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Blogs / Momentum

Schwellenländer oder Tod

Alexander Trentin
Worauf setzen, wenn das Portfolio unbedingt ein bestimmtes Renditeziel überschreiten muss? Jeremy Grantham, Mitgründer des Vermögensverwalters GMO, sieht nur eine Möglichkeit.

Stellen Sie sich vor, Sie müssen die Pensionskasse von Josef Stalin verwalten. Das ist das etwas absurde Szenario im aktuellen Quartalsbrief des Vermögensverwalters GMO.

Dort beschreibt der Mitgründer Jeremy Grantham ein Gedankenspiel mit dem «ultimativen Karriererisiko» unter dem sowjetischen Diktator: «Machen Sie einen guten Job, bekommen Sie Privilegien (…) Schneiden Sie schlecht ab, werden Sie erschossen.» Das Szenario: Stalin fordert über die nächsten zehn Jahre eine annualisierte Rendite von 4,5% nach Inflation.

Eigentlich sollte das kein Problem sein. Denn laut Grantham ist die «typische» Rendite eines Portfolios mit 65% Aktien und 35% Anleihen real immerhin 4,7%. Doch solch eine Rendite ist heutzutage nicht zu erwarten. Der Grund ist, dass die meisten Anlageklassen sehr teuer sind.

Je günstiger, desto höhere Rendite

GMO schätzt die erwartete Rendite verschiedener Anlageklassen nach dem jetzigen Bewertungsniveau. Je günstiger Aktien oder Anleihen in einem bestimmten Sektor oder Markt sind, desto besser die Aussichten. Die Kursgewinne und Zins- bzw. Dividendeneinkommen sollten über die nächsten Jahre höher sein, wenn man günstig einsteigt.

Um den Diktator zufriedenzustellen und dem Tod zu entkommen, gibt es nur eine Möglichkeit: Schwellenländeraktien (Emerging Markets). Das zeigt die Grafik unten. Insbesondere Value-Titel in den Schwellenländern stechen mit einem jährlichen Ertrag von 6,7% heraus. Dagegen notieren die GMO-Vorhersagen für alle anderen Aktiensektoren über die nächsten sieben Jahre um null oder sogar tief negativ.

«Typisches Portfolio ist der sichere Tod»

Jeremy Grantham folgert: «Wenn Sie (…) in ein typisches, diversifiziertes Portfolio aus 65% Aktien und 35% Anleihen (…) für zehn Jahre investieren, werden Sie sicher sterben.» Man habe mit solch einer Wahl nicht einmal eine Chance von 15%, das Ziel von 4,5% zu erreichen.

Grantham meint: «Ich würde 100% in Schwellenländer investieren, zwei Drittel davon in Value-Titeln, und ich würde wahrscheinlich überleben.» Er schätzt die Wahrscheinlichkeit, mehr als 4,5% zu erreichen, auf immerhin 70%. (Ausser, man habe Zugang zu guten Anlagen in Risikokapital – also der Finanzierung von Start-ups. Dort schätzt Grantham die Aussichten als noch besser ein.)

Doch in diesem Stalin-Szenario sind die Vermögensverwalter heute nicht. Laut Grantham dominiert dort weiterhin das «Karrieremanagement auf zwei Jahre». Dabei würden die Portfoliomanager nicht die langfristige Perspektive einnehmen, sondern sich eher darum sorgen, kurzfristig schlechter als die Kollegen dazustehen. Daher werde nur zögerlich investiert und «normal diversifiziert». Die Konsequenz dieser kurzfristigen Sicht: Pensionskassen sollten sich auf «desaströse 1 bis 3% Rendite für die nächsten zehn Jahre einstellen».