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Schweizer Vorsorgesystem bleibt stabil

Trotz schwachem Anlagejahr konnten sich die Schweizer Pensionskassen im Jahr 2018 gut halten.

(AWP) Die Schweizer Pensionskassen haben sich im Jahr 2018 trotz Gegenwind an den Finanzmärkten gut behauptet. Das Vorsorgesystem ist nach Meinung der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) nach wie vor stabil. Was aber ebenfalls bleibt, ist der Reformstau in der Politik.

Das schlechte Anlagejahr 2018 bekamen nicht nur Privatanleger, sondern auch die Pensionskassen zu spüren. Die durchschnittliche Rendite auf den Kapitalanlagen lag gemäss dem am Dienstag präsentierten Jahresbericht der Aufsichtsbehörde mit 2,8% im Minus. Im guten Börsenjahr 2017 hatte noch eine positive Rendite von 7,7% resultiert.

Die schwache Anlageperformance führte dazu, dass die Deckungsgrade der Vorsorgeeinrichtungen zurückgegangen sind. Bei Kassen ohne Staatsgarantie sank der Deckungsgrad, also das Verhältnis von Pensionsvermögen zu den entsprechenden Verpflichtungen, im Durchschnitt um 5,8 Prozentpunkte auf 106,4%. Verschlechtert hat sich auch die Lage bei öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern.

Entspannung im neuen Jahr

Immerhin lasse die gute Entwicklung an den Aktienmärkten seit Beginn des neuen Jahres auf eine Entspannung schliessen, sagte Vize-Direktorin Vera Kupper Staub vor den Medien. Das sei auch der Grund, weshalb viele Kassen in Unterdeckung mit dem Beschliessen von Sanierungsmassnahmen noch zuwarteten.

Über den Verlauf der ersten Monate macht die Kommission keine Angaben, die kann man andernorts nachlesen. So berechnete die Anlageberatungsfirma Complementa für die ersten vier Monate eine Durchschnittsrendite von 6,5% und klar steigenden Deckungsgrade. Auf ähnlich Resultate kamen Studien der Grossbanken Credit Suisse (CSGN 11.05 1.75%) und UBS (UBSG 10.14 1.73%) oder der ZKB-Tochter Swisscanto.

Das Umfeld für Pensionskassen bleibt auch nebst den Auf- und Ab-Bewegungen an den Finanzmärkten von Herausforderungen geprägt. Die seit Jahren sehr tiefen Zinsen, die steigende Lebenserwartung der Menschen oder das enge regulatorische Korsett mit Parametern, welche die aktuelle Lage kaum mehr realistisch abbilden, setzen dem Vorsorgesystem zu.

Die Politik bleibe in der Pflicht, innerhalb nützlicher Frist für versicherungstechnisch korrekte regulatorische Vorgaben zu sorgen, forderte Kupper Staub. Vor allem der BVG-Mindestumwandlungssatz sei nach wie vor zu hoch angesetzt.

Zu hoher Mindestumwandlungssatz

Heute wird den Rentnern im obligatorischen Teil der zweiten Säule vom angesparten Alterskapital 6,8% in jährlichen Renten ausbezahlt. Das Problem des zu hohen Satzes hat die Politik erkannt: Die Rentenreform «Altersvorsorge 2020», die im September 2017 vor dem Volk gescheitert war, hätte eine Senkung auf 6% vorgesehen.

Der Verband der Pensionskassen Asip fordert nun gar eine Senkung auf 5,8% ab 2021. Ob dies gerechtfertigt ist, wollte OAK-Präsident Pierre Triponez nicht beurteilen. Doch es sei ein Zeichen dafür, dass der von der Politik festgesetzte Mindestumwandlungssatz heute wohl zu hoch sei, sagte er.

Das zeigten auch die deutlich tieferen Sätze, welche die Pensionskassen im weniger stark regulierten überobligatorischen Teil anwenden, erklärte Triponez weiter. Ins Überobligatorium fliessen Gelder aus Jahreseinkommen ab einer gewissen Höhe oder aus einmaligen Einzahlungen. Diese müssten als Puffer herhalten.

Weiterhin als Problem stuft die OAK auch die Umverteilung von Vorsorgeversprechen zulasten junger aktiver Versicherten hin zu Rentnern ein. Diese Verschiebung habe zwar abgenommen, sei mit rund 5,1 Mrd. Fr. aber nach wie vor substanziell. Für das Jahr 2017 stellte die OAK einen Umverteilung von 6,6 Mrd. fest.

Mehr Sammelstiftungen

Für die wachsende Zahl von Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, bei denen mehrere Arbeitgeber angeschlossen sind, plant die Oberaufsicht für die berufliche Vorsorge neue Regeln. Seit Mitte Januar führt man dazu eine Anhörung durch. Dabei sei in den insgesamt 33 eingegangenen Stellungnahmen der Handlungsbedarf grossmehrheitlich erkannt worden, hiess es. Nun gehe es an die Auswertung der Hinweise.

Die OAK will in ihren regionalen Ablegern die Informationsbeschaffung vereinheitlichen sowie die Kontrollen solcher Stiftungen verbessern. Dazu müsse in der Aufsicht weiteres Know-how aufgebaut werden und auch Zusammenschlüsse von regionalen Kommissionen sei möglich.

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