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Russland und China kaufen Gold statt Dollar

Die Zentralbanken zählen wieder zu den Nettokäufern von Gold. Das gibt dem Markt gewissen Halt. Privatinvestoren halten sich dagegen mit Käufen zurück.

Peter Rohner

Während die meisten Rohstoffnotierungen vom Auf und Ab des erwarteten Angebots beeinflusst werden, ist auf dem Goldmarkt eher die Nachfrage preisbestimmend. Denn das Angebot aus dem Bergbau und der Recyclingaktivität liegt über die Jahre recht stabil bei etwa 1100 Tonnen pro Quartal. Die Nachfrage der Schmuckindustrie schwankt ebenfalls nur wenig.

Der Goldpreis hängt deshalb in erster Linie von den Transaktionen der Zentralbanken und der Finanzinvestoren ab. Sie sind sozusagen das Zünglein an der Waage. Während die Goldinvestoren ebenso launisch sind wie die Finanzmärkte, ist der öffentliche Sektor seit geraumer Zeit eine zuverlässige Stütze des Goldpreises.

Nachfrage aus dem Osten

Gemäss der Goldminen-Lobbyvereinigung World Gold (Gold 1506.6 0.72%) Council haben die Zentralbanken und andere staatliche Stellen letztes Jahr über 500 Tonnen Gold gekauft und so die Gesamtnachfrage gegenüber 2017 um 276 Tonnen gesteigert. Ohne ihre Käufe wäre die Goldnachfrage gesunken. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres standen die Notenbanken auf der Käuferseite.

Trotz der Käufe der Zentralbanken dümpelt der Goldpreis seit Jahren vor sich hin. Das könnte unter anderem an der Zurückhaltung der Finanzinvestoren liegen. Die mit physischem Gold hinterlegten kotierten Fonds (Exchange Traded Fund, ETF), deren Goldbestände das Interesse der Anleger spiegeln, kauften 2018 weniger als im Vorjahr. Nach einem kräftigen Mittelzufluss zwischen Oktober und Januar standen die Fonds in den vergangenen Wochen tendenziell wieder auf der Verkäuferseite.

Besonders aktiv unter den Zentralbanken waren Russland, die Türkei, Kasachstan, Indien, Ungarn und Polen. Laut Beobachtern wollen die Notenbanken mit dem Kauf des Edelmetalls den Goldanteil an den Reserven erhöhen und damit eine Diversifikation weg vom Dollar erreichen. Der Dollaranteil an den globalen Währungsreserven beträgt 62%. Eine Auswertung der Bank of America (BAC 26.79 -1.76%) Merrill Lynch zeigt, dass durch die Beimischung von Gold das Reservenportfolio effizienter wird. Bis zu einem Goldanteil von 5% steigt die Information Ratio, die Kennzahl zur Messung der Mehrrendite im Verhältnis zum zusätzlich eingegangenen Risiko.

Russland ist mit Nettokäufen von 274 Tonnen im vergangenen Jahr in die Top fünf der goldreichsten Länder aufgestiegen und hat dabei China überholt. Denn das Reich der Mitte hat offiziell fast drei Jahre lang kein Gold mehr erworben. Erst im vergangenen Dezember ist auch der asiatische Riese wieder erwacht: Seither kaufen die Chinesen Monat für Monat rund 10 Tonnen des gelben Metalls – auch im März, wie aus den Daten der chinesischen Zentralbank hervorgeht.

Sonderfall Schweiz

Weltweit haben Zentralbanken in den ersten zwei Monaten des Jahres fast 90 Tonnen neue Goldreserven angehäuft, davon entfielen 37 Tonnen auf die russische Zentralbank. Wie viel die Russen im März gekauft haben, lässt sich nur schätzen. Bekannt ist, dass der Wert der Goldreserven gegenüber Ende Februar rund 2% auf 90,011 Mrd. $ geschrumpft ist. Zwischen Ende Februar und Ende März ist auch der Goldpreis in Dollar rund 2% gesunken, was darauf hindeutet, dass sich der Bestand der Reserven im März kaum verändert hat.

Den grössten Goldschatz unter den Zentralbanken haben die USA mit 8133 Tonnen Gold. Auf dem zweiten Platz steht Deutschland mit 3370 Tonnen. Platz drei belegt Italien mit 2452 Tonnen, knapp dahinter folgt Frankreich mit 2436 Tonnen. Danach kommen Russland, China und die Schweiz. Mit Ausnahme der Schweiz und Grossbritannien haben die Industrieländer in der Regel einen sehr hohen Goldanteil in ihren Reserven. Chinas Goldanteil liegt erst bei 2,5%, Russland dagegen ist schon bei 20%.

Leser-Kommentare

Olivier Schafroth 10.04.2019 - 16:55

XAU/USD ist preisbestimmend und nicht die physische Nachfrage.