Märkte / Makro

Seismographen der Euro-Angst

Mit dem Regierungschaos in Italien ist die Eurokrise wieder aufgeflammt. Das sind die fünf wichtigsten Indikatoren, auf die Anleger jetzt achten müssen.

Die alten Griechen haben das Drama zwar erfunden, perfektioniert haben es aber die Römer. Dass sie diese Disziplin immer noch beherrschen, beweisen die jüngsten Ereignisse rund um die Regierungsbildung.

Im ersten Akt einigten sich die Fünfsternebewegung (M5S) und die rechtspopulistische Lega auf den Jus-Professor Giuseppe Conte als Regierungschef. Für das Finanzministerium war der Eurogegner Paolo Savona vorgesehen. Das sorgte in Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten für Nervosität. Als Staatspräsident Sergio Mattarella Savonas Ernennung nicht absegnete, wies Conte den Auftrag zur Regierungsbildung zurück.

Im zweiten Akt nominierte Mattarella den ehemaligen IWF-Ökonomen Carlo Cottarelli als Interims-Ministerpräsident. Eine Technokratenregierung sollte für Ruhe sorgen, bis Neuwahlen die Bildung einer politischen Regierung ermöglichten. Die Populisten hätten diese Neuwahlen wohl zum Referendum über den Euro stilisiert. Diese Vorstellung versetzte Europa und die Finanzmärkte in Panik. Im vorläufig letzten Akt wurde dann doch noch ein Weg für eine politische Regierung gefunden. Savona wird nicht Finanzminister, sondern steht dem Europaministerium vor. Premierminister wird nun doch der parteilose Giuseppe Conte.

Wie die Investoren die Lage einschätzen, zeigt sich an den Kursen auf den Anleihen-, Aktien- und Devisenmärkten. Sie sind die Seismografen der Euroangst. «Finanz und Wirtschaft» stellt die vier wichtigsten Barometer vor, die Anleger besonders gut im Auge behalten sollten.

Krisenbarometer Nr. 1: Bondrenditen

Im Zentrum stehen natürlich die Kurse und Renditen italienischer Staatsanleihen. Sie würden im Fall eines Euroaustritts wohl zum Teil nicht mehr bedient. Seit dem Wahlsieg der Protestparteien Anfang März sind die Renditen der zehnjährigen Buoni del Tesoro (BTP) deutlich gestiegen, von 1,8% auf zwischenzeitlich über 3%.

Um das Italienrisiko isoliert zu betrachten und nicht einen allgemeinen Zinsanstieg in der Eurozone fälschlicherweise als Krisenangst zu interpretieren, sollte man jedoch nicht bloss die italienischen Zinsen beobachten, sondern die Differenz zu sicheren Eurostaatsanleihen, zum Beispiel jenen von Deutschland. Sie beziffert das Risiko eines Zahlungsausfalls und wird in der Regel in Basispunkten (Bp) angegeben (1 Prozentpunkt = 100 Basispunkte).

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Bei den zehnjährigen Staatsanleihen ist diese Renditedifferenz, auch Zinsaufschlag oder Spread genannt, in den vergangenen Wochen von unter 120 auf 300 Bp gestiegen. Seit die Chancen auf eine von Politikern geführte ordentliche Koalitionsregierung wieder gestiegen sind, hat sich die Lage etwas beruhigt. Am Freitagmittag betrug die zehnjährige Renditedifferenz zwischen Italien und Deutschland noch 220 Bp.

Krisenbarometer Nr. 2: Der Euro

Ein möglicher Austritt Italiens aus der Eurozone verunsichert auch die Devisenmärkte. Der Eurokurs reagiert deshalb ebenso empfindlich wie die Spreads auf Gerüchte und Nachrichten im Zusammenhang mit der italienischen Regierungskrise.

Das mit Abstand am meisten gehandelte Währungspaar ist zwar das Euro-Dollar-Paar, als Krisenbarometer eignet sich aber der Euro-Franken-Kurs besser. Denn der Euro-Dollar-Kurs hängt auch sehr stark von der Entwicklung in den USA ab, während die Schweizer Volkswirtschaft zu klein ist, um den Euro-Franken-Kurs massgeblich zu bewegen. Der Franken ist der sichere Hafen auf dem europäischen Devisenmarkt und zeigt wie keine andere Währung die Stimmung gegenüber der Eurozone.

