Märkte / Makro 17:15 - 31.03.2017

«Schweiz manipuliert die Währung»

Ökonom Miles Kimball fordert im Interview einen internationalen Rahmen, um über Währungsmanipulation und Handelsdefizite zu verhandeln.
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Porträt des US-Präsidenten Donald Trump.
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Lizenz: Public domain

Donald John Trump [ˈdɒnəld d͡ʒɒn tɹʌmp] (* 14. Juni 1946 in Queens, New York City) ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Vor seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017 war er ein Unternehmer.

Von 1971 bis 2017 war Trump CEO des Mischkonzerns Trump Organization. In der Immobilien- und Unterhaltungsbranche baute er laut unabhängigen Schätzungen ein Milliardenvermögen auf und machte seinen Namen „Trump“ zu einer Marke. Mit Fernsehsendungen wie The Apprentice wurde er zu einer der bekanntesten Personen in den Vereinigten Staaten.

Trump hat verschiedene Parteien unterstützt und ist seit 2009 als Republikaner registriert. Als deren Kandidat gewann er die Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 gegen Hillary Clinton. Trump hatte als erster US-Präsident zuvor weder ein politisches Amt noch einen militärischen Rang inne und das höchste Lebensalter bei Amtsantritt ...

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http://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Trump

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Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Aufwertung
Bewirkt einen grösseren Aussenwert der Währung, was Exporte verteuert und Importe vergünstigt.
Aussenhandel
Die Berichterstattung über die Schweizer Warenexporte und -importe bezieht sich in der Regel auf die Definition Total 1, die den Aussenhandel mit Edelmetallen, Edel- und Schmucksteinen sowie Kunstgegenständen und Antiquitäten nicht umfasst. Sie sind dagegen im Total 2 enthalten.
Bruttoinlandprodukt
Wertschöpfung einer Volkswirtschaft . Die Entwicklung des BIP ist eine wichtige Einflussgrösse für die Gewinne der Unternehmen sowie das Zinsniveau und dadurch indirekt für Aktien und Obligationen .
Devisen
Auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen, insbesondere Bankguthaben, Checks und Wechsel. Allgemein auch ein Sammelbegriff für ausländische Währungen.
Geldmenge
Bestand an Bar- und Buchgeld in einer Volkswirtschaft . Die SNB orientierte sich bis 1999 zur Steuerung der Geldmenge an der bereinigten Notenbankgeldmenge.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Handelsbilanz
Auflistung aller wirtschaftlichen Transaktionen eines Landes mit dem Ausland. Der wichtigste Bestandteil ist die Leistungsbilanz (Ertragsbilanz), die im Wesentlichen die Handelsbilanz umfasst. Da die Zahlungsbilanz immer ausgeglichen sein muss, weil ein Land sonst in Zahlungsschwierigkeiten geriete, müssen Leistungsbilanzdefizite beispielsweise durch Nettokapitalimporte (Kapitalbilanzüberschüsse) finanziert werden.
Industrieländer
An und für sich überholte Bezeichnung für hochentwickelte Staaten, überwiegt dort heute doch der Dienstleistungssektor. Die Industriestaaten sind in der OECD zusammengefasst.
Kapitalmarkt
Markt für mittel- und langfristige Anlagen. Auf dem Primärmarkt finanzieren Unternehmen ihre Investitionen durch die Ausgabe von Wertpapieren (Aktien , Obligationen ), auf dem Sekundärmarkt werden die Titel gehandelt. So findet laufend eine Bewertung der Gesellschaften statt. Im Unterschied dazu dient der Geldmarkt dem Handel kurzfristiger Finanzierungsinstrumente.
Leistungsbilanz
Auflistung aller wirtschaftlichen Transaktionen eines Landes mit dem Ausland. Der wichtigste Bestandteil ist die Leistungsbilanz (Ertragsbilanz), die im Wesentlichen die Handelsbilanz umfasst. Da die Zahlungsbilanz immer ausgeglichen sein muss, weil ein Land sonst in Zahlungsschwierigkeiten geriete, müssen Leistungsbilanzdefizite beispielsweise durch Nettokapitalimporte (Kapitalbilanzüberschüsse) finanziert werden.
Option
Das Recht – nicht aber die Pflicht –, innerhalb einer bestimmten Zeit (Laufzeit ) eine feste Menge eines bestimmten Basiswerts zu einem im Voraus fixierten Ausübungspreis zu kaufen (Call ) oder zu verkaufen (Put ). Für dieses Recht zahlt der Optionär dem Verkäufer der Option eine Optionsprämie . Optionen können individuell zwischen den Parteien (OTC-Option ), in einem Warrant verbrieft oder an Terminbörsen gehandelt werden.
Rohstoffe
Werden in der Regel standardisiert und auf Termin (vgl. Futures ) gehandelt. Die Palette reicht von Edelmetallen über Basismetalle , Getreide und Ölsaaten , Soft Commodities und Fleisch sowie Milch bis zu Energie.
Schweizerische Nationalbank
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Wechselkurs
Gibt an, in welchem Verhältnis die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes gewechselt werden kann (vgl. effektiver Wechselkurs ).
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Die Handelspolitik von Donald Trump ist für viele Beobachter ein naiver Versuch, den Merkantilismus zurückzubringen. Ökonom Miles Kimball sieht darin aber die populistische Antwort auf ein internationales System, das die Kapitalflüsse nicht bändigt.

