Galerien / Objektiv 10:04 - 04.04.2017

Seward’s Folly

«Everybody’s gone surfin’, surfin’ USA»: Was die Beach Boys trällern, gilt nicht bloss für Kalifornien. Wer etwas abgehärteter ist, kann sich auch bei Anchorage von der Gezeitenbrandung tragen lassen: bei der grössten Stadt Alaskas, das seit genau 150 Jahren zu den USA gehört. Aussenminister William H. Seward kaufte es dem Zaren am 30. März 1867 ab, für 7,2 Mio. $. Auch in heutigen Dollar wären etwa 123 Mio. nicht zu viel für das riesige, rohstoffreiche Land. Der Kreml befürchtete, in einem allfälligen Krieg mit Grossbritannien – dem mächtigen Anrainer im heutigen Kanada – das abgelegene Territorium nicht verteidigen zu können. Erste Kontakte von Russen zu Alaska datieren ins 18. Jahrhundert; auch die Spanier hatten zeitweilig Präsenz markiert. Die Weltgeschichte wäre anders verlaufen, wenn der Kreml das Land behalten hätte, besonders später die blutroten Zaren. Seward hegte übrigens noch viel weitreichendere imperiale Vorstellungen: Er wollte den USA Kanada, Mexiko, Kuba, Haiti, Santo Domingo, Grönland, Island, Hawaii und Puerto Rico einverleiben. Doch selbst der Kauf von Alaska galt seinerzeit vielen Amerikanern als irr, als «Seward’s Folly», «Seward’s Icebox» oder – gar – «Walrussia».