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Martin Naville, CEO der Handelskammer Schweiz-USA, ist in Bezug auf den Handel zwischen den zwei Ländern gelassen.

Herr Naville, welche protektionistischen Massnahmen wird Donald Trump durchbringen?
Die Republikaner wollen die Gefahr eines Wirtschaftskriegs minimieren. Im Senat werden bereits Stimmen gegen die Einführung möglicher Strafzölle laut. Denn die betroffenen Länder würden unmittelbar Gegenmassnahmen treffen. Eine Grenzausgleichsteuer ist ebenfalls ein schlechtes Instrument. Sie würde den US-Konsumenten alle Güter verteuern. Das dient niemandem.

Aber Trump wird seinen Wählern irgendeine Massnahme vorweisen müssen.
Ja, die geplante Unternehmenssteuerreform muss bestenfalls budgetneutral finanziert werden. Und es ist gut möglich, dass vor den Primärwahlen für die Mid-Term-Wahlen 2018 ein Paket zur Abstimmung kommt, das eine Ausgleichsteuer umfasst. Dieses Szenario käme aus meiner Sicht aber einem Unfall gleich. Auch die Einführung von Strafzöllen wird sicherlich lang diskutiert, aber letztlich kaum eingeführt werden.

Trump hat deutschen Autoherstellern wie BMW (BMW 82.52 -1.02%) unmissverständlich gedroht.
Das war ein Tweet von Tausenden. Das darf man nicht für bare Münze nehmen. Er will seine Verhandlungsposition stärken und zeigen, dass er etwas macht. Ich sehe folgendes Szenario: Die Republikaner werden eine kleine Steuerreform vorbringen, mit Senkung der Unternehmenssteuern und der vergünstigten Repatriierung von Geldern. Ich glaube aber nicht, dass sie den Mut haben werden, eine grundlegende Steuerreform durchzuführen oder die negativen Konsequenzen von Strafzöllen und Grenzausgleichsteuer in Kauf zu nehmen.

Ist die Schweiz mit dem enormen Handelsüberschuss und dem Status eines möglichen Währungsmanipulators kein ideales Angriffsziel für die Trump-Regierung?
Vor der Schweiz sind zwölf andere Nationen mit weit grösseren Handelsbilanzdefiziten. Auch China, Japan, Frankreich, Irland und Deutschland sind als Manipulatoren gebrandmarkt. Das Risiko, dass spezifisch die Schweiz ins Visier gerät, ist verschwindend klein.

Wie beruhigen Sie Ihre Mitglieder?
Schweizer Unternehmen eignen sich nicht als Präzedenzfall. Die Schweizer Firmen sind «Good Guys», die enorm viel in den USA investieren. Die Schweiz hat gegenüber den USA mit 376 000 Stellen den grössten Jobüberschuss aller Nationen. Das heisst, Schweizer Unternehmen bieten in den USA 461 900 Jobs an. In der Schweiz gibt es bei US-Firmen rund 86 000 Jobs. Schweizer Unternehmen investieren in den USA gleich viel wie deutsche, in Forschung und Entwicklung sind sie die grössten Investoren überhaupt, und sie zahlen die höchsten Durchschnittssaläre. Die Schweizer Unternehmen sind weit weg von der Trump’schen Twitter-Front.