Industriekonzern hatte erst im vergangenen Jahr die 2018 initiierte Abstossung der Netzsparte an die japanische Hitachi abgeschlossen. Der Erlös ist in ein 7,8 Mrd. $ teures Aktienrückkaufprogramm geflossen, das bis 2022 laufen soll.

Mehr digital, mehr Marge?

Das Konglomerat ABB umfasst noch immer knapp 100 000 Mitarbeiter in zwanzig Divisionen, den jüngsten Verkauf bereits exkludiert. ABB versucht zwar, (Gross-)Aufträge, die nicht zum Portfolio passen, wie etwa aus der Öl- und Gasindustrie ­sowie dem Automobilbereich, zu reduzieren, hat dabei aber noch immer Luft nach oben. Auch bei digitalen Lösungen gibt es noch immer Nachholbedarf – nicht ­zuletzt um das von CEO Rosengren an­gepeilte Margenziel von 15% bis 2023 zu erreichen. Mithelfen könnte die neue ­dezentrale Akquisitionsstrategie. So liegt es nun im Bereich der Divisionen, Übernahmeziele selbst auszumachen.

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