Märkte / Makro

Schweizer Ökonomen agieren zurückhaltend

Die Schweizer Wirtschaft verliert an Tempo und erholt sich langsamer, vor allem für den Arbeitsmarkt sehen die Ökonomen schwarz.

(AWP) Die Schweizer Wirtschaft dürfte sich nach Meinung von Ökonomen nicht mehr im selben Tempo vom im Frühling erlittenen Corona-Schock erholen wie bisher. Die Aussichten für den Arbeitsmarkt bleiben düster.

Die monatlich von der Credit Suisse (CSGN 9.108 -3.64%) gemeinsam mit dem Institut CFA Society zur Entwicklung der Wirtschaft befragten Experten blicken im September im Vergleich zum Vormonat zurückhaltender in die Zukunft, aber noch nicht pessimistisch, wie die Credit Suisse am Mittwoch mitteilte. Der CS-CFA-Indikator, der die Einschätzung der Ökonomen für die kommenden sechs Monate misst, ist um 19,4 auf 26,2 Punkte gesunken.

Aussichten besser als aktuelle Lage

Dieser Rückgang sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass mehr Analysten als im August glauben, dass die Konjunkturlage in den nächsten sechs Monaten unverändert bleibt. Nur noch knapp weniger als die Hälfte erwartet nach der starken Erholung der letzten Monate eine weitere Verbesserung. Aber immerhin geht unverändert nur ein Fünftel der Befragten von einer Verschlechterung im nächsten halben Jahr aus.

Geografisch gesehen sind die befragten Ökonomen für die Eurozone und die USA leicht pessimistischer, für China hingegen etwas zuversichtlicher. Der Trend sei zudem über alle Regionen ähnlich: Die Erholung wird sich zwar verlangsamen, aber auch trotz steigender Covid-Infektionszahlen im Herbst und Winter nicht zum Erliegen kommen. In der Schweiz dürfte das Wachstum zudem mittelfristig von Nachholeffekten profitieren.

Unabhängig von dieser gemäss CS relativ optimistischen Aussichten erachteten die Umfrageteilnehmer die aktuelle wirtschaftliche Lage in allen Regionen ausser China als «nach wie vor überwiegend schlecht». Im Vergleich zur Eurozone und den USA sei die Normalisierung in der Schweiz zwar schon relativ weit fortgeschritten, dennoch sei der Saldo weiterhin so negativ wie im Winter 2009/2010.

Arbeitslosigkeit dürfte zunehmen

Dazu trügen auch die schlechte Exportsituation und die düsteren Aussichten für den Arbeitsmarkt bei. So viele Analysten wie im März erwarten einen Anstieg der Arbeitslosenquote, wenn auch teilweise aus saisonalen Gründen.

Mit Blick auf die Wechselkurse prognostiziert mehr als die Hälfte der Befragten zum Euro eine Seitwärtsbewegung und ein Drittel eine Aufwertung des Frankens. Zum Dollar dürfte sich der Franken gemäss knapp der Hälfte der Prognosen weiter aufwerten.

Die Sonderfrage befasst sich diesmal mit Investitionen hinsichtlich ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance). Demnach pochten bereits mehr als die Hälfte der Kunden von Vermögensverwaltern darauf, dass diese Aspekte generell bei den Anlageentscheiden eine Rolle spiele.

Die Befragung wurde zwischen dem 17. und 24. September durchgeführt, wobei 61 Analysten daran teilgenommen haben.

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