Zum Thema: Im Biotech-Segment ist viel Feingefühl gefragt

Selektion ist auch bei den grossen US-Biotechs das A und O

Die Valoren der amerikanischen Big Four im Biotech-Sektor schneiden zurzeit unterschiedlich ab. Umso wichtiger ist es für Anleger, bei vermeintlich günstigen Biotech-Aktien genauer in die Pipelines der Unternehmen zu schauen.

Der Blick hinter die Kulissen der vier US-Biotech-Riesen Gilead (GILD 65.11 +0.14%), Biogen (BIIB 268.17 +0.92%), Amgen (AMGN 248.95 +0.84%) und Celgene zeigt: Einige Biotech-Investments sind weit risikoreicher als andere. Zu den ­Risikokandidaten zählt Gilead (Börsenwert: 109 Mrd. $.). Die Valoren des HIV- und Hepatitis-C-Spezialisten haben in den letzten zwölf Monaten über 30% verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2016 ist mit 7 zwar günstig im Vergleich zu anderen Biotechs wie Amgen (15) oder Celgene (19), aber Anleger sollten vorsichtig sein: Gilead hat mit einem Klumpenrisiko zu kämpfen.

Das Unternehmen erzielte 2015 mit seinen 1000-Dollar-Pillen Harvoni (14 Mrd. $) und Solvadi (5,3 Mrd. $) gegen Hepatitis C fast zwei Drittel seines Umsatzes (32 Mrd. $). Doch die Preise müssen reduziert werden, fordern Gesundheitssysteme weltweit. Gilead erwarten für 2016 einen Umsatz- und Gewinnrückgang von 6 beziehungsweise 3%. Zudem wächst das günstigere Angebot von Konkurrenten wie etwa Merck (MRK 76.31 +1.09%) (MRK 148.25 +1.19%) & Co.

Unter den Big Four der US-Biotechs zählt auch Biogen (Börsenwert: 68 Mrd. $) zu den Risikokandidaten. Die Biogen-Aktie hatte Anfang Juni über 15% eingebüsst, nachdem Biogen die Zielpunkte einer Alzheimerstudie nicht erreicht hatte. Die Alzheimer-Forschung gilt als hoch riskant, schon Pharmaunternehmen wie Roche (ROG 309.65 +0.81%), Eli Lilly (LLY 184.49 +1.03%) oder Pfizer (PFE 36.60 +1.78%) sind gescheitert. Dieser Risikofaktor gilt auch für weitere neurologische Forschungsschwerpunkte des Unternehmens.

Seit der Gewinnwarnung im Sommer 2015 herrschen Probleme: Beim Multiple-Sklerose-Portfolio geriet das Wachstum ins Stocken. Nun sucht Chef und Pionier George Scangos einen Nachfolger. Er räumt seinen Posten, damit Biogen unter neuer Führung wieder zu Wachstum findet.

Weit besser schneiden die US-Biotech-Grössen Amgen und Celgene ab. Die kalifornische Amgen (Börsenwert: 132 Mrd. $) ist mit Innovationen im Krebsbereich und ihrem Biosimilar-Geschäft gut aufgestellt, um die Umsatzerosionen ihrer langjährigen Kassenschlager Enbrel, Neupogen oder Neulesta gegen Autoimmunerkrankungen und Blutkrebs aufzufangen. Besonders im Krebsbereich kann Amgen mit Neuheiten punkten.

Als erster Anbieter hat das Unternehmen bereits einen bi-spezifischen Antikörper auf dem Markt. Dieser Ansatz gilt als nächste Generation der Krebsimmuntherapie. Zudem verfügt Amgen neben Sandoz über die grösste Pipeline an biologischen Nachahmungsprodukten (Biosimilar) in der zulassungsrelevanten Phase der Forschung. Die Aktie liegt mit einem KGV 2016 von 15 leicht über Branchenschnitt (14) und bietet Einstiegsmöglichkeiten für Anleger.

Die fundamentale Ausgangslage sieht auch bei Konkurrent Celgene (Börsenwert: 90 Mrd. $) robust aus. Trotz zunehmender Konkurrenz im hoch umkämpften Krebsmarkt gelingt es dem Biotech der ersten Stunde, die Franchise seines grössten Umsatzpfeilers Revlimid (5,8 von 9,2 Mrd. $ Umsatz 2015) auszubauen. Dank Indikationserweiterung erwartet Celgene 2016 für Revlimid einen Umsatz von 6,7 Mrd. $. Laut Analysten dürfte diese Marke gar bei 8 Mrd. $ liegen.

Auch in der jüngsten Disziplin der Krebsbekämpfung, in der Krebsimmuntherapie, ist Celgene über Kollaborationen mit namhaften Partnern gut aufgestellt. Im Bereich der individuellen Zelltherapie gegen Krebs (CAR-T) arbeiten die Kalifornier mit Juno Therapeutics zusammen, einem der Pioniere auf dem Gebiet. Die Aktie ist mit einem KGV 2016 von 19 teurer als die der Konkurrenz. Die hohen Wachstums­raten rechtfertigen jedoch die Prämie.