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Seit es wegen Italien im Gebälk der Eurozone wieder knarzt, hat sich der Franken deutlich aufgewertet. Der Euro-Franken-Kurs ist von 1.20 unter 1.15 Fr. gefallen. Am Dienstagabend kostete ein Euro phasenweise gar weniger als 1.14 Fr.

Krisenbarometer Nr. 3: Italienische Aktien

Wenn es in Italien bebt, dann liegt es auf der Hand, dass auch die lokalen Aktienmärkte zittern. Die Unsicherheit über den Verbleib in der Währungsunion ist Gift für die italienischen Unternehmen, vor allem für die Banken, deren Aktien am Dienstag teilweise vom Handel ausgesetzt werden mussten.

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Der Index FTSE Mib befand sich in den vergangenen Wochen im freien Fall und notierte zeitweise fast 15% unter dem Jahreshöchst. Seit Mittwoch haben sich auch die Kurse an der Mailänder Börse etwas beruhigt. Nach Bekanntgabe der neuen Regierung eröffnete der FTSE Mib am Freitag 3% im Plus.

Doch die Italien-Panik hat nicht nur die Börse Milano erfasst. In ganz Europa reagierten die Aktienmärkte mit Verlusten. Besonders betroffen sind die Titel der Banken.

Krisenbarometer Nr. 4: Europäische Banken

Gemessen am Euro Stoxx Banks, der die Aktienkursentwicklung der grössten Banken der Eurozone abbildet, haben die Bankaktien im Mai 15% eingebüsst. Société Générale und Deutsche Bank verloren ein Fünftel ihres Börsenwerts. Auch BNP Paribas und die spanischen Banken Banco Santander und BBVA kamen unter die Räder.

Denn die europäischen Finanzinstitute sind zum Teil immer noch nicht genügend gut kapitalisiert, um einem gröberen Schock zu widerstehen, wie es ein Zahlungsausfall von Italien definitiv darstellen würde. Zudem haben sie selbst in italienische Staatsanleihen investiert oder sind auf andere Art im italienischen Kreditmarkt involviert

Ausserdem hoffen die Banken und ihre Aktionäre seit langem, dass die Zinsen in ganz Europa wegen der brummenden Konjunktur endlich steigen, weil dann in der Regel auch die Zinsmargen zunehmen.

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Die Rückkehr der Euroangst macht der Zinsnormalisierung einen Strich durch die Rechnung. Bei den Bankaktien liess die Gegenbewegung etwas länger auf sich warten als bei den Staatsanleihen, fiel dafür umso heftiger aus.

Wenn Italien austritt, könnten andere Länder dem Beispiel folgen. Es wäre das Ende des Euros.

Krisenbarometer Nr. 5: Spreads in Spanien und Portugal

Ob die Finanzmärkte eine Ansteckung befürchten, zeigt sich zudem an den Anleihen-Spreads anderer Staaten der Europeripherie: Jenen von Portugal zum Beispiel, das seit der Krise einen harten Sparkurs fährt, oder jenen von Spanien, wo die Wirtschaft kräftig wächst.

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Auch dort zeigte in den vergangenen Tagen das Krisenbarometer einen Anstieg der Nervosität, doch noch hält sich die Angst vor einer Ansteckung in Grenzen. Zumal die Spreadausweitung in Spanien zu einem gewissen Grad auch mit der spanischen Politik zu tun hat: Denn dort versuchte die Opposition, Premier Mariano Rajoy aus dem Amt zu drängen. Die Sozialisten haben dazu ein Misstrauensvotum gegen Rajoy wegen dessen Verwicklung in einen Korruptionsskandal beantragt – und waren erfolgreich.

Am Freitag wurde Rajoys vorzeitiges Ende als Premierminister besiegelt. Die Finanzmärkte blieben davon aber unbeeindruckt: Wie Italien gingen auch in Spanien und Portugal die Anleihen-Spreads zurück.