Der Professor an der University of Colorado Boulder fordert im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» einen internationalen Rahmen, um über Währungsmanipulation und Handelsdefizite zu verhandeln. Staaten sollten eine Genehmigung benötigen, bevor sie ausländische Vermögenswerte kaufen.

Zur PersonMiles Kimball ist Wirtschaftsprofessor an der University of Colorado Boulder. Zuvor lehrte er an der Universität Michigan in Ann Arbor. Vor seinem Doktoratsstudium in Ökonomie in Harvard absolvierte er ein Studium der Linguistik mit einer Arbeit über Sprachphilosophie. Kimball ist Vordenker in der Geldpolitik und plädiert für tiefe Negativzinsen, um Wirtschaftskrisen erfolgreich zu bekämpfen. Seine Ideen stellt er auf seinem Blog «Confessions of a Supply-side Liberal» vor.Professor Kimball, was halten Sie von der Handelspolitik der US-Regierung?
Der Handelsberater von Trump, Peter Navarro, glaubt, dass Handelsdefizite die Ursache für Kapitalzuflüsse sind. Deswegen will er gegen das US-Handelsdefizit vorgehen. So funktioniert es aber nicht.

Wenn die USA mehr importieren als exportieren, dann ergibt sich doch ein Leistungsbilanzdefizit – somit fliesst netto Kapital ins Land?
Ja, aber Navarro dreht Ursache und Wirkung um. Der Handelssaldo entsteht durch die Kapitalflüsse. Die Kapitalmärkte bestimmen, wie viel Kapital in die USA fliesst. Mit diesem Kapitalzufluss muss übereinstimmen, wie viel per saldo an Gütern und Dienstleistungen aus dem Ausland erworben wird. Der Nettokapitalzufluss in ein Land bestimmt also das Defizit der Leistungsbilanz und die Nettoimporte.

Dann funktioniert also die nun diskutierte Steuer auf Importe – die Grenzausgleichssteuer – nicht?
Manche Ökonomen denken, die Aufwertung des Dollars würde den Effekt solch einer Steuer völlig aufheben. Das wird aber wohl nicht das neue Gleichgewicht sein. Ich sage es äusserst ungern, aber: Die Kombination der Steuer und einer Dollaraufwertung könnte der Handelsbilanz der USA helfen.

Warum würde die neue Steuer helfen?
Wenn der Dollar stärker wird, werden Kapitalzuflüsse aus dem Rest der Welt – die aus anderen Währungen stammen – in Dollar gerechnet kleiner. Es wird also der Kapitalzufluss in die USA geringer. Damit schrumpft auch das Leistungsbilanzdefizit.

Es ist also nur ein Währungseffekt?
Die Kapitalflüsse werden zwar durch die Kräfte des Kapitalmarktes in der jeweiligen Ursprungswährung bestimmt. Und sie würden von der neuen Steuer und der Dollaraufwertung nicht gross beeinflusst. Doch wenn man sie in Dollarwerte überträgt, würde das den Kapitalzufluss in die USA reduzieren.

Was gibt es noch für Optionen, um den Handelssaldo der USA auszugleichen?
Die Sparquote der US-Privathaushalte ist zu niedrig. Wäre die inländische Sparquote höher, hätten die USA weniger Nettokapitalzuflüsse und eine ausgeglichenere Leistungsbilanz. Man könnte einfach die Ersparnisse erhöhen, indem man Arbeitnehmer automatisch bei einem individuellen Vorsorgeplan anmeldet.

Dabei geht es also nicht um eine bessere Vorsorge für den Einzelnen?
Oft werden nur die Vorteile für den einzelnen Sparer genannt. Die heimische Sparquote zu erhöhen, hat aber eben auch makroökonomische Vorteile. Es ist jedoch nicht für jedes Land angemessen, die Ersparnisse zu erhöhen. Während die USA eine höhere Sparquote benötigen, haben manche Länder schon sehr hohe Ersparnisse.

Warum ist es denn so wichtig, die Kapitalflüsse auszugleichen und damit das Handelsdefizit einzudämmen?
Politisch gesehen ist ein ausgeglichener Handelssaldo etwas völlig anderes als ein unausgeglichener. Wenn der Handel ausgeglichener gewesen wäre, hätten die Amerikaner die Argumente für freien Handel leichter angenommen. Der bemerkbare Effekt des Handelsdefizits war der Verlust an Arbeitsplätzen in bestimmten Sektoren. Einige der Swing States – also der nicht von einer Partei dominierten Bundesstaaten – waren besonders von Stellenverlusten betroffen und stimmten für Trump.

