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Selecta bläst den Börsengang ab

Weil Selecta den Börsengang abgesagt hat, ist an der SIX 2019 nur noch mit einem Neuzuzug zu rechnen.

Die Schweizer IPO-Pipeline leert sich. Wie mehrere Szenekenner übereinstimmend berichten, kommt für Selecta eine Rückkehr an die Schweizer Börse im laufenden Jahr nicht mehr infrage. Die Kotierungspläne des laut eigenen Angaben grössten Snackautomatenbetreibers Europas waren bereits weit fortgeschritten. Selecta stand kurz davor, die Preisspanne der Aktien festzulegen. «80% der Bankenarbeit war bereits gemacht», sagt ein involvierter Investmentbanker, der anonym bleiben möchte. Selecta antwortete auf eine FuW-Anfrage mit «No comment».

Kürzlich hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, Selecta wolle noch vor Ende Oktober das Börsengang-Comeback vollziehen. Das Unternehmen war von 1997 bis 2001 schon einmal an der SIX kotiert. Da es vorerst nicht dazu kommt, bleibt für den Schweizer IPO-Jahrgang 2019 nur SoftwareOne übrig; abgesehen von möglichen Direct Listings oder Abspaltungen von Unternehmensteilen.

Stellt sich die Frage nach den Gründen für das Fernbleiben von Selecta. Das Börsenumfeld an sich präsentiert sich immer noch aufnahmefähig für Neulinge. Jüngstes Beispiel ist die rege Nachfrage nach dem IT-Reseller SoftwareOne. Auch die Eigentümerschaft kann nicht der entscheidende Faktor sein, ist sie doch mit der Private-Equity-Gesellschaft KKR zum Teil dieselbe wie bei SoftwareOne.

Bleibt der Zustand des Unternehmens. Selecta wächst zwar punkto Umsatz und auch auf Stufe Betriebsgewinn (Ebitda). Belastend wirken jedoch operative Probleme in Frankreich und Grossbritannien sowie einmalige Bereinigungen, die auf M&A-Aktivitäten und Technologie-Anpassungen zurückzuführen sind. So blieb Ende drittes Quartal (per Ende Juni) erneut ein Verlust übrig. Noch schwerer wiegt die hohe Nettoverschuldung, die im Verhältnis von 5,3 zum bereinigten Ebitda steht. Zur Sicherung der Liquidität wurde eben erst eine neue Anleihe begeben.

Unternehmen, die mit einem Börsengang in erster Linie Schulden tilgen wollen, haben bei Investoren häufig einen schweren Stand. Zu sehen war das an der mageren Performance von SIG Combibloc und Ceva Logistics. Bei Selecta sei auch die hohe Bewertung zum Problem geworden, so ein Beobachter. Diese wäre am Markt nicht durchsetzbar gewesen.

Laut Reuters wurde ein Platzierungsvolumen von 1 Mrd. Fr. angepeilt. Investoren in ganz Europa sind selektiver geworden: Das IPO-Volumen ist im laufenden Jahr 40% tiefer als 2018. «Die Pipeline für 2019 in der gesamten Region ist nun ziemlich leer», sagt Stefan Ries, Co-Head Investment Banking Continental Europe bei Berenberg. Er erwartet aber 2020 ein deutliches Aufklaren am Horizont.

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