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Schweiters neuester Coup

Analyse | Das Industrieunternehmen übernimmt zwei britische Gesellschaften und verstärkt das Displaygeschäft. Der Umsatz erhöht sich 15%. Der Kaufpreis ist günstig.

Der auf Verbundwerkstoffe spezialisierte Industrie­konzern Schweiter (SWTQ 1122 -4.1%) kauft in Grossbritannien zu. Er übernimmt das Acrylglasplattengeschäft von Lucite International und die Vertriebs­gesellschaft Perspex Distribution.

Die beiden Unternehmen erwirtschafteten im vergangenen Jahr mit 330 Mitarbeitern einen Umsatz von ins­gesamt 126 Mio. £ oder umgerechnet rund 160 Mio. Fr. Damit wird der Konzern­umsatz 15 bis 16% erhöht. Schweiter wies für das vergangene Jahr einen Umsatz von knapp 1 Mrd. Fr. aus. Spätestens 2020 dürfte er 1,3 Mrd. Fr. erreichen.

Der Unternehmenswert für die Gesellschaften beträgt nach Angaben Schweiters 92 Mio. £. Damit bezahlt das Unternehmen lediglich 0,7-mal den Umsatz resp. gemäss Annahmen von Finanz­analysten ein Multiple von etwa 8 bezogen auf den Unternehmenswert zu Ebitda (Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation).

Finanzierung ist kein Problem

Die Finanzierung des Deals bereitet Schweiter keine Schwierigkeiten: Per Mitte Jahr verfügte das Unternehmen über eine Nettoliquidität von 175 Mio. Fr. Der zuständige Finanzanalyst von Baader Helvea schätzt, dass Schweiter Ende Jahr immer noch ein Cashpolster von 100 Mio. Fr. in der Bilanz haben werde.

Damit ist davon auszugehen, dass die seit Jahren ausgeschüttete reguläre Dividende von 40 Fr. nicht zur Diskussion steht. Für das erste Semester wies Schweiter einen 11% höheren Umsatz und 7% mehr Gewinn aus. Die zweite Jahreshälfte sollte mindestens ebenso gut werden.

Auch mit den neuesten Zukäufen, die voraussichtlich ab 2019 in die Rechnung einfliessen, rechnet das Management mit substanziellen Umsatz- und Kostensynergien, sei es in der Produktion wie in der Distribution.

Lucite Acrylic Sheet ist nach Angaben von Schweiter einer der führenden europäischen Hersteller von Acrylglasplatten und Verbundwerkstoffen. Die Platten werden von Kunden in den Bereichen Display, visuelle Kommunikation und verwandte Branchen verwendet.

Display ist mit einem Umsatzanteil von 52% (Ende 2017) jetzt schon der grösste Geschäftsbereich des Unternehmens.

Gezielter Ausbau

Nach dem Verkauf des Textilmaschinengeschäfts im vergangenen Sommer hat Schweiter nur noch eine Sparte, 3A Composites. Diese wurde bereits 2015 (Polycasa, 200 Mio. Fr. Umsatz) und 2017 (Athlone Extrusions, 68 Mio. Fr. Umsatz) mit Akquisitionen erheblich ausgebaut.

Eingestiegen in das Geschäft mit Verbundwerkstoffen war Schweiter vor bald zehn Jahren mit dem Erwerb der damaligen ­Alcan Composites (heute 3A).

Die Aktien haben auf den neuesten Coup von Schweiter wenig reagiert. Im bisherigen Jahresverlauf haben sie rund 7% eingebüsst. Sie sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 für 2019 marktkonform bewertet. Kaufargumente liefern die gesicherte Dividende resp. aktuell eine Rendite von 3,5%.

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