Märkte / Makro

Schweizer Wirtschaft schrumpft 2,6%

Bereits im ersten Quartal sind die Folgen der Coronakrise stark zu spüren. Der Einbruch der Schweizer Wirtschaftaktivität ist deutlicher als erwartet.

(AWP/BEG) Die Schweizer Wirtschaft hat schon im ersten Quartal 2020 stark unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten. Es ist in einigen Branchen von einem Rückgang «historischen Ausmasses» die Rede.

«Zwei Wochen Lockdown im ersten Quartal haben ausgereicht, um das Schweizer Bruttoinlandprodukt um –2,6% gegenüber Vorquartal so stark einbrechen zu lassen wie seit Ende 1974 nicht mehr», konstatiert Alexander Koch, Ökonom bei Raiffeisen.

Der Einbruch war noch etwas stärker als erwartet. Die von AWP befragten Experten hatten die Entwicklung zum Vorquartal bei –1,2 bis –2,5% gesehen.

Privater Konsum, Investitionen und Export leiden

Mit der Stilllegung des öffentlichen Lebens habe der private Konsum, der mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmache, diesmal nicht seine «gewöhnliche, stabilisierende Rolle» übernommen, führt Koch aus. «Im Gegenteil, der private Konsum war neben den zyklischen Ausrüstungsinvestitionen am stärksten betroffen.» Lediglich der öffentliche Konsum habe moderat zugelegt.

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) war von Oktober bis Dezember noch 0,3% gewachsen, damals war die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahresquartal 1,6% höher. Nun ist sie von Januar bis März 1,3% tiefer ausgefallen als ein Jahr zuvor.

Im März sei die Wirtschaftsaktivität wegen der Pandemie und der Eindämmungsmassnahmen stark eingeschränkt gewesen, schreibt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Mittwoch zu den Zahlen. Zudem habe der internationale Konjunktureinbruch die Exportwirtschaft gebremst.

Wirtschaft rutscht in heftige Rezession

Ob die BIP-Zahlen zu einer Revision der Prognosen für das Gesamtjahr führen werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Unisono gehen die Experten davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr in eine heftige Rezession rutschen wird. Die aktuellsten Prognosen verschiedener Institute gehen von einem Einbruch von zum Teil über 5% aus.

«Seit dem Beginn der Lockerungen zeigen unsere Kartentransaktionsdaten eine breite Wiederbelebung. Die Kundenzahlen bleiben aber vielerorts noch erheblich hinter den Vorkrisenniveaus zurück», erläutert Koch. Während der Krise sei der Umsatz im Nicht-Lebensmittelhandel und vor allem in der Gastronomie vorübergehend zusammengebrochen

Die Erholung dürfte langsam verlaufen

Der Kollaps der globalen Nachfrage komme zudem verzögert in der Industrie an, schreibt Koch. «Die Geschäftserwartungen weisen aktuell weder im Dienstleistungssektor noch in der Industrie auf grosse Nachholeffekte hin.»

Im bisher stützenden Pharmasektor sei – nach einem vorübergehenden Schub – sogar eine starke Auftragskorrektur zu beobachten, so Koch. «Damit sollte es noch einige Zeit brauchen, bis das BIP-Niveau von Ende 2019 wieder erreicht wird.» Im laufenden Quartal werde es zuerst noch sehr viel stärker bergab gehen.

Mittlerweile dürfte indes das wirtschaftliche Tief erreicht sein. Der wichtigste Frühindikator für die Schweiz, das Konjunkturbarometer der Kof/ETH, hat seine Abwärtsfahrt verlangsamt.

Gastgewerbe fast ein Viertel tiefer

Im ersten Quartal 2020 hätten der Handel (–4,4% zu Vorquartal) und das Gastgewerbe (–23,4%) Einbussen von historischem Ausmass gesehen, meldet das Seco weiter. Letzteres habe bereits ab Anfang März mit sinkenden Gästezahlen aus dem Ausland zu kämpfen gehabt.

Aber auch die Transport- und Kommunikationsbranche (–5,1%) registrierte laut den Angaben wegen ausgedünnter Fahr- und Flugpläne das stärkste Minus der letzten 30 Jahre. Und der Gesundheitssektor (–3,9%) litt, weil verschiedene medizinische Behandlungen zeitweise ausgesetzt worden seien.

Dazu kam laut dem Seco, dass sich die Wirtschaftslage bei wichtigen Handelspartnern massiv verschlechterte – was die exportorientierte Schweizer Industrie belastete. Das verarbeitende Gewerbe habe mit –1,3% den stärksten Rückgang seit dem Frankenschock Anfang 2015 gesehen, so das Seco weiter.

Auf der anderen Seite hätten lediglich die öffentliche Verwaltung (+0,8%) und die Finanzbranche (+2,3%) das BIP gestützt. Letztere profitierte laut dem Seco von einem wachsenden Auslandgeschäft.

Konsum gibt um 3,5% nach

Aufgeschlüsselt nach dem Verwendungsansatz war der private Konsum ein Hauptgrund für den BIP-Einbruch. Dieser ging wegen der Corona-Eindämmungsmassnahmen und wegen der laut Seco «grossen Unsicherheit» um 3,5% zurück. Ausserdem stoppten viele Unternehmen ihre Investitionen, wie die rückläufigen Ausrüstungs- (–4,0%) und Bauinvestitionen (–0,4%) zeigen.

Zugenommen haben bei dieser Sichtweise lediglich der Staatskonsum (+0,7%) und – vor allem wegen der Pharmaausfuhren – die Warenexporte (+3,4%).

Wert für 2019 leicht revidiert

Das Seco hat auch neue Zahlen für das Gesamtjahr 2019 publiziert. Demnach resultierte für 2019 eine Wachstumsrate des realen BIP von +1,0%, nachdem es bei der ersten Schätzung noch +0,9% waren. (2018: +2,8%). Bereinigt um Sportevents belief sich das Wachstum auf 1,4% (2018: 2,3%).