Märkte

Schweizer Börse offen für kürzere Handelszeiten

Aus London kommt ein Vorstoss, die europäischen Aktienbörsen später zu öffnen und früher zu schliessen. Die SIX zeigt sich angetan.

Grossbritannien will zwar die EU verlassen. Doch in London ist ein Vorschlag in Arbeit, der zu mehr Harmonisierung im europäischen Aktienhandel führen könnte. Zwei Lobbyverbände der Finanzbranche mit Sitz in der City, die Association for Financial Markets in Europe (AFME) und die Investment Association (IA), planen, ihren Mitgliedern eine ­Verkürzung der Aktienhandelszeiten in Europa vorzuschlagen. Das berichtet die Zeitung «City A.M.». Konkret soll der ­Aktienhandel auf dem Kontinent in ­Zukunft eine Stunde später am Tag be­ginnen und eine Stunde früher enden.

Auf Nachfrage teilt die Schweizer Börse SIX mit, noch nichts von der Initiative der beiden Londoner Verbände gehört zu haben. Grundsätzlich sei es aber ein interessanter Gedanke, und SIX würde sich freuen, am Dialog teilzunehmen, sollte sich die Idee konkretisieren, sagt ein Sprecher zu «Finanz und Wirtschaft». AFME-Chef Simon Lewis teilt auf Anfrage mit: «Verkürzte Marktöffnungszeiten sind ein Thema, das wir mit unseren Mitgliedern diskutieren.» Die Arbeiten befinden sich in einem frühen Stadium.

AFME und IA sehen ihre Initiative vor dem Hintergrund moderner und familienfreundlicher Anstellungsbedingungen. «Wir befürworten grundsätzlich Vorschläge, die eine flexiblere Arbeitsweise im europäischen Aktienhandel fördern und dazu beitragen könnten, eine grössere Vielfalt in der Branche zu fördern», sagt AFME-Chef Lewis. Handelszeiten von acht Stunden oder mehr seien ein Überbleibsel einer vergangenen Ära. Heute finde der Grossteil des Handels in der ­ersten Stunde statt und zunehmend nochmals in den letzten Minuten. Mitglieder der ideengebenden Verbände sind auch die Schweizer Grossbanken. UBS (UBSG 11.93 -0.13%) und Credit Suisse (CSGN 13.025 0.27%) wollen sich auf Anfrage allerdings nicht zu einer möglichen Verkürzung der Handelszeiten äussern.

Bereits heute handeln die meisten europäischen Börsenplätze zu gleichen Zeiten. Eine Mehrheit, zu der auch die Schweiz zählt, nimmt den Handel um 9 Uhr auf und beendet ihn um 17.30 Uhr. Mit die längsten Handelszeiten haben die Börsen in Deutschland. In Frankfurt wird von 8 bis 20 Uhr gehandelt. An der Börse Stuttgart, zu der auch die BX Swiss (ehemals Berner Börse) gehört, kann bis 22 Uhr gehandelt werden.

Die Frühaufsteher in Europa sind die Isländer. Die Börse im Inselstaat öffnet bereits um 7 Uhr lokaler Zeit und schliesst mit 20 Uhr recht spät. Am frühesten geht die Börse im norwegischen Oslo (ebenfalls eine Tochter der Börse Stuttgart) mit 16.20 Uhr aus dem Handel.

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