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Der Wind dreht in der Schweizer Wirtschaft

Coronaeinschränkungen haben das BIP im Startquartal gedrückt. Der Detailhandelsumsatz verzeichnete im April jedoch einen Rekordanstieg.

(AWP) Die Schweizer Wirtschaft ist im ersten Quartal 2021 leicht geschrumpft. Die zweite Corona-Welle und die entsprechenden Einschränkungen haben für den Rückschlag gesorgt. Mit den jüngsten Lockerungen dürfte die Wirtschaft aber wieder zu starkem Wachstum zurückkehren.

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sank in der Periode von Januar bis März 2021 gegenüber dem Vorquartal um 0,5%, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Die Wachstumszahl für das vierte Quartal 2020 wurde derweil leicht nach unten revidiert auf +0,1% (1. Schätzung +0,3%).

Vor allem im Dienstleistungssektor sei die Wertschöpfung im Zuge der verschärften Corona-Massnahmen im ersten Quartal markant gesunken, so das Seco. Der private Konsum war entsprechend stark rückläufig (-3,3%). Dagegen wuchs die Industrie kräftig (+4,9%) und verhinderte einen deutlicheren Rückgang des BIP. Ein Konjunktureinbruch vergleichbar mit jenem vom Frühjahr 2020 sei daher ausgeblieben, heisst es beim Seco.

Bezogen auf die Sektoren verzeichnete das Gastgewerbe (-30,4 %) ein noch stärkeres Minus als im Vorquartal. Das ist allerdings wenig überraschend, mussten die Gastronomie-Betriebe doch geschlossen bleiben und die internationale Reisetätigkeit verharrte auf einem sehr tiefen Niveau. Auch der Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (-5,1%) registrierte angesichts der verschärften Eindämmungsmassnahmen ein stark negatives Quartalsergebnis.

Zusätzlich entwickelte sich das Gesundheits- und Sozialwesen (-3,0 %) negativ, laut Seco u.a. aufgrund der Verschiebung planbarer Behandlungen. Und im Einklang mit der nachlassenden Mobilität der Bevölkerung war auch der Bereich Transport und Kommunikation (-0,9%) rückläufig.

Industrie bereits über Vorkrisenniveau

Die Industrie blickt derweil auf eine ausgesprochen positive Quartalsentwicklung zurück. Sowohl die Wertschöpfung als auch die Exporte hätten insgesamt das Vorkrisenniveau bereits wieder überschritten, schreibt das Seco. Im Gegensatz zur ersten Welle im letzten Frühling waren die internationalen Lieferketten dieses Mal kaum unterbrochen.

Gestützt von der stark anziehenden Nachfrage bei wichtigen Handelspartnern – etwa in den USA und in China – konnte das verarbeitende Gewerbe ersten Quartal dynamischer wachsen als im Vorquartal. Dazu trugen laut Seco sowohl die Chemie-Pharma als auch die übrigen, konjunktursensitiveren Branchen des verarbeitenden Gewerbes bei.

Entsprechend setzte sich auch die Erholung verschiedener Exportkategorien fort, darunter jene der Uhren und Präzisionsinstrumente sowie der Maschinen und Metalle. Insgesamt seien die Warenexporte (+1,5%) trotz des stark rückläufigen Transithandels spürbar gewachsen, so das Seco.

Der BIP-Rückgang fiel insgesamt auch im Rahmen der Erwartungen aus. Von AWP befragte Ökonomen hatten die Entwicklung zum Vorquartal bei -0,7 bis -0,4% gesehen.

Starke Erholung zu erwarten

Mit den Öffnungsschritten des Bundesrates in den letzten Tagen und Wochen dürfte das Wachstum zuletzt aber wieder stark angezogen haben bzw. sollte sich weiter erholen. Dies zeigt etwa auch der ebenfalls vom Seco berechnete Index zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität (WWA), der zeitnahe Informationen zur Entwicklung der Schweizer Wirtschaft liefert und zuletzt markant gestiegen ist.

Für das zweite Quartal ist somit ein starkes BIP-Wachstum zu erwarten. Diese Zahlen werden aber erst Anfang September veröffentlicht.


Detailhandelsumsätze verzeichnen im April Rekordanstieg


Die Schweizer Detailhändler haben im April 2021 verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresmonat massiv mehr verkauft. Dies erklärt sich hauptsächlich mit dem «Lockdown» und den entsprechend tiefen Werten im April 2020.

Die Detailhandelsumsätze in der Schweiz sind im April im Vergleich zum Vorjahr kalenderbereinigt um 34,8% gestiegen. Dies ist der stärkste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Januar 2000, teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mit. Preisbereinigt, also real, war das Plus mit 35,7% noch höher.

Zum Vormonat haben die Umsätze allerdings abgenommen. Saisonbereinigt sanken sie zum März 2021 um nominal 4,3%, und um Preiseffekte bereinigt (real) verringerten sie sich um 4,4%.

Wegen der Verzerrung drängt sich ein Vergleich der April-Werte mit jenen des Aprils 2019 auf. Im Zweijahresvergleich ergibt für den Detailhandelsumsatz (ohne Tankstellen) ein Anstieg im April 2021 gegenüber April 2019 von nominal 10,7%.

Im Detailhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren, der im April 2021 gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme des nominalen Umsatzes von 11,8% verzeichnete, zeigt der Zweijahresvergleich mit einem Anstieg von 15,7% gemäss dem BFS, dass die Umsätze in dieser Branche seit Beginn der Pandemie einen starken Wachstumstrend aufweisen und nicht auf einen Einbruch im Vorjahresmonat zurückzuführen sind.

Der Nicht-Nahrungsmittelsektor, in dem die Umsätze im April gegenüber dem Vorjahr um starke 73,1% zulegten, zeigt sich im Zweijahresvergleich hingegen ein nominales Wachstum von nur 7,5%. Die Umsatzanstiege im Nicht-Nahrungsmittelsektor rühren gemäss BFS also nicht einzig von einem tiefen Vorjahresmonat.