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Sensirion leidet mit der Automobilindustrie

Der Sensorenhersteller weist erneut einen Semesterverlust aus und verfehlt die Erwartungen. Die Aktien bleiben teuer.

(AWP/GAH) Sensirion (SENS 35.1 -7.75%) hat im ersten Halbjahr 2019 erneut einen Verlust erlitten. Die Automobilkrise, eine schwächelnde Konjunktur insgesamt sowie die Handelskonflikte machen dem Sensorenhersteller zu schaffen, wie CEO Marc von Waldkirch an einer Telefonkonferenz erklärte.

Der Umsatz ging in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 6,9% auf 83,9 Mio. Fr. zurück. Im Juli hatte die Gesellschaft bereits einen Rückgang in etwa in der Grössenordnung in Aussicht gestellt. Der starke Rückgang ist primär auf die Automobilsparte zurückzuführen, in welcher der Umsatz um 14% einbrach. Im Vergleich zum bereits schwächeren zweiten Halbjahr 2018 ist der Absatz indes stabil geblieben.

Stark von Automobilindustrie abhängig

Im Geschäftsjahr 2018 war das Unternehmen bei 31% des Absatzes von der Automobilindustrie abhängig. Sie ist hinter industriellen Kunden  das zweitgrösste Absatzsegment. Infolge der aktuellen Krise in der Industrie aber auch wegen der deutlich niedrigeren weltweiten Industrieproduktion und der anhaltenden globalen Handelsauseinandersetzungen habe Sensirion ein «herausforderndes» erstes Semester hinter sich. «Wir spüren aktuell in allen Märkten eine reduzierte Nachfrage und eine weiterhin geringe Visibilität», schreibt das Unternehmen am Mittwoch.

Nach wie vor gebe es auch keine Signale seitens der Kunden für die ursprünglich zu Beginn des Jahres erwartete Erholung im zweiten Halbjahr 2019. Sensirion habe aber weder Kunden noch laufende Projekte verloren. CEO von Waldkirch betonte erneut, dass es sich dabei lediglich um eine Reduktion der Bestellvolumen handle. «Auch die Verkaufspreise entwickeln sich wie erwartet.»

Schätzungen verfehlt

Trotz des niedrigeren Umsatzes konnte Sensirion die Bruttomarge auf 53,2% stabil halten. Wie bereits im Juli angekündigt, litt der um Sondereffekte bereinigte Ebitda, an dem das Unternehmen seine Profitabilität misst, aber überproportional. Er brach wegen den tiefen variablen Kosten der Produktion auf 8,4 Mio. Fr. von 15,4 Mio. Fr. im Vorjahr ein. Damit sank die Marge auf 10% (Vorjahresperiode 17,1%).

Unter dem Strich resultierte ein Halbjahresverlust von 1,9 Mio. Fr., der in etwa gleich hoch ausfiel wie 2018 (2 Mio. Fr.). Belastet hatten im Vorjahr Kosten für den Börsengang und für ein damit zusammenhängendes Mitarbeiterprogramm. Der Sensorenhersteller ist seit März 2018 an der SIX kotiert.

Mit den aktuellen Zahlen verfehlte Sensirion trotz der Warnung im Juli abermals die Erwartungen. JPMorgen und Vontobel (VONN 63.35 -5.38%) hatten im Vorfeld mit einem bereinigten Ebitda in der Höhe von 10,1 Mio. Fr. respektive 9,1 Mio. Fr. gerechnet sowie mit einem Reinverlust von 0,7 Mio. Fr. respektive 1,1 Mio. Fr.

«Intensiviertes Kostenmanagement»

Mit Blick auf den weiteren Geschäftsverlauf hatte Sensirion Anfang Juli bereits die Prognose für 2019 gesenkt. Von Waldkirch bestätigte diese Ziele am Mittwochmorgen. Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr insgesamt mit einem Umsatz zwischen 160 und 170 Mio. Fr., nach zuvor 175 bis 190 Mio. Fr. Davon sollen 9 bis 12% statt 15 bis 16% als Betriebsgewinn auf Stufe bereinigtem Ebitda übrigbleiben. Bei der Bruttomarge erwartet das Unternehmen einen Wert von 52 bis 54%.

Die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten werden bestätigt. Trotz aktuell schwierigem Marktumfeld blieben diese unverändert gut, heisst es dazu. Die Markttrends und die Technologien stimmten. Zudem stimmten die lange Produktentwicklungsphasen zuversichtlich für die Produktepipeline, ergänzte von Waldkirch an der Telefonkonferenz.

So seien im Automobilbereich in den vergangenen Monaten einige wichtige Neuprojekte für Module gewonnen worden. Und im Industriebereich gebe es eine zunehmende Nachfrage nach höherwertigen Kombimodulen. An der bisherigen F&E-Intensität und am laufenden Ausbau des Produktionsstandorts in China halte Sensirion fest. Gleichzeitig reagiere man auf das herausfordernde Marktumfeld mit einem «intensivierten Kostenmanagement».

Die Aktien bewegen sich am Mittwochvormittag kaum. Seit Juli haben sie sich etwas erholt, der Kurs liegt jedoch noch immer noch deutlich unter dem Emissionspreis und rund 50% unter dem Höchst von Mitte September 2018. Damit bietet sich Anlegern die Chance, zu einem vergleichsweise moderaten Preis einzusteigen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 45 für 2020 sind die Titel aber weiterhin eher teuer und angesichts des gegenwärtig schwierigen Marktumfelds brauchen Investoren Geduld.

Die komplette Historie zu Sensirion finden Sie hier. »