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Schweiz fällt bei digitaler Wettbewerbsfähigkeit zurück

Gemäss dem IMD World Digital Competitiveness Ranking 2020 belegt die Schweiz den sechsten Platz, nachdem sie letztes Jahr noch in den Top Five war.

(AWP) Die Corona-Pandemie hat laut einer Studie gezeigt, dass die Schweiz in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt ist. Um den Anschluss an vergleichbare Länder wie Dänemark oder Schweden nicht zu verlieren, brauche es aber weiterhin grosse Anstrengungen, mahnen Digitalisierungsexperten.

Gemäss dem «IMD World Digital Competitiveness Ranking 2020» ist die Schweiz im internationalen Vergleich aus der «Top Five» der Länder mit der besten digitalen Wettbewerbsfähigkeit gefallen. Nach Hong Kong belegt das Land nun den sechsten Platz.

Die Vereinigten Staaten, Singapur und Dänemark belegen die Podestplätze, wie der am Donnerstag veröffentlichten Rangliste zu entnehmen ist.

Die diesjährige Studie des in Lausanne ansässigen IMD World Competitiveness Center (WCC) untersuchte am Fallbeispiel der Corona-Pandemie, wie die Volkswirtschaften der insgesamt 63 untersuchten Ländern digitale Technologien einsetzen, die zur Bewältigung der Gesundheitskrise beitragen könnten.

Corona als «digitaler Stresstest»

Die Corona-Pandemie sei eine Art «digitaler Stresstest» für jede Nation, fasste Martin Vetterli, Präsident der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) am Donnerstag die Studienergebnisse zusammen. Erst unter den Bedingungen eines Lockdowns und der Zusammenarbeit im Home Office zeige sich der Ist-Zustand einer Volkswirtschaft in Sachen Digitalisierung.

In Bezug auf die Digitalisierung des hiesigen Gesundheitswesens stellt der Professor für Informatik und Kommunikation den Schweizer Behörden ein eher gemischtes Zeugnis aus. Zwar lasse sich am Beispiel des bisher gut funktionierenden Contact-Tracings ablesen, dass man durchaus in der Lage sei, Herausforderungen zu meistern, der «digitale Allgemeinzustand» des Gesundheitswesens liege aber immer noch hinter vielen Ländern wie etwa Dänemark oder Schweden.

Gesundheitswesen noch viel Potenzial

«Die Covid-19-Pandemie war der ultimative Weckruf für die Schweizer Gesundheitsbehörden in Sachen Digitalisierung», ergänzte Marc Walder, Initiant von Digitalswitzerland und CEO des Medienunternehmens Ringier. Auch er zieht ein gemischtes Zwischenfazit, was die neusten Daten des Reports anbelangt: «Einerseits können wir auf viele Dinge stolz sein, die wir im Zuge der Corona-Krise zeitnah auf die Beine gestellt haben.»

Andererseits habe sich in der Hochphase der Pandemie gezeigt, dass viele Abläufe noch weit weg davon seien, was das digitale Potenzial anbelangt. Walder nannte als Beispiel etwa die Verwendung von Fax-Geräten zur Übermittlung von Infektionszahlen.

Ein anderes konkretes Beispiel sei das elektronische Patientendossier: «Hier liegt noch sehr viel Optimierungspotenzial brach, über das sich zwar alle Stakeholder einig sind, die erforderliche politische Durchsetzung aber weiterhin fehlschlägt.»