Der Subventionshunger in der Landwirtschaft ist ungebrochen. Kaum ein Jahr, da nicht ein politischer Vorstoss zugunsten des Schweizer Weins eingereicht wird. Dabei ist der Weinbau innerhalb des Agrarsektors relativ liberal ausgestaltet, seit das rigide Importregime vor mehr als zwanzig Jahren abgeschafft wurde. Der Grenzschutz wurde nahezu aufgehoben. Seither setzen einheimische Winzer auf Mengenbeschränkung, bessere Kellermethoden, kurz: terroirbetonte, qualitativ hochstehende Tropfen. Die früher (zu Recht) verpönten Land- und «Beerli»-Weine gibt es kaum mehr, dafür manch überraschende Trouvaillen ab Rebgut. In der laufenden Session aber hat das Parlament einer massiven Erhöhung der Marketingmittel auf 9 Mio. Fr. zugestimmt. Immerhin ist die Branche bereit, selbst nochmals 9 Mio. Fr. beizusteuern. Begründet wurde der Bundesbeitrag damit, dass Italien hierzulande ebenso 18 Mio. Fr. für Absatzförderung aufwerfe. Italienische Weine werden in der Schweiz besonders gern getrunken, vor französischen und spanischen Tropfen. Trotzdem: Hat die hiesige Weinwirtschaft solche Unterstützung nötig? Wer auf Qualität setzt, hat keine Absatzprobleme. Das spiegelt sich in der Statistik. Seit ein paar Jahren steigt der Anteil Schweizer Weine am Gesamtkonsum. Freilich war das Winzerjahr 2021 ein ganz schwieriges, mit der wetterbedingt niedrigsten Ernte seit 65 Jahren.