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Schwieriges Jahr für UBS und Credit Suisse

Auf den Aktien der beiden Grossbanken lastet nicht nur das schwierige Marktumfeld 2019, sondern auch hausgemachte Probleme.

Die Schweizer Grossbanken haben schon bessere Jahre gesehen. Nach einem schwachen ersten Quartal habe sich das Geschäft zwar aufgehellt, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti am Donnerstag an einer Konferenz von Goldman Sachs. Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam sagte gleichenorts, er sei «vorsichtig optimistisch». Doch das Umfeld ist laut Ermotti weiterhin «fragil». Es gilt, den Juni abzuwarten, doch die starke Entwicklung des Vorjahres scheint auch im zweiten Quartal auszubleiben.

Vor allem der Handelsstreit zwischen  den USA und China drückt auf die Investitionsfreude der Kunden von UBS und Credit Suisse. Ermotti spricht von nicht investierten Bargeldbeständen von im Schnitt über 30% in den Portfolios. Darunter leidet der transaktionsbasierte Ertrag der Grossbanken. Die US-Investmentbanken meldeten bereits in der vorletzten Woche einen rückläufigen Handelsertrag.

Nach China strebt alles

Dagegen konnten diejenigen US-Grossbanken, die in ihrem riesigen Heimmarkt grosse Kredit- und Hypothekargeschäfte betreiben, das schlechte erste Quartal gut abfedern. Auch Ermotti und Thiam wollen nach eigener Aussage das Kreditgeschäft mit ihren reichen Kunden forcieren. Konjunktursorgen machen allerdings eine Zinssenkung der US-Notenbank wahrscheinlicher. Das würde auf den Zinsertrag der Banken drücken. Gemäss einer Studie der Bank of America Merrill Lynch würde eine Zinssenkung um 75 Basispunkte den Gewinn pro Aktie von US-Grossbanken 10% einbrechen lassen.

Das harte Marktumfeld schlägt sich in den Aktienkursen von UBS und Credit Suisse nieder. Während der Swiss Market Index (SMI) als weltweit stärkster Leitindex seit Jahresbeginn rund 15% zugelegt hat, haben die Titel der UBS fast 5% verloren, Credit Suisse sind «nur» rund 5% avanciert. Zusätzlich drücken Rechtsfälle und Geldstrafen auf die Valoren.

Wenn der Ertrag unter Druck steht, werden rasch die Kosten angegangen. UBS befinde sich seit Jahresbeginn im «Treibstoffsparmodus», sagte CEO Ermotti. Er will 2019 zusätzlich 300 Mio. $ einsparen. Credit Suisse erwartet nach der Schliessung ihrer Abwicklungseinheit für 2019 automatisch um rund 800 Mio. Fr. tiefere Kosten. Beide Banken wiesen für das erste Quartal ein Verhältnis von Kosten zu Ertrag von gegen 78% auf, ein klar verbesserungswürdiger Wert. Nicht zuletzt in diesem Licht erscheinen die hohen Managementvergütungen zweifelhaft.

Positiv zu werten ist, dass beiden Instituten auch in schwierigem Umfeld noch hohe Summen an neuen Vermögen zufliessen. Kosten sparen heisse nicht, dass man aufhören wolle zu wachsen, betonte Ermotti. Er und Kollege Thiam haben beide Asien und hier vor allem China als Wachstumsregion auserkoren. Im Reich der Mitte haben beide Banken dieses Jahr die Mehrheit an jeweils einem Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Geldhäusern übernommen. Der Fussabdruck ausländischer Banken ist dort noch verschwindend klein. Lange hatte China seinen Bankenmarkt gegen ausländische Institute abgeschottet. Das Gesamtvermögen im Reich der Mitte ist nur etwas geringer als das Gesamtvermögen im ganzen Raum Asien-Pazifik (ohne China). In dieser Region verwalten UBS mit knapp 400 Mrd. $ und Credit Suisse mit gut 205 Mrd. $ bereits mehr Kundengelder als die anderen Vermögensverwalter.

Einstieg drängt sich nicht auf

In den schwieriger zu erschliessenden Märkten greifen Schweizer Banken zu Kooperationen mit lokalen Geldhäusern. Ermotti hat diese Woche die Partnerschaft mit der japanischen Bank Sumitomo Mitsui Trust angekündigt, die im Inselstaat rund 2600 Mrd. Fr. verwaltet. Am Gemeinschaftsunternehmen wird UBS 51% halten. UBS und Credit Suisse nehmen vor allem die sogenannten Ultra High Net Worth Clients ins Visier, das sind Kunden mit einem Vermögen von 50 Mio. $ aufwärts. Beziehungen zu ihnen aufzubauen und zu vertiefen, sei am profitabelsten, sind sich Thiam und Ermotti einig. Diese Kunden seien oft gleichzeitig Unternehmer und brauchten nicht nur Vermögensverwaltung, sondern auch Kredite und Kapitalmarktdienstleistungen aus den Investmentbanken der beiden Grossen. Mit diesem Setup sei Credit Suisse laut Thiam jedem reinen Vermögensverwalter – z. B. Julius Bär – langfristig überlegen.

Auch wenn die Grossen sich langfristig gut aufgestellt darstellen, 2019 könnte für beide zumindest ertragsseitig ein schwächeres Jahr werden. Und auch unter dem Strich könnte 2019 ein Problem von UBS und Credit Suisse wohl bestehen bleiben. Sie werden Mühe haben, die angepeilte Eigenkapitalrendite von 10% zu erreichen. Dieser Wert gilt als Minimum dessen, was gemeinhin als wertschaffend für Grossbanken angesehen wird. Die Aktien der beiden kommen zwar nicht überteuert daher. Die Dividendenrendite von UBS ist mit 5,2% sogar sehr attraktiv. Doch sie dürften ob der beschriebenen Probleme vorerst unter Druck bleiben. Zurzeit drängt sich ein Einstieg nicht auf.

Leser-Kommentare

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Markus Fischer 08.06.2019 - 14:04
Guter Artikel, der deutlich aufzeigt, dass beide Banken ein Problem mit den Kosten haben wie das viel zu hohe Kosten-Ertragsverhältnis aufzeigt, das 10% tiefer liegen sollte als die ausgewiesenen 78%. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass der Bonuspool in einem krassen Missverhältnis zu den Gewinnen steht, obwohl er eigentlich erfolgsabhängig festgelegt werden müsste. Solange die Aktionäre sich deswegen nicht zur… Weiterlesen »