Märkte / Derivate

Schweiz setzt Standards für Libor-Nachfolger

Die Libor-Ablösung in der Schweiz wird konkreter. Eine Arbeitsgruppe hat weitere Empfehlungen zu Saron vorgelegt.

(AWP) Die Ende 2021 anstehende Abkehr vom derzeitigen Referenzzins Libor wird auch hierzulande immer konkreter. Die in der Schweiz zuständige Arbeitsgruppe hat nun weitere Empfehlungen für den Ersatz des Franken-Libor durch den Saron verabschiedet. Die Libor-Ablösung betrifft eine Reihe von Finanzinstrumenten und Kreditverträgen, darunter auch Libor-Hypotheken in Milliardenhöhe.

Den Grundsatzentscheid, den manipulationsanfälligen Libor durch den Referenzzins Saron (Swiss Average Rate Overnight) zu ersetzen, hatte die «Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze» (NAG) aus Vertretern der Nationalbank und der Privatwirtschaft bereits im vergangenen Jahr gefasst. Dabei blieb aber offen, wie aus dem «Tageszins» Saron ein mit den Libor-Sätzen vergleichbarer «Drei-Monats-» oder «Sechs-Monats-Saron» errechnet werden soll, auf den sich etwa Hypothekarverträge oder Anleihen mit variablem Zinssatz (Floating Rate Notes) beziehen können.

Die NAG hat sich nun in ihrer Sitzung vom (gestrigen) Mittwoch dafür entschieden, einen solchen Referenzsatz aus laufenden und vergangenen Saron-Sätzen («compounded rate») zu generieren, wie NAG-Co-Präsident Martin Bardenhewer am Donnerstag an einer Konferenz in Zürich sagte. Der Nachteil der Methoden besteht allerdings in einer mangelnden Vorhersehbarkeit von künftigen Zahlungen. Ihre genauere Empfehlung über die Bildung der neuen Saron-Referenzsätze will die Arbeitsgruppe nun bis im Februar 2019 vorlegen.

Die alternative Möglichkeit wäre die Verwendung eines Referenzsatzes gewesen, der auf einem Saron-Derivat wie einem Future oder Swap beruhen würde: Ein solcher Satz wäre aber nicht zuletzt aufgrund der geringen Liquidität solcher Märkte nicht robust genug, meinte Bardenhewer. Möglich sei allerdings, dass andere Währungsräume wie die USA oder Grossbritannien mit weit flüssigeren Futures-Märkten sich anders als die Schweiz entscheiden könnten, räumte er ein.

In der Schweiz hängen heute unter anderem auch Hypothekarverträge im geschätzten Umfang von 150 Mrd. Fr. am Libor-Zins. Es sei wichtig, dass man Kreditnehmern mit solchen Verträgen eine transparente, verständliche und faire Lösung für den Übergang zum neuen Referenzzins anbiete, sagte Rechtsanwalt René Bösch von der Kanzlei Homburger, die ebenfalls in der NAG vertreten ist, an der Konferenz. So dürften etwa Finanzinstitute dabei nicht eine versteckte Zinserhöhung durchführen.

Nicht nur in der Schweiz, auch international ist die Ablösung des Libor-Satzes ein immer dringlicher werdendes Thema. Die britische Finanzaufsicht, die den Libor in fünf Währungen erhebt, hatte 2017 angekündigt, die an der Umfrage beteiligten Banken nicht mehr über 2021 hinaus für die Teilnahme zu verpflichten. Während die Arbeiten zur Libor-Ablösung etwa in den USA und in Grossbritannien recht weit fortgeschritten sind, hinkt vor allem die EU derzeit noch hinterher, wie an der Konferenz deutlich wurde.

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