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Seid gewarnt, Investoren

Die Zuversicht für Aktien macht skeptisch, die Warnsignale nehmen zu. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Adrian Blum.

«Die deutsche Wirtschaft ist schlecht ins zweite Quartal gestartet, was nichts Gutes heisst.»

Die Warnsignale häufen sich. Es hagelt gerade schlechte Nachrichten in Deutschland, und für die Schweizer Industrie ist die Entwicklung im Nachbarland zentral, nicht nur als Exportdestination, sondern auch als Stimmungsindikator. Hoffnungen, es bahne sich nur eine konjunkturelle Delle an und nicht ein Ende des Wachstums, erhalten Dämpfer. Im April war der Auftragseingang der Industrie schwächer als erhofft, die Exporte gingen zurück, ebenso wie die Gesamtproduktion im verarbeitenden Gewerbe. Kurz: Die deutsche Wirtschaft ist schlecht ins zweite Quartal gestartet, was nichts Gutes heisst für die Schweizer Industrie.

Bisher scheint noch alles im Rahmen zu sein. Manager und Analysten von Schweizer Unternehmen äussern sich in der Mehrheit recht zuversichtlich. Zwar gibt es Klagen über steigende Rohstoffkosten, so hat gerade zum Beispiel der Kupferpreis den höchsten Stand seit 2014 erreicht. Dazu gesellen sich Lohndruck, etwa in Mittel- und Osteuropa, aber auch in den USA, und so manche Zulieferkette hat – auch wegen neuer Zölle – etwas Sand im Getriebe. Doch kaum jemand erwartet, dass die Gewinnmargen der Schweizer Unternehmen wirklich unter Druck kommen.

Die Zuversicht lässt aufhorchen. Zwar haben Aktienkurse und die Bewertungen vieler Industrieaktien in den letzten Monaten bereits nach unten korrigiert, doch Basis dafür sind in der Tendenz immer noch leichtes Umsatzwachstum und stabile bis steigende Margen. Es dauert noch etwas bis zur Berichtssaison zum Halbjahr. Aber die Warnsignale leuchten. Wer in zyklische Aktien investiert, muss sich bewusst sein: Kleine Enttäuschungen haben grosse Kurswirkung, da sich schnell die Sorgen vor dem Zyklusende manifestieren.

 

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