Märkte / Makro

Schweiz soll führende Position bei nachhaltigem Anlegen einnehmen

Die Schweizerische Bankiervereinigung will den hiesigen Finanzplatz zum «weltweit führenden Hub» bei nachhaltigen Investments machen.

(AWP) Der Schweizer Finanzplatz soll laut der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) international eine führende Stellung im Bereich der nachhaltigen Finanzwirtschaft einnehmen. Der Branchenverband treibt dieses Ziel nun mit einem neuen Positionspapier und mit einem Leitfaden für die Beratung der Bankkunden voran.

Nachhaltigkeit und nachhaltiges Investieren seien heute kein Nischenthema mehr, betonte SBVg-Geschäftsführer Jörg Gasser am Donnerstag an einem Medienanlass. Der Schweizer Finanzplatz habe sehr gute Karten, um im Bereich «Sustainable Finance» ein «weltweit führender Hub» zu werden, gab er sich überzeugt. «Diese Chance sollten wir unbedingt nutzen.»

Höherer ESG-Anteil

Die grösste Hebelwirkung für den Finanzplatz Schweiz sehen die Verantwortlichen des Branchenverbands im Bereich der nachhaltigen Anlagen. «Dort können wir einen globalen Impact erreichen», sagte Gasser. Schliesslich würden in der Schweiz rund 27% der grenzüberschreitenden Privatvermögen sowie immerhin 4,6% der Gelder im weltweiten Investment Management verwaltet.

Laut einer Studie wurden 2018 hierzulande zudem bereits Vermögenswerte von 716 Mrd. Fr. nach ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance also Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) verwaltet, was rund 21% aller in der Schweiz verwalteten Vermögenswerte entsprach. Weltweit liegt der Anteil der nachhaltigen Anlagen mit etwa 11% deutlich tiefer.

Potenzial bei Privatkunden

Während ESG-Überlegungen bei institutionellen Kunden wie Pensionskassen heute weitgehend bereits «zur Norm» gehörten, sei vor allem bei den Privatkunden noch ein grösseres Potenzial vorhanden, sagte Hans-Ruedi Mosberger, Leiter Asset Management bei der Bankiervereinigung. Hier will der Branchenverband nun mit seinem Leitfaden ansetzen.

Das Thema der Nachhaltigkeit solle im Beratungsprozess für Privatkunden dabei zusätzlich zu den «klassischen Kriterien» wie Risiko und Ertrag eingeplant werden. «Es gibt genügend Evidenz, dass Nachhaltigkeit nicht mit Einbussen in der Performance der Anlagen einhergeht», betonte Mosberger.

Keine Klimapolizisten

Schweizer Banken sind bereits heute im Bereich «Sustainable Finance» aktiv. So leisteten sie etwa Beiträge bei der Erarbeitung von internationalen ESG-Standards, darunter etwa in der «Task Force on Climate-related Financial Disclosure» (TCFD) der G20, sagte Gasser. «Viele unserer Mitglieder orientieren sich bereits an TFCD.»

Bei einer zunehmenden Zahl von Banken würden ESG-Faktoren auch bei der Vergabe von Krediten berücksichtigt. Allerdings dürften Banken keinesfalls zu «Klimapolizisten» werden, sagte Gasser – etwa indem sie die Vergabe einer Hypothek mit dem Betrieb einer bestimmten Heizung verknüpften.

Standortbedingungen stärken

Gleichzeitig betonten die SBVg-Verantwortlichen die Notwendigkeit von guten Standortbedingungen. So brauche es für den Export von Dienstleistungen und Finanzinstrumenten im Bereich «Sustainable Finance» einen angemessenen internationalen Marktzugang. Zudem müssten steuerliche Hürden abgebaut werden, sagte Gasser mit Verweis auf die Themen Stempelsteuer sowie Verrechnungssteuer.

Die Stärkung der Nachhaltigkeits-Expertise führt beim SBVg auch zu einer räumlichen Expansion: So hat der Branchenverband per Anfang Juni in Genf in den Büroräumlichkeiten der «Fondation Genève Place Financière» eine Zweigniederlassung etabliert. Mit Alexandre Roch hat dort ein Experte für Sustainable Finance seine Arbeit aufgenommen.

Leser-Kommentare