Märkte / Devisen

Schweiz auf dem Weg zum Währungsmanipulator

Wenn die SNB weiter versucht, den Franken zu schwächen, droht Ungemach aus den USA.

Um die Frankenaufwertung gegenüber dem Euro abzubremsen, scheint die Schweizerische Nationalbank erstmals seit 2017 wieder am Devisenmarkt zu intervenieren. Das legen die Sichteinlagen der Banken bei der SNB (SNBN 5860 2.63%) nahe, die in den vergangenen Wochen um rund 10 Mrd. Fr. zugenommen haben. Alexander Koch, Leiter Makrostrategie bei Raiffeisen, befürchtet, dass die Schweiz daraufhin von den USA zum Währungsmanipulator geächtet werden könnte.

Im Rahmen der nächsten halbjährlichen Einschätzung des US-Finanzministeriums im November dürfte die Schweiz alle drei US-Kriterien für Währungsmanipulation erfüllen, schreibt Koch am Mittwoch in einem Marktkommentar.

Erstens sei der Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA über die Schwelle von 20 Mrd. $ geklettert. Zweitens verharre der chronisch hohe Schweizer Leistungsbilanzsaldo mit über 10% des BIP weit über dem Schwellenwert von 2%. Der dritte Faktor seien die Devisenkäufe. Der Anstieg der Sichteinlagen um 10 Mrd. Fr. entspreche zwar erst knapp 1,5% des Schweizer BIP. Aber das US-Kriterium von 2% dürfte rasch erreicht werden, ist Koch überzeugt.

Es sei gut möglich, dass wie kürzlich China bald auch die Schweiz zum Währungsmanipulator erkoren werde, erklärt Koch. Die Arbeit der SNB werde dadurch nicht gerade einfacher gestaltet. Bislang war die Schweiz nie offiziell geächtet worden. Bei der letzten halbjährlichen Überprüfung durch das US-Schatzamt war unser Land sogar von der Beobachtungsliste gefallen.

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