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Unternehmen / Finanz

Schweizer VR-Präsidenten kassieren am meisten

Im weltweiten Vergleich ist die Vergütung von Verwaltungsratspräsidenten in der Schweiz mit 1,2 Mio. € am höchsten, gefolgt von Italien und Grossbritannien. Tendenz steigend.

Nirgends sind Verwaltungsratspräsidenten so mächtig wie in der Schweiz. Das spiegelt sich in der Vergütung. Der Posten des Verwaltungsratspräsidenten eines Schweizer Grosskonzerns trägt im Mittel  1,227 Mio. € ein. Am wenigsten gibt es in Frankreich: 74’000 €.  Das hat eine Auswertung der Vergütungsberatungsfirma HCM International ergeben, die die Vergütungen der VR-Präsidenten der 300 grössten Unternehmen der Welt nach Marktkapitalisierung umfasst.

Bis zu 6 Mio. Fr.

Die jeweilige Branche ist dabei weniger wichtig als die Grösse des Unternehmens, dennoch schwingen die VRP von Rohwarenkonzernen lohnmässig obenaus. In der Schweiz hat Glencore-Präsident Anthony Hayward gemäss Geschäftsbericht aber lediglich gut 1 Mio. $ erhalten. Ein Mehrfaches vom Mittel verdienten Axel Weber, der 2015 als VRP von UBS (UBSG 12.505 -0.79%) auf über 6 Mio. Fr. kam. Topverdiener sind zudem Peter Brabeck (Nestlé (NESN 83.84 -1.06%)), Walter Kielholz (Swiss Re (SREN 89.56 -0.69%)) und Christoph Franz (Roche (ROG 249.9 -1.69%)).

Aktionäre bestimmen

Die Studie bestätigt Erkenntnisse anderer Untersuchungen, wonach die Umsetzung der Minder-Initiative keine spürbare Bremswirkung auf die Löhne hatte.  Im Vergleich zum Vorjahr hat die Summe der Vergütung an VR-Präsidenten aller untersuchten Unternehmen um 7% und bei den Schweizer Unternehmen um 9% zugenommen.

«Nicht die Höhe der Löhne hat sich geändert, aber die Prozesse zur Festlegung der Vergütung», betont Stephan Hostettler, Leiter der Vergütungsberatung HCM, gegenüber der FuW. Seit der Umsetzung der Vergütungsverordnung entscheiden die Aktionäre in der Schweiz an der Generalversammlung über die VR-Honorare. Die Anforderungen an die Nachvollziehbarkeit der Lohnfestlegung sind deshalb gestiegen. Ein Erklärungsansatz für die gute Bezahlung ist, dass dieses Amt bei Grossfirmen de facto auf Vollzeitbasis ausgeübt werde, wird in der Studie erklärt. Im Ausland ist die zeitliche Beanspruchung wesentlich geringer.

Cash oder Aktien?
Auch werden in der Schweiz im Schnitt 64% der Löhne an VR-Präsidenten in bar ausbezahlt und 36% in Form von gesperrten Aktien. Lediglich in den USA ist der Anteil an aktienbasierter Entlohnung mit 58% höher. Hingegen beträgt in den meisten anderen Ländern der Baranteil an der Vergütung der VR-Präsidenten zwischen 90–100%.

Unabhängig entscheiden
 
Allerdings scheint die Vergütung nicht mehr oberstes Traktandum der Verwaltungsräte zu sein. «Ein wichtiges Thema für Verwaltungsräte und Verwaltungsratspräsidenten ist gegenwärtig die unabhängige Meinungsbildung, die sowohl prozessual wie auch finanziell gewährleistet sein muss», analysiert Hostettler. Der VRP ist bei uns in der Regel stark in die Strategiefindung involviert und nicht nur zum Abnicken einer von der Konzernleitung definierten Marschrichtung gefragt. Allerdings dürften die Unterschiede von Unternehmen zu Unternehmen beträchtlich sein.

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