Märkte / Aktien

SMI schliesst unter 10’100 Punkten

Die Schweizer Börse war am Donnerstag von Verkäufen gezeichnet. Die steigenden Fallzahlen haben Anleger verschreckt.

(AWP/Reuters/SK) Es war ein schwarzer Tag für Aktionäre: Der Swiss Market Index SMI (SMI 9582.6 -0.37%) sackte am Donnerstag um über 2% ab und notierte zum Börsenschluss nicht mehr weit überhalb der Marke von 10’000 Punkten. Bis auf Lonza (LONN 555.4 -0.11%) haben alle Titel im Index an Wert eingebüsst. Auch der marktbreite SPI (SXGE 11977.75 -0.21%) verlor. Die Liste der Gewinner ist übersichtlich.

Im Fokus der Anleger standen die steigenden Infektionszahlen und der Streit über ein neues Konjunkturprogramm in den USA. Die Anleger reagierten auf die Reizthemen überaus nervös. Der Volatilitätsindex für den SMI schoss zwischenzeitlich mehr als 16% nach oben und lag am Abend bei 21,99 Punkten.

Die Befürchtung, dass es wegen der steigenden Coronazahlen zu einer Verschärfung der Pandemiemassnahmen bis hin zu einem neuerlichen Lockdown kommt, grassierte am Markt. «Ein neuerlicher Lockdown wäre der GAU – nicht nur für den Markt», sagte ein Börsianer. «Das Coronavirus lehrt europäische Aktienanleger wieder das Fürchten», sagte ein Analyst.

Das zweite marktbestimmende Thema waren die festgefahrenen Verhandlungen über ein neues Konjunkturpaket in den USA. Republikaner und Demokraten stehen sich weiter ohne nennenswerte Annäherung gegenüber. Finanzminister Steven Mnuchin bezeichnete es als schwierig, noch vor den Präsidentschaftswahlen Anfang November einen Kompromiss zu finden. «Damit sind die Weichen gestellt. Die Anleger dürften bis nach den US-Wahlen in Deckung bleiben», sagte ein Händler.

Die Entwicklung belastete zusammen mit enttäuschenden Arbeitsmarktdaten auch die Wall Street. Die Leitindizes Dow Jones (Dow Jones 26555.38 0.13%) Industrial, Nasdaq 100 (Nasdaq 100 11285.877229 1.28%) und S&P 500 (S&P 500 3269.7 0.19%) fielen zur Eröffnung am Donnerstag um jeweils rund 1%, stabilisierten sich danach aber etwas.

Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche überraschend auf 898’000. «Das ist ein weiterer Warnschuss für die US-Politiker, sich endlich zusammenzuraufen», sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Ausserdem fiel das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von New York für Oktober deutlicher als gedacht um gut ein Drittel auf 10,5%.

Der grösste Belastungsfaktor seien derzeit die festgefahrenen Verhandlungen über zusätzliche Hilfen für die Pandemie-gebeutelte Wirtschaft, sagte Art Hogan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters National Securities. Gebe es unmittelbar nach der Präsidentenwahl am 3. November keine Einigung, müsse zum Jahresende mit fallenden Firmengewinnen gerechnet werden.

Lonza allein im grünen Bereich

In der Schweiz verkauften Anleger ihre Positionen auf breiter Front. Unter Druck kamen Roche (ROG 294.25 -0.12%). Die Papiere des Pharmariesen gehörten zu den grössten Verlierern. Grund waren die enttäuschenden Quartalszahlen. Der Umsatz der ersten neun Monate fiel mit 44 Mrd. Fr. 5% niedriger aus als im Vorjahr. Die Pharmadivision hat mit einem Minus von 4% im dritten Quartal leicht schlechter abgeschnitten als erwartet. Jefferies-Analyst Peter Welford zufolge liegt die Schuld am Verfehlen der Markterwartungen nicht nur beim wachsenden Konkurrenzdruck, sondern auch bei der negativen Entwicklung an der Währungsfront.

Ebenfalls stark nach unten ging es für die Uhrenhersteller Swatch Group (UHR 195.1 0.08%) und Richemont (CFR 58.2 -1.32%). Beide litten unter der Angst vor einem neuerlichen Lockdown und vor Reisebeschränkungen. Mit hohen Abgaben belastet waren auch die Finanzwerte. Credit Suisse (CSGN 8.62 -5.36%), UBS (UBSG 10.615 0.28%) und die Versicherer Zurich, Swiss Life (SLHN 304.5 -1.23%) und Swiss Re (SREN 63.64 0.89%) verloren deutlich.

Gegen den Markt zogen Lonza an. Das Strategieupdate des Pharmazulieferers kam gut an: Lonza teilt sich neu in vier Divisionen ein. Bis 2023 werden ein Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich sowie eine Kern-Ebitda-Marge von rund 33 bis 35% und eine zweistellige Rendite auf dem eingesetzten Kapital (ROIC) angestrebt. Das von Lonza vorgelegte Update sei hinsichtlich der neuen Geschäftsstruktur, der Dynamik der einzelnen Divisionen oder der neuen Mittelfristprognose sehr umfangreich, hiess es in einem Kommentar der Bank Vontobel (VONN 56 -0.71%).

Nach dem Verkauf der Chemiesparte werde Lonza einen klaren Fokus auf die Pharma- und die Biotech-Industrie haben. Das Unternehmen erhalte dadurch ein exzellentes Profil mit einer guten Balance zwischen hohem Wachstum, starken Margen, höherer Barmittelgenerierung und steigenden Kapitalrenditen. Auch die Zürcher Kantonalbank lobte in einer Einschätzung die neue Transparenz. Dies sei bisher ein Manko von Lonza gewesen.

Im breiten Markt zu den wenigen Gewinnern zählten Dufry (DUFN 33.77 -1.2%). Die Titel des Reisedetailhändlers gehörten am Donnerstagmorgen noch zu den grössten Verlierern, wechselten aber im Verlauf des Tages das Vorzeichen.

Ölpreis unter Druck

Die Börse in Tokio hatte am Donnerstag schwächer geschlossen. Der 225 Werte umfassende Nikkei verlor 0,5%. Zu den Verlierern zählt der Gerätehersteller Nikon (–3,5%). Gar 2,1% niedriger notiert gemessen am Hang Seng die Börse in Hongkong. In Festlandchina hingegen ist das Geschehen etwas optimistischer. Der Shanghai Composite verlor bis zum Börsenschluss nur 0,3%. Im positiven Terrain ist der australische Markt, wo der All Ordinaries (All Ordinaries 6168 -1.5%) 0,4% gewinnt.

Die schlechte Stimmung an den Märkten setzte auch den Ölpreis unter Druck. Um 17 Uhr kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 37.53 -4.5%) 42.26 $ und damit 1.14 $ weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 35.91 -4.21%)) fiel unter 40 $ auf 39.75 $. Nebst den Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus verteuerte der starke US-Dollar den Rohöl-Import. Da Öl international in Dollar gehandelt wird, steigen die Importkosten mit dem Wechselkurs.

Der Euro hat am Donnerstag in einem trüben Marktumfeld nachgegeben. Am frühen Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.1693 $ und damit so wenig wie seit über zwei Wochen nicht mehr. Auch zum Schweizer Franken gab der Euro deutlich nach und notierte bei 1.0690 Fr. Ein Dollar kostete wenig verändert 0.9137 Fr.

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