Das Handelsdefizit hat Trump die Präsidentschaft gebracht?
Es gibt zwar viele Faktoren, die zum Wahlsieg von Trump beigetragen haben. Aber unter sonst gleichen Umständen hat das durch den Kapitalzufluss entstandene Handelsdefizit Trump den Wahlsieg ermöglicht. Hätten die USA kein Handelsdefizit, wäre Donald Trump nicht Präsident der USA.

Aber der Kapitalzufluss schafft doch auch Gewinner?
Ja, es gibt Gewinner und Verlierer von unausgeglichenem Handel. Gewinner sind die Konsumenten, die günstigere Güter bekommen. Aber Verlierer werden für ihre Einbussen oft nicht voll kompensiert. Länder sind nicht eine grosse, glückliche Familie, sondern bestehen aus vielen verschiedenen Menschen in verschiedenen Situationen.

Ein Handelsdefizit muss doch nicht für immer vorherrschen?
Theoretisch sollte sich das Handelsdefizit in der Zukunft in einen Überschuss drehen. Wenn dann die Kredite aus anderen Ländern zurückgezahlt würden, würden durch den Aussenhandel Jobs in Hülle und Fülle entstehen. Aber wann wird das geschehen? Das US-Handelsdefizit besteht seit Jahrzehnten. Eine Umkehr des Handelssaldos scheint weit in der Ferne zu liegen.

Woher kommen denn die Kapitalflüsse – suchen sie bessere Anlagemöglichkeiten in den USA?
Oft sind das nicht private Kapitalflüsse. Staaten wollen ihre Exporte verbessern, indem sie in ausländische Vermögenswerte investieren – also Kapital ins Ausland schicken. Wenn Staaten ausländische Werte anhäufen, ist das Währungsmanipulation. Bis vor kurzem gehörte China zu den grössten Schuldigen, indem die Devisenreserven bis 2014 stiegen.

Was ist mit der Schweiz?
Die Schweiz tut das Gleiche, kommt aber damit durch, weil sie so klein ist. Im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt ist die Schweiz beim Kauf von Fremdwährungsanlagen so schlimm wie China. Ich persönlich halte die Kontrolle der Käufe nun für viel wichtiger, nachdem ich den politischen Effekt von Chinas Währungsmanipulation auf die USA gesehen habe.

Die Schweizerische Nationalbank kann den Franken nicht nur durch Fremdwährungskäufe schwächen, sondern auch durch einen niedrigeren Zins. Ist das ebenfalls Währungsmanipulation?
Nein, Zinssenkungen sind keine Währungsmanipulation. Ausländische Anlagen zu kaufen, ist eine Politik zulasten anderer Länder. Die Zinsen zu senken, ist es nicht. Wenn zwei Länder sich gegenseitig Anleihen abkaufen, um jeweils ihre Währung zu schwächen, hebeln sich ihre Bemühungen gegenseitig aus, und im Saldo gibt es keinen Wachstumseffekt. Dagegen gibt es bei einer Zinssenkung aller Länder eine Ausweitung der globalen Geldmenge, und das würde die weltweite Nachfrage ankurbeln.

Sollte man Währungsmanipulation verbieten?
Nein, aber wir brauchen ein Rahmenwerk für internationale Kapitalfüsse, in dem solche Dinge diskutiert werden. Dann müssten Staaten erst eine Erlaubnis einholen, bevor sie Vermögenswerte in einem anderen Land kaufen. Das würde Rohstoffexporteure wie Saudi-Arabien wahrscheinlich nicht davon abhalten, Fremdwährungsanlagen zu kaufen. Aber es würde Industrieländer wie die Schweiz unter Druck bringen, wenn sie ihre Wechselkurse durch Währungsmanipulation niedrig halten.

Reicht solch eine Vereinbarung aus?
Es bräuchte weitreichendere Verhandlungen, um die internationalen Kapitalflüsse in der Balance zu halten. Damit würden Handelsüberschüsse und -defizite unter Kontrolle gehalten.

Mit was für Massnahmen ist das zu erreichen?
Ich denke da an Massnahmen, um Ersparnisse, Konsum und die Portfolioauswahl zu beeinflussen. Darunter fällt die automatische Anmeldung von Arbeitnehmern für einen Vorsorgeplan, wenn man höhere Ersparnisse erreichen will. Und dazu gehört die schon lange bestehende Forderung nach einem ausgebauten chinesischen Sozialnetz. Damit würden sich die dortigen Haushalte sicherer fühlen und in der Folge weniger sparen und mehr konsumieren.

Das hört sich nach einer globalen Geldpolitik an.
Bei den Kapitalflüssen ist die internationale Koordination viel wichtiger als bei der Zinspolitik der Zentralbanken. Bei den Zinsen ist es in Ordnung, wenn man sich nur an dem Wohl des eigenen Landes orientiert. Ich hoffe, dass ein Rahmenwerk für die internationalen Kapitalflüsse uns ein System des freien Handels und der offenen Kapitalmärkte – ausser für Staaten – erhält.

Die Welt zurück ins Lot bringenDas Handelsdefizit der USA bringt wirtschaftliche Instabilität. Die Wahl von Donald Trump zeigt die politische Gefahr eines Welthandels ohne Balance. Lesen Sie hier mehr.»

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