Meinungen

Selber schuld

Das Kräftemessen an Wallstreet sollte uns allen eine Lehre sein. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Lassen Sie sich nicht von GameStop anstecken. Es wird in Tränen enden.»

Verfolgen auch Sie das Drama an Wallstreet? In Aktien wie ­GameStop (GME 41.52 -1.59%), AMC Entertainment und BlackBerry (BB 9.00 +1.58%) haben sich Kleinanleger zusammengeschlossen, um gegen professionelle Short Sellers anzutreten. Es geht um Milliarden. Opfer gibt’s auf beiden Seiten, und im Endeffekt wird alles in einem Scherbenhaufen enden.

Auch wenn sich der Kampf David gegen Goliath romantisch anhört und mit der Trading-Plattform Robinhood (HOOD 10.53 -3.44%) der «Rächer der Enterbten» involviert ist, hat das Ganze für mich keinerlei Vorbildcharakter. Im Gegenteil. Ich habe weder mit den Hedge Funds, die sozusagen in ihrem eigenen Spiel geschlagen wurden, noch mit den Kleinanlegern, die auf Aktien setzen, die objektiv gesehen kaum Wert haben, Mitgefühl. Allen war von vornherein klar, dass das Risiko absolut unkontrollierbar ist. Selber schuld.

Ich hoffe, Sie überlegen sich nicht ernsthaft, auch auf diesen Zug aufzuspringen, und sind nicht schon auf der Suche nach der nächsten GameStop. Lassen Sie sich davon nicht anstecken. Es wird in Tränen enden. Anlegen im Aktienmarkt ohne fundamentale Einstufung und konkrete Anlagestory ist niemandem zu empfehlen. Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle Entwarnung geben, falls Sie zweifeln, ob das Investieren in Aktien per se überhaupt eine seriöse Sache ist, und sich fragen, ob gar Ihre Positionen in Nestlé (NESN 116.86 +1.42%) und Novartis (NOVN 81.23 +0.31%) solchen Kräften ausgesetzt werden könnten.

Im Endeffekt ist zwar kein Titel vor Spekulationen gefeit, doch wenn sich hinter den Valoren ein wasserdichtes  Geschäftsmodell mit klarer Bewertungsstruktur befindet, zeigt sich langfristig der wahre Wert der Aktien. Daran ändert auch GameStop nichts.