Märkte / Aktien

SMI schliesst 1,6% im Minus

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag nach schlechten Vorgaben an Boden verloren. Gewinnmitnahmen und Corona-Sorgen belasteten die Kurse.

(AWP/Reuters/SK) Der Schweizer Aktienmarkt ist zum Wochenschluss getaucht. Der Leitindex SMI weitete am Freitagnachmittag seine Verluste vom Morgen aus und schloss am Abend 1,6% tiefer auf 10’215 Punkten. Sein Tagestief erreichte der Index kurz nach Eröffnung der Börsen in den USA mit -1,9%, womit er kurzfristig unter die Marke von 10’200 Punkten fiel. Wie üblich bei deutlichen Rückgängen stieg auch die Volatilität kurzfristig deutlich. Der als Angstbarometer bekannte VSMI stieg um rund 16 Prozent. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, büsste ebenfalls stark ein, genauso wie der marktbreite SPI.

Dass sich die Stimmung der Anleger am letzten Handelstag der Woche eingetrübt hat, ist mehreren Faktoren geschuldet. Dazu gehören die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China sowie die weiter steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus. Am Vortag hatten die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen aus den USA negativ überrascht. Diese schürten die Angst, dass sich die Konjunktur wieder merklich eintrüben könnte.

In den USA eröffnete die Börse am Freitag erneut im Minus. Allerdings zeigte sich die Liste der Dow Jones-Titel am frühen Abend mehr oder weniger ausgeglichen. Für Abwärtsdruck sorgte der Chiphersteller Intel. Die Aktien stürzten regelrecht ab, nachdem Intel am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt hatte, dass das Unternehmen bei der Entwicklung einer neuen Generation von Prozessoren Monate dem eigenen Zeitplan hinterherhinkt. Auch der technologielastige Nasdaq, dessen Titel sich in den vergangenen Monaten als Zugpferde der US-Börse erwiesen hatten, büsste ein.

Dass sich die Unternehmensstimmung in der Eurozone im Juli weiter von ihrem Einbruch in der Corona-Krise erholt hat, fand am Markt derweil kaum Niederschlag. Der von IHS Markit erstellte Einkaufsmanagerindex stieg auf 54,8 von 48,5 Zählern und signalisiert damit wieder Wirtschaftswachstum. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, sagte in einer ersten Reaktion: «Die Konjunkturbarometer signalisieren für das dritte Quartal Wachstum. Die Rezession ist vorerst beendet.»

Händler bezeichneten den Kursrückgang als gesunde und nicht unwillkommene Korrektur auf einem stolzen Niveau. «Das gibt uns wieder etwas Luft», sagte ein Händler. «Es kann ja nicht schaden, auch einmal etwas Gewinn einzufahren. Vor allem vor dem Wochenende», sagte ein anderer Börsianer. Da wisse man ja nie, was alles passieren könne.

Finanztitel am wenigsten belasten

Am stärksten unter Druck kamen wie am Vortag in den USA die Technologietitel. Logitech und Temenos bildeten unter den mittelgrossen Werten zusammen mit AMS die Schlusslichter. Unter den SMI-Werten fielen Lonza durch Kursschwankungen auf. Nachdem sie kurz nach Handelsbeginn tiefrot notierten, drehten die Aktien ins Plus, schlossen dann aber im Minus. Der Pharmazulieferer hat am Freitag positive Halbjahreszahlen publiziert und trotz Corona mehr Umsatz und Gewinn gemacht. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen, für die Spezialchemiesparte LSI einen Käufer zu suchen.

Nicht mit seinem Zahlenset überzeugt hat der Rolltreppen- und Lifthersteller Schindler. Einem Abschluss über den Erwartungen stand die Einschätzung gegenüber, frühestens 2022 wieder auf das Niveau von 2019 zurückzufinden. Nun plant Schindler ein Kostensenkungsprogramm, dem 2000 Stellen zum Opfer fallen werden und das Kosten über 150 Mio. Fr. mit sich bringt.

Im breiten Markt fielen die Titel von Solarkonzern Meyer Burger und diejenigen von Versandapotheke Zur Rose durch deutliche Abgaben auf. Auch der Derivatespezialist Leonteq hatte erneut einen schweren Stand. Die Aktien gingen schon am Vortag mit einer zweistelligen Einbusse aus dem Handel, nachdem Leonteq am Donnerstag einen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr vermeldet hatte.

Auf der anderen Seite des Spektrums konnten sich die Grossbanken UBS und Credit Suisse stabil halten. Ihnen dürften positive Kommentare von Goldman Sachs etwas geholfen haben, hiess es am Markt. Zur Gruppe der besten Aktien zählten am Freitag auch die Versicherer Zurich, Swiss Re und Swiss Life.

Nach Zahlen gegen den Markt stemmten sich Sulzer. Der Industriekonzern hat im ersten Halbjahr ein Ergebnis über den Erwartungen geliefert. So erreichte der Bestellungseingang organisch trotz Coronakrise knapp das Vorjahresniveau.

Euro weiterhin stark

Bereits am Freitagmorgen standen die Vorgaben aus Asien auf Sturm. Der chinesische Shanghai Composite büsste 3,9% ein. In Hongkong verlor der Hang Seng 2,2%. Anleger gingen wegen der Verschärfung des politischen Gezänks um die Schliessung von Botschaften in den USA und China in Deckung. Etwas moderater war die Einbusse in Südkorea (Kospi -0,7%). Die japanischen Aktienmärkte blieben wegen eines Feiertages geschlossen.

Der Euro notierte am Freitag gegenüber dem US-Dollar erneut höher. Am frühen Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,1634 $. Gegenüber dem Schweizer Franken notierte der Euro mit 1,0728 unverändert zum Vortag. Der US-Dollar kostete derweil 0,9222 Fr. – so wenig wie zuletzt im Februar 2018.

Die Ölpreise bewegten sich am Freitag im frühen Handel so gut wie nicht von der Stelle, verloren dann aber im Verlauf des Nachmittags leicht. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete mit 43 $ um 18 Uhr 28 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel deutlicher. Er lag bei 40.82 $, einem Minus von 1,9%.

Der Goldpreis kam derweil seinem neun Jahre alten Rekordhoch immer näher. Am Freitagnachmittag stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) über die Marke von 1900 $. Damit ist ein neuer Rekord nicht mehr weit. Der aktuelle wurde im September 2011 mit rund 1921 Dollar erreicht.

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